Des einen Freud ist des anderen Leid

Greiskraut, ein Insektenfreund

Das Jacobs-Greiskraut Senecio jacobaea oder auch Jakobskreuzkraut ist umstritten. Die in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide, können zu chronischen Lebervergiftungen führen. Besonders problematisch ist das für Pferde und Kühe. Während Pferde es auf der Weide anscheinend nicht mitfressen, meiden sie es im Futter bzw. im Heu nicht und nehmen so zu viele Giftstoffe auf, die bei größeren Mengen zum Tode führen können. Ebenso Kühe. Auch für den Menschen ist die Pflanze nicht unproblematisch.

Interessanterweise ist dieses spezielle Greiskraut eine einheimische Pflanze. Sie war also schon immer da. Als problematisch wird angesehen, daß sie sich in den letzten Jahren in einigen Gegenden massiv verbreitet hat. Es ist eine Pflanze, die Trockenheit sehr gut verträgt, was zu unseren Dürrebedingungen natürlich hervorragend paßt. Wer mehr zu dem Thema erfahren will, ich füge am Ende ein paar Links ein.

Vor ein paar Wochen stand ich vor einem Greiskraut, einer einzelnen Pflanze entlang eines Weges hier in der Stadt. Ich stand dort vielleicht 10 Minuten. Zunächst waren mir zwei Wildbienen aufgefallen, die ich fotografieren wollte. Was in dieser Zeit auf dieser einzelnen Pflanze alles los war, war interessant!

Ich vermute, daß das hier eine Sandbiene Andrena ist. Sie arbeitete sich ausgiebig durch das Greiskraut und kam nach kurzen Pausen immer wieder zurück.

Kurze Zeit später tauchte diese Gemeine Löcherbiene Heriades truncorum auf. Sie ist etwa 8 mm groß oder sollte ich sagen klein?! Auch diese Art nistet gerne in Totholz, in Insektenfraßgängen beispielsweise, aber auch in hohlen Brombeerstengeln. Im Gegensatz zu einigen anderen Arten, die mit feuchtem Sand und Lehm arbeiten, nutzt die Löcherbiene Baumharze zur Trennung der Nistzellen. Der Verschluß der Brutzelle kann kleine Steinchen oder Pflanzenstücke enthalten.

Die Gemeine Löcherbiene steht auf Korbblütler Asteraceae und besucht nur Blüten dieser Pflanzenfamilie. Wie man gut sieht, hat auch sie eine Bauchbürste, mit der sie den Pollen sammelt und transportiert.

Während ich eben noch mit der Löcherbiene beschäftigt war, rauschte plötzlich dieser „Vogel“ hier vorbei. Ich bin noch nicht fündig geworden. Es sieht so nach Raubfliege aus. Das Tier war ganz schön groß. Das zweite Foto mußte sein. Ich finde das „Hände reiben“ mal wieder zu witzig ;-)

Nachtrag: Es könnte die Zinnober-Mordfliege Choerades ignea sein. Sie kann bis zu 23 mm groß werden und das erscheint mir passend, denn sie war wirklich riesig.

Nur einen Moment herrschte Leere an der Pflanze, als mal eben eine Baumhummel Bombus hypnorum eine Stippvisite einlegte. Hier ist klettern statt fliegen angesagt.

Ein weiterer Gast war diese kleine, gerade mal 3-4 mm winzige Gepunktete Nesselwanze Liocoris tripustulatus. Sie leben eigentlich von Brennesseln, aber das Greiskraut schien dieser hier auch zuzusagen :-)

Gerade in Zeiten von Dürre und zu geringem Nektarangebot ist das Greiskraut eine tolle Insektenpflanze. Vielleicht nicht überall, aber in der Stadt oder geeigneten Gebieten sollte es stehenbleiben dürfen. Von ihr ernährt sich übrigens auch die Raupe des Blutbären oder Jakobskrautbären Tyria jacobaeae. Ein Foto von 2018, draußen.

Zwei verschiedene Standpunkte bzw. Empfehlungen zu diesem Thema.

Vom Nabu Schleswig-Holstein und von der Landwirtschaftskammer NRW.

45 Kommentare Gib deinen ab

  1. Linsenfutter sagt:

    Ganz wunderbare Bilder sind das.

