Zimmerreise mit F

F wie Fossilien oder Federn

Das tolle an den Zimmerreisen ist, daß immer jemand ein Stichwort gibt und einen auf neue Ideen bringt. Es gab hier schon eine Geschichte mit F wie Fossilien. Da schließe ich mich gerne an, wobei ich von F wie Fossilien weiterreise zum F wie Federn und dann zum G, aber daß kommt dann in der nächsten Geschichte.

Auf der Fensterbank im Wohnzimmer liegen mehrere Steine, selbst gesammelte, gekaufte oder geschenkte. Fossilien, Reisemitbringsel von anderen lieben Menschen oder Halbedelsteine. Die Fossilien stammen aus meiner Kindheit von einer Familienreise in die Fränkische Schweiz. Wir reisten mit einer befreundeten Familie. Wir hatten viel Spaß miteinander und haben viele schöne Orte und Dinge gesehen. Wenn man auf den Hochebenen der Fränkischen Schweiz wandert, muß man nicht lange suchen, um Versteinerungen zu finden. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. War ein Acker umgepflügt, lachten einem die Steine schon entgegen. Für mich aus der norddeutschen Tiefebene war das total faszinierend. Und wir fanden wirklich tolle Versteinerungen! Viele Muscheln, Pflanzenteile, eins sieht aus wie ein Faustkeil (ohne Abb.). Keine Ahnung, ob es einer ist. Jedenfalls haben wir viel gesammelt und ich habe die Steine heute noch.

Zwei besondere Orte sind mir in Erinnerung geblieben: Pottenstein, daß ganz tolle Felsen hat, um die ein paar Fachwerkhäuser angeordnet sind. Ich habe danach gesucht und diese Ansicht hier gefunden. Das andere war Gössweinstein. Es gibt dort eine Burg und bis heute erinnere ich mich an ein ausgemaltes Deckengewölbe mit blauem Himmel und goldenen Sternen. Ich dachte immer, es wäre die Kemenate gewesen. Als ich jetzt danach suchte und auf der Museumsseite landete, war ich allerdings überrascht, daß die Kemenate zwar blau mit goldenen „Sternen“ war, aber es gab noch eine kleine Kapelle, in der dieser Himmel viel filigraner ausgemalt war. Hatte ich mich an diesen Himmel erinnert und ihn in die Kemenate transferiert? Es sieht ganz so aus. So verändern sich die Erinnerungen. Jedenfalls sind beide Räume schön! Fotos habe ich leider keine. Wer Lust hat, sieht sich die Links an. Es lohnt sich :-) Ein Wunschziel von mir ist bis heute die Sächsische Schweiz, die ja auch so beeindruckende Felsen hat.

Ein weiterer Teil meiner Fossilien befindet sich in meiner Rumpel-, äh, Abstellkammer. Als ich nach der entsprechenden Kiste suche, stoße ich auf eine alte Federnsammlung. Schon wieder ein F :-)

Da kommt wieder meine Großmutter ins Spiel (huch, ein G!). Wenn ich als Kind meine Großmutter im Altenheim besucht habe, war eigentlich immer ein Spaziergang zum Ententeich, oder zur sogenannten Tonkuhle, drin. Wie der Name schon andeutet, wurde dort Ton für eine Ziegelei abgebaut.

Heute sieht man das anders, aber damals war es weit verbreitet, die Enten mit trockenen Brotstücken zu füttern, Enten und auch manchmal Schwäne. Oft fanden sich am Ententeich schöne Federn, gerade die der Erpel, die so schön lila-grün schimmern. Auch sonst habe ich Federn gesammelt, ebenso meine Großmutter. Ich glaube, die drei größten auf dem Foto oben, stammen von ihr.

Hier würde ich eine Feder eines Eichelhähers vermuten.

Wenn ich im Altenheim zu Besuch war, sprach mich meist irgendeine Dame aus dem Bekannten- oder Freundeskreis meiner Großmutter an mit den Worten „..na, bist du bei der Omi zu Besuch?“ Und jedes Mal habe ich, halb entrüstet, geantwortet: „Nein, bei meiner Großmutter!“ Meine „Omi“ wohnte weiter weg, in einer anderen Stadt, und meine Oma war meine Uroma, die in Nähe der Omi wohnte. Das hatte sich bei uns so entwickelt. So waren alle Bezeichnungen in der Familie untergebracht ;-). Jedenfalls konnte ich es gar nicht leiden, wenn aus der Großmutter eine Omi gemacht wurde.

