Im Augenblick

am
Momente aus dem Wald

Manchmal ist man nervös und unruhig. Mit so einem Gefühl ging ich in den Wald. Mir hilft es dann, mich ganz auf den Moment einzulassen, mich auf meine Umgebung zu fokussieren. Hin und wieder dauert es eine kleine Weile, dann geht es wieder ganz schnell. Je nachdem, was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Diesmal stand ich im Wald auf einem lauschigen Pfad. Blätter und Nadeln bedeckten den Boden. Die Schritte waren weich und gedämpft. Die Sonne schien durch die Bäume, ließ Insekten und Blätter tanzen. Sträucher wie Bäume warfen ihre Schatten, so war das Licht weich und die Wärme angenehm.

Ich blieb vor einer Kiefernkrone aus Zweigen und Ästen stehen, die der Sturm im Frühjahr vom Baum gerissen hatte und die nun einen Teil des alten Weges blockierte. Schon nach kurzer Zeit hatten Menschen wie Hunde einen neuen Pfad ausgebildet. Das Licht tauchte die mittlerweile vertrockneten Kiefernnadeln in ein orangefarbenes Licht. Manche Zweige mit ihren strahlenförmig abstehenden Nadeln erinnerten mich an einen Sternenhimmel. Die Rinde des Kiefernbaumes strahlte Wärme aus.

An heißen Tagen duften Kiefern und Tannen mit ihren ätherischen Ölen besonders schön. Ich finde den Geruch jedes Mal beruhigend und besonders wohlriechend.

Ein Stern am Kiefernhimmel.

Ein Stück Rinde hatte sich in den Nadeln verfangen. Vom Licht gestreift leuchtete es schöner und transparenter als am Baum. Zuletzt doch noch eine Bühne für ein kleines Stück Holz von vielen. Wer es denn sieht.

Zwischen den Zweigen hüpfen die Vögel umher. Was für eine gute Trutzburg, diese alte, vergehende Kiefernkrone! Ein junges Rotkehlchen entdeckt das Leben zwischen alten Stämmen.

Während ich auf dem Pfad stehe und die Gerüche des Waldes einatme, lasse ich meinen Blick schweifen.

Kleinigkeiten wahrnehmen, die das große Ganze ergeben, den Fokus verändern, etwas in den Vordergrund rücken, was unbedeutend erscheinen mag, so wie dieser Zweig hier.

Oder der alte Kiefernzapfen, der noch ein bißchen Farbe zeigt. Die geschwungenen Muster eines winzigen Schneckenhauses, daß dieselbe Farbe zu haben scheint, wie der hölzerne Untergrund. Es strahlt, ganz heimlich ;-).

Der Blick in die Ferne, Farben verschwimmen.

Schatten tanzen wie Noten auf einem Baumstamm. Welches Lied wohl spielt?

Ist alles klar, scharf umrissen oder doch verschwommen? Was will gesehen werden? Was sehen wir, wenn wir hinsehen?

Manches ist nicht so, wie es scheint. Das Licht zeichnet klare Konturen weich.

Es fällt bis zum Boden, in den kleinsten Winkel. Es weist den Weg vom Leben zum Sterben zum Leben…

Entspannt kehre ich um, gehe den schattigen Pfad zurück zum Weg. Lausche ein letztes Mal dem Wind, den Vögeln und den Blättern und kehre ruhig nach Hause zurück.

23 Kommentare Gib deinen ab

  1. Da hast Du so schöne Worte gefunden!
    Ein schattige Plätzchen und ein kühles Getrånk und immer wieder so einen Waldspaziergang wünsche ich Dir
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. pflanzwas sagt:

      Herzlichen Dank 😊

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  2. Ule Rolff sagt:

    Dass der Wald heilende Wirkung haben kann, lässt du ganz deutlich mitempfinden in deinem sehr stimmungsvollen Text.
    Solche außergewöhnlich schönen Waldfotos bei dieser Gelegenheit aufzunehmen, trägt zur Beruhigung und Zufriedenheit sicherlich bei. Das ist eine rundum waldige Serie geworden, in prächtigen Farben und dem typischen HellDunkel, dass der Seele so wohltut, auch der Seele der Bildbetrachterin. Ich kann die Stille und den Duft wahrnehmen, alles bringen deine Fotos mit.
    Danke für diesen außergewöhnlichen Beitrag, liebe Almuth!

