Das Ende der Mauerbienensaison?

Die einen gehen, andere kommen…

Wie es aussieht, ist die Saison der Gehörnten Mauerbienen Osmia cornuta vorbei. Vor ein paar Tagen fand ich dieses Weibchen hier, wie sie tot vor den Niströhren lag.

Ein kleiner „Struwwelpeter“ :-) Was haben sie sich abgemüht für ihre Brut zu sorgen. Am Ende ihrer Zeit ist oft ein Teil der Behaarung weggeschubbert, weil sie sich so oft in die engen Brutröhren zwängen müssen.

Dieses Jahr hatten sie es nicht leicht. Der starke Frost im Februar, dann zwei extrem warme Tage, die ein paar der Gehörnten Mauerbienen vorzeitig aus ihren Niströhren gelockt hat. Schon Ende Februar, Anfang März waren die ersten draußen. Dann wieder kaltes, regnerisches Wetter. Die Männchen mußten diesmal lange warten, bis die Weibchen gaaaanz allmählich die Röhren verließen. Eigentlich liegen etwa 2 Wochen zwischen dem Schlupf der Männchen und der Weibchen. Ich hatte den Eindruck, daß einige später kamen, aber notiert habe ich es mir nicht.

Die Weibchen leben je nach Nektar- und Pollenangebot und Wetterlage so zwischen 6 und 8 Wochen. Doch auch in dieser kurzen Zeit gab es viele kühle Tage, Regen, noch so manchen Nachtfrost mit minus 2 bis minus 4 Grad. Alles haben sie überstanden. Dann die manchmal kurzen Sonnenphasen nutzen, um möglichst schnell voranzukommen mit dem Eier legen und Nestzellen bauen.

Erst habe ich sie noch ein wenig mit Hornveilchen und Weidenkätzchen unterstützen können, aber im April begann dann auch die Obstbaumblüte in der Gegend und dann gab es von allem genug. Davor haben sie noch die Kornelkirsche im Garten genutzt.

Manchmal sind die Röhren doch etwas eng. Rückwärts einparken wird dann schwierig, besonders, wenn die Flügel nicht mitwollen ;-)

Bei den Rostroten Mauerbienen Osmia bicornis war dieses Jahr alles anders und ihre Saison ist noch nicht ganz vorbei. Sie sind extrem spät gestartet und aus vielen belegten Röhren vom Vorjahr sind keine geschlüpft. Der Parasitenbefall muß größer gewesen sein oder es lag an etwas anderem. Ihre Zeit beginnt eigentlich Anfang April, aber wegen der Kälte schienen sie mir auch später dran zu sein.

Noch mal ein Bild von vor ein paar Tagen. Von den Rostroten Mauerbienen Osmia bicornis habe ich dieses Jahr nicht viele Bilder.

Die Gehörnten Mauerbienen sind meiner Meinung nach besser dran. Die Taufliegen Cacoxenus indagator, die die Wildbienen parasitieren, kommen erst bei milderen Temperaturen, so daß die ersten Mauerbienen einen guten Vorsprung haben. An warmen Tagen summten hier etliche kleine Wildbienen gleichzeitig rum. Richtig laut war das.

Bei den Rostroten Mauerbienen war das dieses Jahr nicht der Fall. Fast unscheinbar werkelten die paar Weibchen im „Hintergrund“. Auch jetzt ist es ziemlich verhalten draußen. Ich glaube, drei oder vier bauen da noch. Dafür sind aber alles in allem sehr viele Niströhren verschlossen worden. Die meisten sicherlich von den Gehörnten, aber auch die Rostroten haben noch einiges geschafft.

Ich habe ein bißchen die Übersicht verloren, aber ich schätze, daß so zwischen 80 und 100 Röhren verschlossen wurden. Ich werde später noch mal zählen.

Was mir dieses Jahr auffiel: viele der Gehörnten Mauerbienen waren kleiner. Das liegt vermutlich am Parasitenbefall durch die Taufliegenlarven (oder war die Versorgung schlechter?). Wenn die in den Niströhren am Pollen, der für die Wildbienen gedacht ist, mitessen, fallen letztere kleiner aus.

