Ein bißchen „um zu“ 1

Auf dem Weg zum Moor

Ich hatte kürzlich schon erwähnt, daß ich ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht habe, um mal etwas Neues zu sehen. Ich brauche gerade Abwechslung, Input, mal was anderes sehen. Naja, jetzt wird ja wieder überall gelockert, mal sehen, was in nächster Zeit „geht“.

Ich wollte schon lange mal in eines der naheliegenden Moore, die sich im Norden bzw. Nordwesten von Hannover befinden. Niedersachsen war ursprünglich mit riesigen Flächen von Mooren bedeckt, aber davon ist so gut wie nichts übrig geblieben. Kleine Fitzel kann man diese Flächen vielleicht nennen. Laut dieser Seite des Nabu waren es einmal 1,5 Millionen Hektar. Nachdem, was ich im Netz finden konnte, gibt es heute Deutschlandweit um die 18.000 km2 Moorfläche (Hoch- und Niedermoore), 38% davon in Niedersachsen, macht etwa 6.900 km2. Wirklich nicht viel. Vieles wurde von Siedlern urbar gemacht, es wurde Torf gestochen, entwässert und trockengelegt.

Die Urbarmachung des Moores im niedersächsischen Nordwesten im 17. Jahrhundert, auch Moorkolonisation genannt, war für die ersten Siedler ein entbehrungsreiches Leben. Ich war mal im Moormuseum Nienburg. Die kleinen Hütten waren eng, sehr feucht und von der Feuerstelle verqualmt. Die gesamte Umgebung war feucht, Wasser überall. Keine guten Bedingungen, um alt zu werden. Es gibt einen Spruch, der das Leben dort mit wenigen Worten sehr gut beschreibt:

„Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot.“

Also erst die dritte Generation der Siedler konnte von dem Wenigen dort leben. Das nächstgelegene Moor ist das Bissendorfer Moor. Nach einem Routenplaner sollte eine Strecke etwa 15 km messen. Bei Radtouren bin ich des öfteren 20 – 25 km unterwegs, manchmal auch mehr. Das sollte doch machbar sein. Ich nahm mir locker vor, in die Richtung zu fahren und zu sehen, wie weit ich komme. Mit ein wenig zu Essen und zu Trinken ausgerüstet, zog ich los.

Sobald man in die Region Hannover kommt, hört man allerorten Nachtigallen. Hecken und Sträucher an Feldrändern sind ihre bevorzugten „Trällerplätze“ ;-) Auch Goldammern und Rotschwänze waren zu hören oder zu sehen, entlang von ein paar leuchtenden Rapsfeldern.

Ich hatte keine Karte dabei, hatte mir vorher nur ein paar Notizen gemacht, wo ich langfahren muß. Einen Plan, den ich einstecken wollte, hatte ich leider auch vergessen. Und ja, ich hatte auch sonst nur mein altes Handy dabei, mit dem man nur telefonieren kann. Fast wie in alten Zeiten halt ;-)

So kam es dann, daß ich mich zwei mal verfahren habe. Das erste Mal in einem Gebiet, in dem ich mich eigentlich auskenne, aber ich bin wohl falsch abgebogen. Das zweite Mal kurz vorm Ziel. Die Straße, wo ich hätte abbiegen müssen, war etwas unscheinbar und ich bin dran vorbei und dann 2 km zu weit gefahren. Und daß ausgerechnet an einer doofen, viel befahrenen Autostraße entlang. Immerhin hat mir das den Anblick eines fast weißen Bussards beschert.

Nun ja, irgendwann habe ich mein Ziel dann doch erreicht. Gleich zu Beginn hörte ich einen Kolkraben rufen. Leider sah ich nur kurz einen schwarzen Schatten kreisen, aber sein Rufen war mehrfach zu hören. Schön! Auch Wollgras konnte ich in der Ferne sehen. Die schönen weißen Puschel, die so typisch für das Moor sind. Die Aufnahme ist leider nicht brauchbar. Wie lange war ich in keinem Moor mehr! Jahrzehnte?