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    1. pflanzwas sagt:

      Vielen Dank liebe Ule. Schön, wenn das alles so bei dir ankommt und vielleicht noch ein bißchen Entspannung nach Hause bringt 🙂

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  3. gkazakou sagt:

    Welch schönes Mitnehmen! Ja, der Duft der Kiefern und Kräuter bei Hitze ist echt wohltuend.

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke dir! Ihr habt ja besonders viel aromatisches an Gewächsen in Griechenland. Auch die vielen tollen Kräuter, schwelg.

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  4. Die Bilder sind wirklich toll. Aber noch mehr hat mich der Zusammenhang von persönlicher innerer Stimmung und der Athmosphäre im Wald angesprochen. Liebe Grüße, Jürgen

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    1. pflanzwas sagt:

      Das freut mich Jürgen, herzlichen Dank! LG

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  5. frauholle52 sagt:

    Die reinste Philosophie heute und so schöne Fotos dazu.Dieser Beitrag ist fast so wohltuend, wie selbst raus zu gehen, was ich heute wohl vermeiden werde, denn das Wetter hat den Punkt überschritten, wo es von mir noch schön genannt werden kann. Um 9.00 Uhr schon fast 30 Grad…..

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, es war schon früh warm, aber so warm? Ich habe es Montag gar nicht so registriert. Nach den 39 von letzter Woche ist alles drunter zu vernachlässigen und nicht mehr wirklich heiß, haha 😉 Natürlich war es wieder schwüler und daß ist doch meist anstrengender. Da bin ich auch nicht mehr raus 🙂

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    1. pflanzwas sagt:

      Dankeschön Gisela.

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      1. 🌳🍀💐👁️🙏❤️

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  6. bluebrightly sagt:

    I used google translate and what a lovely piece of writing this is! You succeeded beautifully in conveying the atmosphere of calm that a walk in the forest brings. I love that smell, too, but I think only you would have brought so much gentle attention to the old, broken branches and needles from the pine trees. The bark caught in the needles and the Robin make the picture complete. :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Oh, I just noticed I answered the wrong comment. I wrote before that I am glad that the atmosphere is tangible! It is a lovely smell right? I always notice that I immediately relax when smelling it. You probably have lots of Conifers in your woods. In our townwood there are only some groups of these trees, so I am especially happy, when I find them. The small things are my way of meditation. I can forget everything else then. Thank you Lynn 🙂

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      1. bluebrightly sagt:

        The atmosphere is tangible – I’ve never heard it said that way and I like it. Yes, conifers dominate here, especially one, the Pseudotsuga menziesii. There are almost no pine trees but several other conifers. Someone told me there is research about something that conifers have that improves people’s health just from being around it and smelling it. You’re proving that!

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        1. pflanzwas sagt:

          I couldn’t find a translation for what I meant. In German we say the atmosphere is spürbar or fühlbar or the mood comes across? Difficult 😉
          The conifers have a lot of ethereal oil. I can imagine that helps?

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          1. bluebrightly sagt:

            I feel like I do understand what you meant and I appreciate your explanation. Maybe there’s really not a good translation like all those separate words for snow that northern people have. Sometimes people say the air is thick but I don’t think that’s quite the same. Anyway, usually that expression is used for murder mysteries, like the air is thick with suspense! ;-)
            Yes, it’s the oil, the resin, the sap, whatever it is. In summer here on dirt trails there’s the most lovely scent that comes and goes. Warm, fragrant, indescribable. It fills me with well-being.

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            1. pflanzwas sagt:

              That sounds beautiful! For some things there is no translation. Sometimes we can imagine it. Thank you Lynn!

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  7. Schön gesagt. Ich finde den Wald auch beruhigend und heilsam. Und diesen Kiefernduft mag ich sehr.

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  8. Lovely post & photos, I could almost smell the pines! :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Thank you very much. I am glad the atmosphere is tangible 🙂

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