Ein Balkontag mit vielen Wildbienen

Lebensraum für kleinste Bienen

Mit Bienen sind hier nicht die Honigbienen gemeint, von denen hin und wieder auch welche vorbeikommen, sondern kleine und kleinste Solitärbienen. Sie heißen so, weil sie in der Regel Einzelkämpfer sind. Es gibt Männchen und Weibchen, die sich paaren, und die Weibchen bauen dann die Nester für den Nachwuchs, in die sie die Eier legen. Hat sie ihre Arbeit getan, lebt sie vielleicht noch ein kleines Weilchen*. Doch dann stirbt sie und neue Tiere ihrer Art gibt es dann im kommenden Jahr, wenn sie aus ihren Nestern schlüpfen. Dann wird sich wieder gepaart und der Kreislauf beginnt von vorne. Von diesen solitären Wildbienen, genauso gibt es solitäre Wespen, gibt es einige 100 Arten. Ein Teil der Wildbienen bildet kleine Staaten oder die Tiere nisten in Agglomerationen von vielen Einzeltieren, ansonsten sind sie, wie gesagt, einzeln unterwegs.

Früher kannte ich gerade mal Hummeln, die auch zu den Wildbienen zählen, aber daß es da noch über 500 Arten mehr gibt, hatte ich nicht geahnt. Inzwischen weiß ich auch, daß Wildbienen ganz winzig klein sein können. Gerade mal ein paar mm, so wie manche der Maskenbienen knapp 1cm messen. Oft merkt man, daß man es mit einer Wildbiene zu tun hat, wenn man den Pollen an ihren Beinen entdeckt. Was dann erst eine „Fliege“ zu sein schien, ist doch eine Wildbiene.

Maskenbienen, die mit den hellen Flecken

Und das hier ist eine Maskenbiene Hylaeus. Eigentlich sind sie so winzig, daß man sie kaum bestimmen kann. Aaaaber, sie haben eine Gesichtsmaske, die hellgelb ist und die man gerade so auf dem schwarzen Tier noch erahnen kann. Bei den Männchen ist sie in der Regel ausgeprägter, bei manchen Weibchen fehlt sie ganz oder es sind nur dezente Punkte zu finden. Die Tage fand ich eine auf dem Boden und habe sie auf das neue Habichtskraut gesetzt. Das fand sie dann auch ganz toll und hielt sich bis zum Abend drin auf.

Damit ihr eine Ahnung von ihrer Größe bekommt: Die Blüten des Habichtskrautes sind so zwischen 10 und 20 ct Stück groß, alles klar?

Etwas näher:

Hier sieht man sogar die Zunge:

Was mir noch nie aufgefallen war bisher, sind diese Streifen auf dem Abdomen, dem Hinterleib.

Als die Blüte sich schloß, blieb sie immer noch sitzen. Hier erkennt man die Gesichtsmaske im Ansatz ganz gut, die hellen gelben Flecken ganz vorne.

Kleinste Wildbienen

Ab einer bestimmten Größe wird es mit der Bestimmung immer schwieriger. Deshalb kann ich hier nur Bilder zeigen. Namen habe ich bislang keine finden können, auch wenn manche auffällige Merkmale haben!

Hier hatte ich überlegt, ob es das Männchen der Glockenblumen-Scherenbiene ist, aber ich sah sie auf einer Blüte der Mauretanischen Malve. Sie sollen eigentlich nur auf Glockenblumen stehen, allerdings weiß ich nicht, was sie in Ermangelung von letzterem machen. Auffällig sind diese Augen und auch der glänzend-schimmernde Brustteil könnte ein Hinweis sein. Diese hier ist ca. 1 cm lang oder sogar länger.

Mauerbienen, „bläulich“

Und hier ist doch noch eine bestimmbare Art. Ich glaube, es ist die Stahlblaue Mauerbiene Osmia caerulescens. Ich hatte sie schon mal hier zu Gast. Sie hat einen bläulich schimmernden Körper. Sie mag viele verschiedene Blütenarten; hier ist sie am Rotklee. Ihre Nester, die sie in Hohlräumen anlegt, verschließt sie mit zerkautem Pflanzenmaterial. U.a. verwendet sie gerne Blüten und Blätter der Malven (bevorzugt Moschusmalven), weshalb ich sie schon mal im Verdacht hatte, hier an den Blättern geräubert zu haben ;-)

An diesem Tag war noch mehr los, aber ich mache hier jetzt einen Schnitt, sonst werde ich nie mehr fertig.

* Bei den vielen verschiedenen Arten gibt es natürlich Unterschiede in der Lebensweise. Manche Arten überwintern auch. Es gibt da noch viel viel mehr, aber hier reiße ich das Thema nur an.