Ich habe das Moor dann allerdings nur „angekratzt“, da ich ahnte, daß noch ein weiter Weg zurück vor mir liegen würde. Windig war es auch noch (nein, ich habe kein E-Bike ;-) und das Essen mußte für die Kraftanstrengung für den Rückweg auch noch reichen. Auch hier rächte es sich, daß ich keinen Plan dabei hatte. Ich wollte zu einem Aussichtsturm, aber der Weg zog sich und zog sich und so bin ich irgendwann umgekehrt, um meine Rückreise anzutreten. Das hat sich als Weise herausgestellt, ich war doch ganz schön geschafft zum Schluß, zumal meine Streckenberechnung nicht stimmte. (Ich hätte hier noch ein Bild rausgenommen, aber manchmal komme ich mit dem neuen Editor nicht klar, also lasse ich es).

Als ich zu Hause die Tour noch mal nachgemessen habe, bin ich etwa auf 41 km gekommen. Da hatte ich mich doch ganz schön verhauen, obendrauf meine „Extratouren“! Kein Wunder, war ich so platt!

So habe ich nur ein paar kleine Einblicke bekommen, hauptsächlich vom Bruchwald. Es gibt viele Birken, Heidelbeeren und Moos. Die Heidelbeerpflanzen erinnerten mich an meine Kindheit, als wir im Wald viel selbst gesammelt haben. Dort gab es eigentlich immer welche, in den Wäldern hier sehe ich keine. Es war schön warm dort auf dem Weg, während es außerhalb zwar sonnig, aber auch sehr windig war.

Ich will bald noch mal dorthin, dann aber mit mehr Zeit, mit Plan und mehr zu essen ;-)

Zum Schluß noch ein paar Glanzpunkte, äh, Glanzkäfer:

Recently I told you here that I did some bicycle tours to my surroundings, to see something new in this everlasting pandemic…

This time I wanted to ride to a „nearby“ moor / bog. I live in the state of Lower Saxony. In ancient times a big part of the state was moor. It is said that there were 1.5 million hectare. Today the rest is about 6.900 square metres. Not much! So not far from Hannover there are some of these little bogs to find.

About 1680 there were several settlers supported by the sovereigns that tried to colonize the moor. It was a very hard life. I have been to a moor museum some years ago and they showed pictures. The people lived in very small huts and everywhere was water. Water surrounded them. They made fire in the little cabins and everywhere was smoke. When it rained it was even worse. The settlers tried to dewater the moor, but it took a long time for improving the situation. There is an old saying about these first moor-settlers:

the death for the first (generation), poverty for the second, and bread for the third.

So the 3rd generation of these settlers was able to make a kind of living in the moor. Well, back to my little excursion. I wanted to go to the Bissendorfer Moor (it is the same word in German). The route planner said something of 30 km for the whole way. Sometimes I ride about 20 or 25 km, so I thought it wouldn’t be too far. It wasn’t my goal to reach the moor on this day, but if I would feel well enough I would try it. Well, I did it and it was nice to see a bit of the moor. I only went a few metres into the surrounding woods. I forgot to take a plan and somehow I knew it would be a long way back. It was rather windy that day and I did some wrong turns on my way to the bog.

So I just got a n idea of the moor on this day, but I want to come back soon! It was very quiet and I heard a raven! So beautiful. I saw Eriophorum vaginatum, which is typical for bogs here.It looks fluffy :-) I wanted to go for a lookout, but without a plan I didn’t know how long the way would be. So I returned to the streets and mady my way back, which was very wise afterwards. When I was home again I looked my tour up at the computer and saw that I rode 41 km instead of 30. I was really kind of knocked out ;-)

On my way to the moor I drove through fields of rapeseed. I heard mockingbirds/ nightingales, saw Emberiza citrinella and heard other birds you don’t find in the city. On my way there were a lot of hedges, which were typical for the countryside here. For centuries they were built to stop the wind, but in the second part of the 20ieth century they were more and more destroyed. Either for streets or farmland. In between they are protected again! They make sense here, because we have lots of wind.

Finally I found these funny bugs:
Nitidulidae = gloss beetles as you can see. She seems to be blue, he green, and they had fun :-)

It was a nice day out, but also a bit strenuous because of the wind and some bad routes, but as I said, I would like to go there again soon, to see more from the moor :-)

46 Kommentare Gib deinen ab

  1. wildgans sagt:

    „Trällerplätze“ – herrlich wunderbares Wort…

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Danke, mir fiel gerade nichts anderes ein :-)

      Gefällt 1 Person

  2. einfachtilda sagt:

    Eine richtig schöne Tour und diese wundervollen Käfer :-)

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Ja, die waren ein echtes „Highlight“ 😂

      Gefällt 2 Personen

  3. Oh, ich habe nich nicht alles gelesen…

    Gefällt mir

  4. Die Geschichte der Moore…
    Die „Planung“(?) der Radtour…

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Jetzt weiß ich nicht, was du meinst Gisela?