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    1. pflanzwas sagt:

      Vielen Dank. Es lohnt sich, mal länger stehenzubleiben, aber wem sage ich das :-)

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  2. Madddin sagt:

    Das hast du sehr schön geschrieben und fotografiert, naja, wie immer 🙂
    Ich bin energisch dafür, das JKK NICHT zu bekämpfen. Eine ganz wichtige und wertvolle Pflanze!
    LG Martin

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Martin :-) Ein besonnener Umgang wäre jedenfalls wünschenswert. Wir haben schon so oft etwas massiv bekämpft und damit die Natur ins Ungleichgewicht gebracht. LG Almuth

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  3. Nati sagt:

    Schon interessant wie unterschiedlich die jeweiligen Gruppen dieses Thema sehen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Allerdings, wobei die Interessensschwerpunkte ja auch sehr unterschiedlich sind. Ich denke nur, man muß nicht in einem Naturschutzgebiet eingreifen oder in der Stadt, wenn dort ein paar Pflanzen auftauchen. Wir haben schon so viel ausgerottet…

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      1. Nati sagt:

        So sehe ich es auch.
        Nur dort wo es gefährlich werden könnte.

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        1. pflanzwas sagt:

          Blöd, daß mit dem Heu. Die Tiere sind ja ansonsten schlau genug, drumherum zu fressen :-)

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          1. Nati sagt:

            Ist wie bei Kindern, wenn man ungeliebtes Gemüse untermischt.
            Nur für die Tiere kann es gefährlich werden.

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  4. einfachtilda sagt:

    Ein Fest für die Raubfliege, wenn sie sich denn schon die Hände reibt 😅
    Bislang habe ich immer die Räupchen entdeckt, sonst nichts anderes. Ist aber gut möglich, dass an bestimmten Stellen die Insekten darauf fliegen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Manchmal erwischt man den falschen Zeitpunkt. Vor einer Weile kam ich an einer Wiese vorbei, die voll mit dem Kraut war. Es wimmelte von Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten. Da war richtig was los.

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      1. einfachtilda sagt:

        Und ich konnte dieses Jahr nicht einmal die schönen Raupen entdecken.

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        1. pflanzwas sagt:

          Die Raupen sehe ich schon lange nicht mehr :-(

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          1. einfachtilda sagt:

            Ist jetzt auch nicht mehr ihre Zeit.

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            1. pflanzwas sagt:

              Ich sehe sie aber auch nicht, wenn ihre Zeit ist. Pfauenaugenraupen habe ich schon 20 Jahre nicht mehr gesehen, obwohl es hier viele Brennesseln gibt.

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            2. einfachtilda sagt:

              Bei uns in der Nähe eines Sees, gibt . eine wilde Wiese, da konnte ich die Raupen immer fotografieren. Unterwegs habe ich aber auch am Jakobskraut keine Raupen gefunden, dabei gab es sie vor Jahren massenhaft. Nicht jeder Sommer ist gleich.

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            3. pflanzwas sagt:

              Das ist wahr und trotzdem vergleich wir immer ;-)

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            4. einfachtilda sagt:

              Dieses Jahr ist alles anders.

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            5. pflanzwas sagt:

              Die Ackerhummeln sind kaum am Borretsch. Sowas gabs noch nie. Dafür Königskerze, gabs vorher auch nicht. Ja, es ist wirklich ALLES anders 😉

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            6. einfachtilda sagt:

              Dieses Jahr will mein Borretsch nicht, Ackerhummeln sehe ich am Ysop und auch mal an ungefüllten Dahlien. Königskerze habe ich keine. 🤔

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            7. pflanzwas sagt:

              Mein Borretsch hat auch ewig gebraucht. Jetzt wächst er, aber nicht sonderlich groß.

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  5. Und das alles in 10 Minuten!!

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    1. pflanzwas sagt:

      Da gibt’s bestimmt noch andere Pflanzen, wo auch so viel los ist, aber ich war schon überrascht, wie schnell sich die Insekten hier abgelöst haben.

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  6. frauholle52 sagt:

    Die Baumhummel gefällt mir und die gestreifte Raupe sieht ziemlich stachlig aus. Super Fotos mal wieder!💝

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Regine! Ja, wenn die sich so strecken, ist das immer lustig anzusehen :-)

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  7. Sehr schwieriges Thema. Die Samenbildung ist stark und es ist optimal an die trockenen Sommer angepasst. Früher gab es zB in den Mittelgebirge, wo viele Tiere auch draussen stehen bzw dass Heu später bekommen, eigentlich das Kraut nicht. Erst Ende letzten Jahrhunderts hat es so zugenommen. Es führt zu starken Leber Schädigungen. Auch verdrängt es andere Korbblütler. Ich bin froh, dass hier direkt noch nicht so ein Problem damit haben. Aber wie immer, schön, dass man bei Dir auch die andere Seite sieht.
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. pflanzwas sagt:

      Wenn ich dazu lese, bedeutet es halt einen größeren Aufwand, der Pflanze dort Herr zu werden, wo man sie nicht haben will. Ich denke nur, man muß sie deshalb nicht komplett verteufeln. Ich kann mir auch vorstellen, daß neben den anderen Faktoren, die Trockenheit ihr Bestehen begünstigt hat. Jedenfalls bei uns ist es oft das letzte, was draußen noch blüht. So wie die Wilde Möhre. Es wäre jedenfalls unnötig, sie dort, wo sie nicht stört, zu eleminieren. Auf die Art haben wir ja schon vieles ausgerottet, was uns als schädlich erschien. LG

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      1. Nein, ausrotten definitiv nicht. Ein Auge an kritischen Stellen haben die Betroffenen auch schon drauf und bitten halt drum, in diesem kritischen Umfeld darauf zu achten. So ist das hier jedenfalls.
        Da gibt es invasive, schlimmere Pflanzen und gegen die geht man auch tatsächlich vor.
        LG nochmal :)
        Nina

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        1. pflanzwas sagt:

          Das klingt vernünftig. Oh ja, der blöde Riesenknöterich zum Beispiel. Wobei die dem nicht überall Herr werden, leider. LG 🙂

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  8. Feiner Artikel, blut- und glutvoll dieses Kraut!

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    1. pflanzwas sagt:

      Blutvoll, na, das klingt ja fast dramatisch ;-)

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  9. Da war ja mordsmässig was los!

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    1. pflanzwas sagt:

      Damit hast du den Nagel auf den Kopf getroffen, lach. Die Raubfliege ist nebenbei gesagt eine Mordfliege :-)

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  10. Liebe Almuth,
    ich denke auch, daß man dort, wo keine Tiere grasen, das Kraut existieren lassen soll, weil es ja offensichtlich so vielen Bestäubern zugute kommt. Es ist beeindruckend, wer sich da in 10 Minuten hat sehen und fotografieren lassen.
    Lieben Gruß,
    Tanja

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Tanja. Es ist sicher nicht leicht, damit umzugehen, aber manche Leute drehen gleich wieder dermaßen durch, daß sie die Pflanze am liebsten überall und komplett beseitigen wollen. Wenn man genauer hinguckt, hat man halt mehr Aufwand, und daß scheuen manche vermutlich. Als Insektenpflanze unter Dürrebedingungen ist sie jedenfalls super :-) LG Almuth

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  11. Ule Rolff sagt:

    Eine sonnige Bilderfolge in Gelb! Das Kraut wird von Pferdebesitzern teils heftig gehasst. Dein Aufruf zu differenziertem Umgang damit ist bestimmt angebracht.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das kann ich mir gut vorstellen. Ist ja auch blöd, aber deshalb muß man es ja nicht überall rigoros vernichten. Leider kommt sowas ja auch im Teeanbau vor.

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  12. bluebrightly sagt:

    This plant is invasive here but it certainly can be pretty on the roadsides. Like it is here!! I remember seeing it near where we used to live, in a suburb of Seattle. I’m not sure if it’s as common up here. When you see all the insects on the flowers, it seems like this European native is only a problem for human-introduced animals. It makes you wonder if any of the animals that roamed Europe before agriculture had trouble with it.

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    1. pflanzwas sagt:

      It is interesting that it is native and you could be right. It is not that dangerous for sheep and goats. On the other side: horses and cows don’t eat it on the meadow, but they eat the hey and then they can eat a poisonous amount. It is also a problem with tea and herbs. When they take samples sometimes they find high scores of the toxic substances. Actually you have to do much more to prevent the plant from spreading. A lot of extra work many people try to avoid…

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      1. bluebrightly sagt:

        Wow, it even gets into the herbs and tea! That’s the kind of thing I would worry about with herbs from a place like China but not from Germany. I guess the best companies are very careful about testing their products frequently.

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        1. pflanzwas sagt:

          Partly. There are tests from time to time from independent scientists. It seems to get better, but is still a problem. Especially Chamomilla can be loaded. As I wrote, it is more work and when the herbs are harvested mechanichally too much of the weed gets into the tea. I buy my tea from a good tea company and hope it is alright ;-)

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  13. Sehr schöne Bilder und Insektenbeobachtungen und eine Mordfliege… die gefällt mir besonders. Bei uns wächst diese Pflanze vor allem auf Brachflächen und da sollte sie ja niemanden stören.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das denke ich auch.

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