Am Bach 2

Schmetterlinge und anderes Getier

Am renaturierten Bach gab es neben diversen Wildbienen und anderen fliegenden und krabbelnden Insekten auch Schmetterlinge. Vielleicht nicht übermäßig viel, aber doch mehr, als man sonst so sieht. Ochsenaugen, Weißlinge, Bläulinge und auch mal ein Fuchs. Über den Kleinen Fuchs Aglais urticae habe ich mich besonders gefreut. Den sah ich wohl 20 Jahre nicht mehr.

Ich hoffe, ich liege mit meinen Bestimmungen richtig. Die Arten sollten wenigstens zutreffen ;-)

Das hier könnte ein Kleiner Sonnenröschen-Bläuling Aricia agestis sein. Vielleicht das Weibchen. Zu den Bläulingen gehören weit mehr Arten, als ich dachte. Einige davon sehen gar nicht nach Bläuling aus. Hier habe ich eine gute Bestimmungsseite gefunden, wo man eine schöne Übersicht findet.

Der hier sieht mehr nach Bläuling aus, wie man ihn erwarten würde. Man ist ja so schlicht ;-) Ich denke, es ist ein Hauhechel-Bläuling Polyommatus icarus.

Dann waren da noch Große Ochsenaugen Maniola jurtina und natürlich ein Vertreter der Weißlinge Pieris rapae. Interessanterweise hingen fast alle an den Kratzdisteln ab, nur der Kleine Kohlweißling stand auf Greiskraut.

Für mich (fast?) eine Premiere, der Kleine Perlmuttfalter Issoria lathonia. So schön, deshalb ein paar Bilder mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den schon mal sah. Vielleicht irgendwo im Vorbeiradeln.

Die Unterseite der Flügel ist fast ebenso schön, wie die Oberseite. Der Perlmuttfalter mag Brachen und schütteres Gelände, was hier ja noch! gegeben ist, weil alles recht frisch angelegt wurde. In ein paar Jahren ist vom offenen Gelände vermutlich nicht mehr viel übrig. Die Raupen ernähren sich von Acker-Stiefmütterchen, was ihr Überleben schwierig macht, gerade dort, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird. Wenn nicht zu früh alles abgeschnitten wird, sind die Acker-Stiefmütterchen durch Pestizide bedroht.

Immerhin waren an diesem Bach mal ein paar andere Falter unterwegs, als ich sie sonst zu sehen kriege.

Die abgeblühte Kamille warf so nette Kugelschatten und anscheinend nehmen auch Schmetterlinge mal einen Schluck Kamille zu sich.

Die Kamille war hier gut verbreitet und ebenso gut besucht. Eine Schlupfwespe Ichneumonidae macht sich gerade vom Acker… In Deutschland gibt es bis zu 3600 Arten. Die hier sieht mit ihren weißen Beinflecken zwar sehr prägnanat aus, finden konnte ich aber noch nichts.

Schlupfwespen sind sogenannte Parasitoide und legen ihre Eier in anderen Insekten ab. Sie haben in der Regel ein spezifisches Wirtstier (ob Eulenfalter, Mehlmotten, Raupen, Spinnen oder sonstiges). Die Larve ernährt sich meist vom Wirtstier, bis dieses dann abstirbt. Das kommt uns bei den Motten zu Gute als auch bei anderen Insekten in der Landwirtschaft, die an unser Obst oder Gemüse wollen ;-)

Doch noch gefunden: Diplazon laetatorius, ohne Deutschen Namen. Sie parasitiert Schwebfliegen, u.a. Hainschwebfliegen. Da killt der Nützling den Nützling wenn man so will, aber in der Natur hat alles seine Berechtigung.

Melde Atriplex oder Gänsedistel links sowie, hm, irgendwas Minziges?? Es könnte auch Ufer-Wolfstrapp Lycopus eruopaeus sein. Bei der Pflanze links sieht man wieder die violett verfärbten Blätter, von denen ich bereits berichtete.

Eine Mistbiene, ich glaube, es ist die Mittlere Keilfleckschwebfliege Eristalis interrupta. Sie gehört zu den Schwebfliegenarten, deren Larven gerne in Jauche u.ä. leben. Die ausgewachsenen Insekten, Imagos genannt, mögen Blüten bzw. Nektar.

Tja, daß war der Wasserstand von vor 4 Wochen und ein paar Blümchen sah man auch noch. Vermutlich ist das meiste inzwischen abgeblüht. Damals sah es schön aus mit den Wasserlinsen.

Auch diese Gemeine Bodenwanze Rhyparochromus vulgaris hatte noch saftiges Grün unter den Füßen. Neben Beeren mag sie vor allen Dingen die Samen von Pappeln, Ulmen und Beifuß. Ersteres und letzteres war vorhanden. Sie gehört zu den Langwanzen und ist gerade mal 7 mm lang. Wie viele der anderen Insekten an diesem Ort auch, mag sie offenes Gelände. Vor nicht allzulanger Zeit wurde sie in den Pazifischen Nordwesten der USA eingeschleppt und kann dort in großer Zahl auftreten, gerne auch in Häusern. Sorry Leute ;-) Wie bei Wanzen häufiger der Fall, sieht sie zum Ausgleich aber sehr schön aus :-)

Ein bißchen habe ich noch von der Stunde am Bach, aber das kommt dann im voraussichtlich letzten Teil.