      Gefällt mir

      1. Ich meine nicht die Geschichte der Moore. Die hat mich übrigens sehr bewegt.
        Ich meine die „Planung“ der Radtour. Nach d e n Erfahrungen wird frau „klüger“.😊

        Gefällt 1 Person

        1. pflanzwas sagt:

          Ja, nächstes Mal nehme ich mehr zu essen mit :-)

          Gefällt mir

          1. Ja, das kann ich gut verstehen.🍰

            Gefällt 1 Person

  5. Das war ha eher leichtsinnig 😳

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Was denn? Ich bin ja nicht direkt ins Moor gestiefelt ;-)

      Gefällt mir

      1. Nein, das wäre möglicherweise tödlich ausgegangen.😶

        Gefällt mir

  6. Immerhin: Der Anblick eines fast weißen Bussards!

    Gefällt mir

  7. Das Wollgras, – daran habe ich wunderschöne Erinnerungen…

    Gefällt mir

  8. Oh, daß das noch einmal gutgegangen ist!!!

    Gefällt mir

  9. Nati sagt:

    Wenn einer eine Reise macht….

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Da sagst du was, lach…

      Gefällt 1 Person

  10. Deine schönen Bilder laden zum Entspannen ein, selbst vor dem PC!

    Gefällt 1 Person

  11. Werner sagt:

    Obwohl es kaum noch Flächen gibt und man weiß das Torf ins Moor gehört und nicht in den Garten, wird immer noch Torf für den Gartenbau abgebaut.
    Bei den Hecken hat das Bundesland Niedersachsen ja die Reissleine gezogen . Nachdem mehr als 70 % aller Hecken, der Landwirtschaft und der Sandbaggerei zum Opfer gefallen sind, hat man sich auf großen Druck der Naturverbände dazu durchgerungen den Abriss zu stoppen. Es werden zwar immer noch Hecken gefällt wo Sandbagger graben , heute müssen aber per Landesverordnung Ersatzpflanzungen erfolgen. Ich würde mir wünschen das andere Bundesländer folgen würden . Dort wo große Landmaschinen eingesetzt werde wie in Mecklenburg-Vorpommern sind Hecken nur im Weg . Moderne Landwirtschaft brauch keine Hecken oder auch Feldmauern .

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Trotzdem gibt es immer noch Vorkommnisse, wo mal eben über Nacht so ein „Knick“ verschwindet. Der Täter ist dann erstaunlicherweise nicht auszumachen. Jedenfalls erinnere ich mich an so einen Fall. Früher standen diese Hecken auch schon unter Schutz, dann hat man ihn wieder aufgehoben. Am meisten amüsiere ich mich heute über die sogenannte Agroforstwirtschaft, die u.a. solche Hecken und Windschutzzonen als etwas „Neues“ installiert. Es ist zum Teil vielleicht etwas ausgefeilter, aber daß, was jahrhundertelang praktiziert wurde, war erst out und ist jetzt plötzlich wieder total in, aber dafür wissenschaftlich belegt. Man versteht es nicht!
      Bleibt zu hoffen, daß es endlich mal ankommt, wie sinnig diese Hecken und Wälle sind.

      Gefällt 1 Person

      1. Werner sagt:

        Man wird es begreifen müssen, welchen Wert Hecken in unserer Natur haben. Trockene Sommer werden dazu führen, dass von den Feldern die ohne einen Heckenschutz stehen Erdreich abgetragen wird. Vielleicht erinnerst du dich an ein Ereignis an der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern, es kam zu einem riesen Auffahrunfall. Hecken und Feldmauer hätten das vernindern können. Stattdessen kam man zu der Erkenntnis das Ackerkrume nicht mehr gehegt werden darf bzw erst dann wenn es längere Regenfälle gibt. Dieser Unfall war die Folge einer falsch durchgeführten Landwirtschaft.

        Gefällt 1 Person

        1. pflanzwas sagt:

          Ja, an das Beispiel aus Meckpomm muß ich auch oft denken. Genau aus diesem Grund haben unsere Vorfahren die Schutzwälle und Hecken jahrhundertelang angelegt. Aber die waren ja anscheinend ahnungslos, haha!!