Eigentlich passen sie hervorragend in die 8 mm großen Niströhren. Dieses Jahr sah ich jedoch viele, die sich in den 6 mm Niströhren einquartierten. Dann wird die nächste Generation auch klein ausfallen, mit Parasitenbefall noch kleiner. Tröstlich war immerhin, daß die Taufliegen, dank der Kälte, sehr spät auftauchten.

Gelber Pollen verteilt sich über die Niströhren. Eigentlich sollte der ja IN den Brutzellen landen ;-)

Hier noch ein Blick in die Nisthilfen aus MDF-Platten, die bei mir nicht so gerne bezogen werden. Immerhin dienten sie den ersten Männchen dieses Frühjahr als Übernachtungshotel, als es so kalt war. Ihr erinnert euch?

Nachdem kürzlich eine Wespe dort einziehen wollte, habe ich es noch mal aufgemacht. Es waren noch keine Zellen belegt worden. Nur ein paar wenige alte vom Vorjahr waren drin, die von Parasitenbefall zeugten. Das Bild erspare ich euch. Sieht nicht so lecker aus. Nur die kleinen, etwa 3 bis 4 mm winzigen Diebskäfer Ptinus sexpunctatus, die hinterher aufräumen, wenn die Wildbienen nicht schlüpfen, die zeige ich euch noch.

Dieser winzige Käfer wird häufig an Nisthilfen gefunden, aber auch in Vogelnestern, Bienenstöcken, Ameisenhaufen. Wie es aussieht steht er immer noch auf der Roten Liste und gilt als gefährdet. Je mehr Nisthilfen es gibt, umso besser müßte seine Lage eigentlich werden. Ich bin gespannt, ob sich da eine Entwicklung abzeichnen wird. Ich frage mich heute noch, wie die hier gelandet sind. Wird eine Röhre von den Wildbienen nicht verlassen, tauchen sie als Müllabfuhr auf und machen sich ans Werk.

Allerdings fand ich gerade einen megaausführlichen Artikel bei Wikipedia, wo diskutiert wird, ob der Käfer nicht sogar schon während der „Bauphase“ in die Zellen eindringt und sich dort am Pollenvorrat und am Bienenkot gütlich tut. Es soll auch Belege geben, daß sie an den Wildbienen fressen, nur weiß man nicht, ob an den Lebenden oder den Toten. Irgendwie kommen sie mir, so ganz unwissenschaftlich, eher wie eine Müllabfuhr vor, die sich den Aballstoffen widmet.

Jedenfalls geht die Mauerbienensaison 2021 langsam zu Ende. Mal sehen, wie lange ich noch die Rostroten Mauerbienen hier sichte. Dann kommen hoffentlich andere Wildbienen. Letztes Jahr hatte ich ja Blattschneiderbienen zu Gast, die hier in den Balkonkästen 5 Nester angelegt haben und dann auch gleich durch Kegelbienen parasitiert wurden. Ein Gast kommt eben nie alleine :-)

The season of the first wild bees Osmia cornuta and Osmia bicornis is almost over. The first have died now. They live only for 6 to 8 weeks (the first appeared in march), so their time had come. They had a hard season this year. Strong frost in February, two extreme warm days in the same months, then lots of cold and sometimes rainy weather. Again frost in April…not easy. But they did their job like every year and now they may rest in peace :-)

The other wild bees, Osmia bicornis, are a bit later, they start at the end of March, the beginning of April, but this year many nesting tubes were not opened. Probably too many parasites. The few that developed well worked almost in the background. I hardly noticed them. In other years there was much more buzzing. Now I think there are 3 or 4 bees left, that still work on their nests. Nevertheless many tubes were closed, so there will be hopefully new wild bees next year!

The little beetle at the end is an endangered species. It can be found in nesting tubes, but also in birds nests, in the hives of bees or anthills. It is not sure, if they parasite the bees, but I find them often, when tubes were not opened. So my impression is, they do the cleaning afterwards. The larvae feed on pollen but also on the dung of the bees.

I hope, when the season of this two species is over, that there will be other wild bees. Last year I had leaf-cutter bees here and I hope I see them again.