This is the third part of my visit at the recultivated brook. I saw some butterflies, more than usual and some other kinds than usual, which was nice. There were some holly blues. It is interesting that this family is much larger than I thought and not all of them are blue. They can be brown, orange and more. The butterflies on the 2nd and 3rd picture are holly blues.

Then there was a small tortoiseshell. Funny, in German the name is small fox :-) I was very happy to see this one. It is a butterfly of my childhood and I believe I didn’t see it for 20 years or more. The Queen of Spain fritillary (wow, what a long name) was a new one for me. I think it looks beautiful from both sides. Interesting was that all of these butterflies seem to prefer thistles. Only the caterpillars have different preferences.

Then there was this nice Ichneumon fly. Alone in Germany there are about 3600 different kinds. This one parasitizes hoverflies. As far as I know all Ichneumon flies parasitize other insects. Caterpillars, spiders, moth and more. In the case of food moths they are very helpful.

On the last picture you can see a true bug Hemiptera. It is a nice one. It feeds on seed of cottonwood, elm and mugwort, also berries are accepted. Unfortunately this kind was introduced to the pacific northwest where it can be found in large amounts, especially in houses. Sorry folks ;-)

Many of the insects I found around the brook like open and sparse ground. The recultivation is still fresh and there is lots of open territory. I think in the future a lot of this will disappear and bushes and trees will take over. Well, at the moment most of the inhabitants can be happy :-)

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Brutal, deine bestimmungsseite.
    Ich hatte ja von Dr. Hock in Würzburg etwas ähnliches bekommen.
    Das blöde ist, dass man 90 Prozent davon nie zu Gesicht bekommt, nur an erlesenen Stellen.
    Hock schrieb mir, dass diese Stellen immer kritischer werden – und es echte Kämpfe gibt diese Stellen zu retten. Für die leute vor Ort ist es unverständlich, dass man sich um seltene Arten bemüht. Aber die EU macht da ziemlich Druck , meinte er.

    Gefällt 3 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Ja, man kann froh sein, wenn sich die EU so einmischt in Sachen Naturschutz und Wasserqualität. Ist ja leider nicht immer der Fall ;-) Viele Leute können nicht nachvollziehen, worum es da geht. Die wissen immer noch nicht, daß es 5 nach 12 ist…

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  2. einfachtilda sagt:

    Überall Wassermangel, kleine Bäche fast ausgetrocknet, auch kleine Seen. Schön, dass du noch ein paar hübsche Falter entdeckt hast, denn jetzt machen sie sich rar, bis auf ein paar wenige.

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Hier sind etliche Bäche trocken. Ich sehe ehrlich gesagt kaum noch welche, wo Wasser drin ist. Schwierig für die Wildtiere. Es war im Juli, da war noch richtig was los :-)

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  3. Ule Rolff sagt:

    Was für ein schöner und informativer Beitrag mal wieder!
    Das Foto mit Kleinem Fuchs macht mir plötzlich bewusst, wie lange ich keinen mehr gesehen habe. Er gehörte noch vor zehn Jahren hier zu den häufigsten Schmetterlingen. Jetzt gibt es viele, sehr viele Admirale und Pfauenaugen, die damals seltener waren. Und gelegentlich einen Schwalbenschwanz.
    Wenn ich einen Bläuling sehe, muss ich immer lächeln. Das ist ein Reflex, dessen Herkunft ich nicht erklären kann. Sie sind so hübsch. Fast so hübsch, wie deine Kamille-Kugelschatten 😀.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, Admirale und Pfauenaugen sind hier auch die Gängigsten. Einen Schwalbenschwanz sah ich noch nie, neid! Oh, dir sind die Kugelschatten augefallen, wie schön :-) Ja, Bläulinge machen einfach Freude!

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  4. Blaue Feder sagt:

    Die gemeine Bodenwanze ist ja wunderschön. Vielen Dank für all die Beschreibungen. Werde bei meinem nächsten Spaziergang drauf achten, wenn ich alles treffe.

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    1. pflanzwas sagt:

      Dann bin ich gespannt, was oder wen du triffst. Wobei du ja auch sehr viele andere schöne Begegnungen hast :-)

      Gefällt 2 Personen

  5. So schön. Manchmal ist das Sichtfenster so klein
    Liebe Grüße
    Und ein schattiges Plätzchen

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Nina, dir auch!

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  6. Das sind ja tolle Bilder. Da hast Du wirklich eine schöne Auswahl erwischt. Einen kleinen Fuchs habe ich auch schon ewig nicht mehr gesehen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Vielleicht werden sie ja mal wieder mehr. Schön wärs!

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  7. bluebrightly sagt:

    Beautiful butterflies, thank you! How nice that you saw one you hadn’t seen for so long. We have something like the Tortoiseshell – red fox – (we don’t have to agree, right?) and we have a number of Fritillaries across the country – they’re so pretty. I used to see them when I gardened a lot. I didn’t know about that bug at the end. One more thing – the fence made from willow (?) along the brook is so nice. This is something I associate with England and Europe. It isn’t done much here, I don’t know why.

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