          Gefällt mir

    2. woodenbreath sagt:

      Wegen der Hecken sieht Niedersachsen auch wilder und „älter“ aus als z.B. Baden-Württemberg. Ich mags.

      Gefällt 1 Person

      1. Werner sagt:

        Hier mußte etwas passieren , zwischen Minden und Bremen gibt es an der Weser eine Kiesgrube nach der anderen . In diesem Bereichen wurden alte Heckenbestände bis auf wenige Ausnahmen vernichtet. Heute gibt es sehr viele Ersatzpflanzungen , die durch die schnell wachsenden Hecken, dass Landschaftsbild positiv verändern und neue Lebensräume schaffen.

        Gefällt 1 Person

      2. pflanzwas sagt:

        Ja, in manchen Gegenden ist das sehr ausgeprägt, auch in Schleswig-Holstein. Das kann wirklich lauschig sein. Dafür haben wir keine Weinberge ;-)

        Gefällt mir

  12. Die Käfers wissen, was zu tun ist bzw. sagen es ihnen ihre Hormone und wer weiss noch welche Stoffe.
    In ein Moor wollte ich auch, meine Frau war kürzlich mit ihrer Tochter dort, wegen Corona bin ich nicht mit. Es ist halt alles nicht mehr ganz so einfach.

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Das ist wahr, manches ist schwieriger geworden. Aber du kannst mit deiner Frau ja auch noch mal hinfahren.

      Gefällt 1 Person

      1. Das werden wir dan auch tun. Hoffentlich sind noch alle Insekten da….

        Gefällt 1 Person

        1. pflanzwas sagt:

          Hier ist es entweder zu kalt oder zu windig, so wie heute. Da sieht man wieder nichts. Ich war schon deprimiert, wie wenige Insekten mir bislang begegnet sind. Ein zwei gute Tage waren jetzt mal dabei, aber mehr auch nicht.

          Gefällt 1 Person

          1. Ja, entweder üppig oder garnicht. ;-)

            Gefällt 1 Person

  13. Wenn man das so liest, dann kann man verstehen, dass du „platt“ warst!
    Viele Grüsse
    Christa

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Lach, danke Christa!

      Gefällt 1 Person

  14. finbarsgift sagt:

    Feiner Moortag. Herrlich deine Fotos.
    Und auch zwei Käfer posieren mit 🐞🐞
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Danke Lu! Ich sehe hoffentlich bald noch mehr :-) Liebe Mittagsgrüße von Almuth

      Gefällt mir

      1. finbarsgift sagt:

        Da bin ich sicher 🤗

        Gefällt 1 Person

  15. Karin sagt:

    Normalerweise ist es umgekehrt: er blau und sie noch grün hinter den Ohren – sie gendern halt -:)) Ich liebte dieses Lied als Kind und heute immer noch und Wollgras sowieso

    Dir ein frohes Pfingstfest wünscht Karin

    Gefällt 2 Personen

    1. pflanzwas sagt:

      Haha, ja :-) Das Lied ist toll! Danke dafür und dir auch ein schönes Pfingsten! LG vom sonnigen Balkon
      Almuth

      Gefällt mir

  16. Hach, toll. So ein richtiges Moor mit Wollgras habe ich noch nicht gesehen.

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Leider war es zu weit weg, daß schöne Gras. Ich hoffe, daß ich nächstes Mal näher dran komme. Übrigens: du scheinst Recht zu haben mit dem Hartriegel! Ich habe ne Pflanzenbestimmungsapp benutzt, die ist deiner Meinung ;-). Ich schreibe demnächst mal was dazu.

      Gefällt 1 Person

      1. Immerhin aus der Ferne gesehen. ;-)
        Mein Strauch blüht gerade, den zeige ich jetzt mal.

        Gefällt 1 Person

        1. pflanzwas sagt:

          Ja, eindeutig, nur meine Blätter sind nicht ganz so spitz wie bei deinem Strauch. Lustig, daß ich das die ganzen Jahre falsch gesehen habe. Tja, man sieht wohl gerne daß, was man sehen will ;-)

          Gefällt 1 Person

          1. Das war mir auch aufgefallen, dass „meine“ Blätter schmaler und spitzer sind. Aber vermutlich gibt es auch verschiedene Hartriegelarten.
            Und ja, unsere Wahrnehmung ist selektiv. ;-)

            Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen: Bitte beachten Sie, dass wordpress.com Ihre Daten beim Kommentieren erhebt.

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s