The last days the weather got warmer and there were many little insects and wild bees on my balcony. We have a worldwide decline of insects. Many people want to do something for bees, but the wild bees need our help more than the honey bees. Honey bees will be supported by their beekeeper in hard times. Wild bees, most of them solitary bees that live on their own, don’t have any help. Often they need special flowers they are dependent of! Or they need places where they can build their nests. Solitary means that there are male and female bees that copulate, the females lay eggs and build nests and after they have done their job, they die. The next year the circle of life starts again. You can help these insects by planting local wildflowers, don’t use any chemistry and let some wild plants grow.

Many wild bees are extremely small, so tiny you think of them as flies! Often you can see that it is a bee by the pollen on the legs. I try to photograph them, but often it is hard to tell who is who. They are too small. An exception is Hylaeus, a „mask-bee“, as we call it here in Germany. You can see it on the pictures above with the orange flowers. They are mainly black with little light yellow signs on their faces.

There are more wild bees and other insects and I am happy to have them here in my balcony garden :-)

 

38 Kommentare Gib deinen ab

    1. pflanzwas sagt:

      Danke dir. Ja, jetzt wo es warm ist, tobt hier das wilde Kleinstlebewesenleben :-)

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      1. So muss das sein
        Wir überlegen, uns einen Bienenstock in den Garten zu stellen.

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        1. pflanzwas sagt:

          Warum nicht, wenn ihr genug Trachtpflanzen vor Ort habt. Das ist bestimmt eine schöne Sache. Wohnst du ländlich?

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          1. Großer Garten mit ganz viel Bienenfutter. Nur sind es dieses Jahr spürbar weniger. Wir dachten, so einen kleinen Beitrag zu leisten…

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            1. pflanzwas sagt:

              Hört sich toll an. Die Honigbienen sind ja nicht so gefährdet, wie viele dieser solitär lebenden Wildbienenarten. Es hängt immer davon ab, wieviele Imker in deinem Umkreis leben und natürlich geht auch denen mal ein Volk ein. Im Prinzip könntest du mehr für diese Wildbienenarten tun, wenn du bestimmte, seltene Wildblumen pflanzt, insbesondere heimische. Damit würdest du sicherlich schon einen großen Beitrag leisten. Die Honigbienen werden in Notzeiten vom Imker unterstützt, wobei auch sie sich über ausreichend Nahrung freuen :-) Mancherorts in den Städten wird inzwischen schon zu viel geimkert, so daß Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienenarten einem immer größerem Konkurrenzdruck ausgesetzt werden, weil zwar die Zahl der Imker / Bienen steigt, aber nicht die Flächen mit Nektarpflanzen. Ansonsten ist sicherlich beides schön und empfehlenswert.

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            2. Wildbienen und Hummeln haben wir so einige, aber auch weniger aös letztes Jahr. Mal sehen, was sich so ergibt. Ich beobachte weiter und pflanze 😊🦋🌷🌷🌷

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            3. pflanzwas sagt:

              Das ist doch toll, daß du schon so viele Gäste hast. Manchmal weiß ich auch nicht, ob es schon drastische Einbrüche gibt oder sie sich noch woanders aufhalten. Jetzt blühen die Linden hier, da fahren wenigstens die Hummeln voll drauf ab. Vielleicht wirds hinterher besser. Ich drück die Daumen, daß noch mehr auftauchen und mehr pflanzen finde ich immer gut :-)

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  1. Das ist mehr als genial, was Du da zeigst!

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    1. pflanzwas sagt:

      Nicht genialer als daß, was du zeigst würde ich sagen :-)

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  2. Ich weiß ja um die Winzigkeit von Bienchen.
    Eine hatte ich letztes Jahr aus einem Spinnennetz entfernt. War sicher so 3 mm groß.
    Ein weiteres Exemplar, so erinnere ich mich,hatte ich tod im einem Netz gefunden. Das Ding war vermutlich kleiner als 2 mm.
    Heute fand ich eine von einem kleinen Spinnchen erlegte Wildbiene vor. So klein wieder, daß ich sie nicht mit dem Auge als solche erkennen konnte. Die Spinne, die gerade am Aussaugen war, enteckte ich erst am PC.

    Deine Fotos sind extraklasse. Mit meinem Makro kann ich kaum bessere machen, Chapeau.

    Ich war vor 2 Tagen auf Trockenwiesen hier in Main-Spessart. Ich weiß nicht, was ich mit den Fotos machen soll. Es waren doch einige neue Arten von Insekten dabei.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, wahnsinn, wie klein die sein können und wenn man es nicht weiß, hält man alles für Fliegen. Trockenwiesen sind toll. Da freue ich mich, wenn du was davon zeigst!

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      1. Viel Material, leider :-(

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        1. pflanzwas sagt:

          Iiiirgendwann hast du Zeit, spätestens im Winter.. ich komme auch gerade nicht hinterher. Jeden Tag ist jetzt was los hier oben und draußen sowieso.

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          1. Ich habe mindestens noch eine sehr längliche Fliege vom April, die sich der Insektenbox näherte…aber sei’s drum…ob ich das noch zeigen werde, keine Ahnung.