Dieser Tage bin ich am Aufräumen und Ausmisten und da sind mir ein paar alte Kassetten in die Hände gefallen. Ich wollte eigentlich mal welche digitalisieren, aber daß lohnt sich wohl nicht mehr. Fast hätte ich sie schon entsorgt, da fällt mir eine unbeschriftete Kassette in die Hände, die mir nichts sagt. Ich habe noch einen Rekorder hier rumstehen und lege die Kassette in das Gerät ein.

Ich vernehme Stimmen und Gelächter. Klingt wie ein Theaterstück. Dann wird etwas vorgelesen. Mir dämmert was. Eine Freundin meiner Großmutter war fast blind. Sie hat viel mit Kassetten gemacht, vermutlich Hörbücher gehört und selbst etwas aufgenommen. So auch hier. Sie hat mir ein paar Gedichte und lustige Texte aufgesprochen, aber sie hatte tatsächlich auch ein paar Aufnahmen mit meiner Großmutter. Eine leider kaum verständliche von einem Theaterspiel, und dann hat meine Großmutter wohl zum Einzug ins Altenheim ein paar Worte bei einer Veranstaltung gesprochen und dieser Text ist drauf. Unglaublich. Ich hatte das total vergessen! War das merkwürdig, ihre Stimme zu hören, aber auch schön. Ich hatte sie kaum noch im Ohr. Schließlich ist sie gestorben, als ich 14 war.

Nach dem Tod meiner Großmutter besuchten wir die nette Dame noch hin und wieder und bei einer dieser Gelegenheiten hat sie mir die Kassette geschenkt. Irgendwie toll, wenn ich bedenke, daß solche Aufnahmen damals nicht die Regel waren, so wie man heute stets und ständig alles digital festhält. Diese Kassette ist für mich schon etwas Besonderes.

Als ich Federn und Fossilien zurück ins Regal stelle, fällt mir ein Karton mit G wie Geschirr auf, aber davon handelt meine nächste Geschichte….

14 Kommentare Gib deinen ab

  1. puzzleblume sagt:

    Schön, da waren wir also beide als Kinder in Pottenstein und haben einen kleinen Schatz an Steinen.
    Deine Grussmuttererinnerungen sind wieder sehr anrührend.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ach, du auch? Wahrscheinlich mit ein paar Jahren Unterschied. Eine schöne Gegend / Landschaft.

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  2. Nati sagt:

    Mein Ältester sammelt auch Steine, gekaufte, gefundene, geschenkte.
    Da sind allerhand Schöne dabei.

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    1. pflanzwas sagt:

      Man kann sich da gut vertiefen :-) Heute ist das nicht mehr so stark ausgeprägt bei mir, aber früher habe ich ne Menge nach Hause geschleppt. Es gibt wirklich viele schöne Steine. Wenn ich jetzt auf ne Mineralienmesse ginge, würde ich bestimmt was finden, was mir gefällt.

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      1. Nati sagt:

        Oh ja, das stimmt Almuth.
        Er konnte an keinen Stand vorbei gehen ohne sich alle Steine anzusehen und mindestens Einer wurde gekauft.
        Auf einer Halde hat er sogar mal ein Vossilstein gefunden. Seine Fensterbank zieren unendlich viele schöne Stücke.

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        1. pflanzwas sagt:

          Kann ich gut verstehen :-)

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  3. Blaue Feder sagt:

    Deine Zimmerreise hat mich sehr berührt. So schön die Erinnerungen an die Großmütter. Wie gut, dass es sie gab!

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, unbedingt! Zumal die Beziehungen zu den Großmüttern oft, wenn auch nicht immer, entspannter waren, als zu den Eltern :-)

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  4. Ule Rolff sagt:

    Wohin solche Sammlungen uns doch tragen können … gut, solch schöne Erinnerungen zu haben, die noch einmal glücklich machen, wann immer man an sie denkt.

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke Ule, das hast du schön gesagt :-)

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