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr ausführlich, besser geht’s kaum.
    Lohnt sich ein 2tes mal zu lesen
    😀

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    1. pflanzwas sagt:

      Lächel, danke Gerhard :-)

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  2. puzzleblume sagt:

    Wieder ein toller Beitrag. In diesem Jahr habe ich hier nur ganz wenige Mauerbienen gesehen, in letzter Zeit gar nicht.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich frage mich auch, ob die Kälte ihren Anteil daran hatte. Bis minus 25 Grad sollen sie in ihren Röhren eigentlich klarkommen. Irgendwo las ich neulich allerdings auch, daß sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt ihre Röhren verlassen müssen (leider weiß ich nicht mehr wo ich das las) und vielleicht hat auch das nicht geklappt.

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      1. puzzleblume sagt:

        Das kann natürlich sein, mit dem Zeitpunkt, und dass nicht die Winterkälte schuld war, sondern die Frühjahrskälte sie zu lange hat in der Röhre verharren lassen. Vielleicht kann ihr Stoffwechsel das dann nicht mehr bewältigen und sie verhungern kurz vor dem Ziel?

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        1. pflanzwas sagt:

          Sowas fragte ich mich und ich könnte es mir vorstellen. Vielleicht hatten die Gehörnten Mauerbienen das Glück, daß sie die warmen Tage zwischendrin erwischt haben und zeitig schlüpfen konnten? Das ist leider schwierig nachzuvollziehen. Naja, neues Jahr, neues Glück.

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  3. Oh, wss ist das für ein ergreifender Bericht, fast so, als sei die Erzählerin selbst mit in die Brutröhren gekrochen😊, um das hier alles so lebendig schildern zu können🐝🐜🐞🐝🐝😊Das sollten möglichst viele lesen und möglichst lange und nachhaltig😊
    Wie macht man das. daß dies hier bleibt – wie ein Nachschlagewerk für später?

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Gisela! Hihi, witzige Vorstellung mit den Röhren :-) Ich bin halt nah dran, hier auf dem Balkon oder eher „mittendrin“.

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  4. Ingwer sagt:

    Wie schön, von den Mauerbienen zu lesen. Ich habe ja auch Röhrchen in einen liegenden Blumenübertopf gesteckt, aber die scheinen nicht bewohnt zu sein. Nun sehe ich, dass deine Unterkünfte auch ganz experimentell sind.
    Danke für das Bild! (Liegt bei dir kein Staub?)

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    1. pflanzwas sagt:

      Das mit den Röhren kann verschiedenen Faktoren unterliegen. Erst mal müssen überhaupt welche in der Gegend unterwegs sein, dann müssen die Röhren passen (6 bis 8 mm für die Mauerbienen), manchmal mögen sie keine neuen Röhren und gut ist es, wenn die Röhren am Ende zugestopft sind. Ich habe hier so ein Gipszeug oder Lehm oder Steinchen, mit denen ich sie an einem Ende versiegel. Das mögen sie wohl. Was meinst du mit Staub? Daß die Röhren einstauben? Die Mauerbienen machen sowieso erst mal jede Menge Dreck, weil sie Sandreste aus den alten Röhren rausholen oder neuen „Mörtel“ anschleppen. Da liegen dann erst mal eine Menge kleiner „Klumpen“ rum, die ich irgendwann beseitige :-)

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      1. Ingwer sagt:

        Danke für deine ausführliche und lehrreiche Antwort. Du bist wirklich gut!
        Es ist so schön sauber bei dir, das meinte ich, kein Staub, keine Bröckelchen liegen herum. Aber das hast du entfernt, schreibst du.
        Gerade heute, als ich Blümchen pikiere, inspizieren nervöse Bienentiere die aufgestellte Behausung. Aber ich bin ihnen im Weg und sie vertreiben mich aggressiv. Ob das wirklich Bienen sind? Ich bin gespannt.

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  5. Sehr interessanter Bericht und schöne Bilder. Wie die Männchen aus der Pension schauen ist goldig.
    Bei mir war dieses Jahr weniger los: aus wenigen Röhren schlüpfte was und wenige Röhren wurden neu verschlossen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Also die Gehörnten Mauerbienen haben noch mal richtig aufgedreht und viel gebaut, aber die Rostroten, daß war echt mager. Scheint bei einigen Leuten so übersichtlich gewesen zu sein. Die lange Kältephase war ihrer Entwicklung wohl nicht zuträglich. Hoffen wir, daß nächstes Jahr wieder besser wird. Du hattest doch einige interessante Wespenarten oder? Da kommt bestimmt noch was.

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      1. Stimmt, die Wespen. Da könnte noch was kommen.

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