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            1. pflanzwas sagt:

              Wenn es paßt, dann paßt es. Sonst halt nicht. Manchmal stolper ich auch über alte Sachen, die ich manchmal nicht mehr zeigen will oder muß, manchmal auch doch, wenn es was spezielles war.

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            2. Ja, richtig. Nicht alles muß gezeigt werden.
              Es ist im Grunde wertvoll für sich, es fotografisch erfasst zu haben.

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  3. puzzleblume sagt:

    Schöne Bilder von den Winzlingen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Manchmal klappts :-) Es ist so schön, wie viel gerade los ist.

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  4. bluebrightly sagt:

    So many kinds of bees, it’s amazing. Than you for explaining…if I remember any of this, it will be good. :-) And you made a good point about how honey bees may be in trouble, but at least they have beekeepers on their side. The wild bees have Almuth, and I hope, many more people. I’m on their side, too. :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      That is nice and the bees will be happy, to have you on their side too :-) You may remember one small thing or another and that is already good. I don’t know how long I will make the translations, but at the moment it is okay. Makes it a bit easier right?

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  5. Das ist wieder eine schöne Auswahl kleiner Bienchen. Die Blüten vom Habichtskraut finde ich auch sehr hübsch, die Farbe ist so toll.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich mag sie auch so gerne! So ein leuchtendes Orange bei Wildblumen kommt nicht so oft vor, habe ich das Gefühl. Soweit ich mich auskenne, heißt das.

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      1. Und sie können sogar verschiedene Orangetöne. Mir fallen sonst auch nicht so viele orangefarbene Blüten ein.

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        1. pflanzwas sagt:

          Eine Lichtorgel quasi :-)

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  6. kowkla123 sagt:

    herrlich wieder, leider geht es mir im Moment nicht so toll, aber es wird schon wieder, bleib oder werde gesund, Klaus

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    1. pflanzwas sagt:

      Dann wünsche ich dir gute Besserung und laß den Kopf nicht hängen! Das wird schon wieder!!!

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      1. kowkla123 sagt:

        vielen Dank für die Wünsche zur Genesung

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  7. Da ist ja maechtig was los bei dir! Wenn ich mir die Bilder so anschaue, dann sind die abgebildeten Bienen auf den Bildern bestimmt groesser als in Wirklichkeit! Habe ich recht?
    Viele Gruesse
    Christa

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    1. pflanzwas sagt:

      Die auf dem ersten Bild, die Maskenbiene kommt so halbwegs hin von der Größe her. Etwas kleiner ist sie wohl. Ich würde etwa 8mm tippen. Aber sie kommt ganz groß raus :-) LG Almuth

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  8. Ule Rolff sagt:

    Immer mal übersichtlich zusammengefasst, sind die Informationen jede Wiederholung wert, liebe Almuth. Am Ende erreichst du doch noch, dass deine Gästeschar hier ein Völkchen von Wildbienenkennern wird. Und alle denken bei jeder gesichteten Wildbiene:“O, eine …-Biene, das weiß ich von Almuth.“

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    1. pflanzwas sagt:

      Hihi, das sind dann aber nicht viele ;-) Das wäre schön, wenn sich das Interesse und die Wahrnehmung weiter verbreiten würden, aber ich habe den Eindruck, daß passiert bereits. Ich finde es spannend, bei wie vielen Leuten die Insekten schon in den Fokus gerückt sind und jeder sieht sie anders. Ich glaube auch, daß Bewußtsein dafür ist der wichtigste Grundstein, um mehr Veränderungen herbeizuführen.

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  9. naturfund.de sagt:

    Wahnsinn! Die kleine Maskenbiene im Habichtskraut, welches ich so liebe, und dann bleibt sie da, bis die Blüte sich schließt :-) Sehr schöne Bilder von dieser Welt en miniature auf deinem Balkon.

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke! Sie fliegen jetzt viel hier und bauen ihre Nester. Ich finde sie so putzig mit ihren „Gesichtern“.

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  10. Wilder Meter sagt:

    Bei mir waren die Männchen der Glockenblumen-Scherenbienen auf den Blüten des Pyrenäischen-Reiherschnabels bis die Acker-Glockenblume und die Rundblättrige Glockenblume aufgeblüht sind. Sie haben auch im Reiherschnabel übernachtet. Bei Westrich steht: „Regelmäßig kann man die Männchen außer in Glockenblumen auch in Storchschnabel-Blüten Nektar trinken sehen, hier in einer Blüte des Pyrenäen-Storchschnabels (Geranium pyrenaicum).“ Vielleicht nehmen sie auch Malven als Ersatz.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das wäre interessant. Ich muß mal jemanden fragen wegen der Wildbiene. Manche Arten gucken ja ein klitzekleines bißchen über ihren oligolektischen Blütenrand ;-)

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