Insektenleben: Zwischen Hecke und Wiese I

Der Bienenwolf

Hinter dem Haus gibt es eine Wiese, die die letzten Jahre im Sommer nicht gemäht wurde. Es ist keine Blumenwiese, sondern sie besteht fast ausschließlich aus Gräsern.

Ein Wiesenausschnitt vom Sommer 2018

Ich habe schon mehrfach darüber berichtet. Daran angrenzend befindet sich eine kleine „Heckenlandschaft“, wenn man das überhaupt so nennen kann und daran angrenzend ein Mini-Wald, aber wirklich mini. Minimini. Die „Heckenlandschaft“ besteht aus alten Schlehen, es gibt Liguster und Holunder, Faulbäume und Weiden, Weißdorn, Hagebutten und einige Bäume, wie Eiche und Ahorn. Dazwischen wachsen viele Brombeeren und viele kniehohe Unkräuter wie Schöllkraut, Knoblauchsrauke, Nelkenwurz u.a. 

Wenn die Brombeeren blühen, summt und brummt es in den Blüten. Wer findet die 2. Biene ;-)

Auch in die anderen Richtungen gibt es Bäume und Hecken, die die Grundstücke säumen, mit Wildem Wein und Waldreben, Geißblatt, Pfaffenhütchen, Heckenrosen und vielem mehr. Wenn die Gärtnerkolonne nicht zu früh kommt, haben auch Flockenblumen und Schafgarben und andere Wildblumen eine Chance zu blühen. Aber meist haben sie nur ein kurzes Stelldichein dort.

So sieht das dann aus: Flockenblumen mit einer Wuchshöhe von 10-15 cm…Den Insekten ist das egal.

Durch die Wiese führen ein paar Trampelpfade, sandig und sonnenbeschienen, was viele Insekten für eine kleine Wärmepause nutzen.

Vor allen Dingen Fliegen, aber auch andere „Typen“.

Eine Goldfliege, vielleicht Lucilia caesar (?) So schön schillernd habe ich sie noch nie gesehen.

Während ich den Weg entlanggehe, fliegen an den Halmen verschiedene Insekten auf. Ich bleibe einen Moment sitzen und dann entdecke ich ein schwarz-gelbes Tierchen. Ich denke gleich an eine Grabwespe. Das war sogar richtig, aber nicht so, wie ich es erwartet hatte. Es hat ein paar Tage gedauert, bis mir ein Licht aufging!

Eine Grabwespe denke ich, aber welche?

Etwas später, am Wiesenrand auf den Brombeerblüten, entdeckte ich dieses hübsche Exemplar und ich denke erst an eine Wespenbiene, aber die hübsch geschwungenen Hörnchen Fühler paßten nicht zu dieser Art, die andere Wildbienen parasitiert. Ich habe mir einen Wolf gesucht (das ist ein gutes Stichwort!). Vorhin schlage ich mein Wildbienenbestimmungsbuch auf und was springt mir gleich auf den ersten Seiten entgegen? Taraaaaa! Der Bienenwolf Philantus triangulum :-)

Ein Bienenwolf-Weibchen

Wie der Name schon sagt, jagt diese Grabwespenart Crabronidae Honigbienen. Sie fängt sie mit ihren langen Beinen, lähmt sie mit einem Stich und bringt sie als Nestproviant für ihre Larven in ihr unterirdisches Nest. Bevor sie das tut, drückt sie ggf. noch den Leib der Honigbiene zusammen, um aus ihrem Honigmagen einen Tropfen Nektar hervorzupressen. Den leckt sie dann vom Maul der Biene auf. Was sich die Natur so alles ausgedacht hat, tzzzz. Wie ich gerade noch las, machen sie das manchmal nur zur Nahrungsaufnahme und lassen die Bienen dann hinterher einfach fallen.  Wie bei manchen anderen Wildbienen bekommen auch beim Bienenwolf die weiblichen Nachkommen einen größeren Nahrungsvorrat ins Nest gelegt. Männchen bekommen drei Bienen, Weibchen 6.

Um auf das Insekt vom vorigen Foto zurückzukommen: ich hocke mich zwischen die Halme und warte, bis die Insekten wieder landen. Die Gelegenheit für ein schnelles Fotoshooting. Am Computer suche ich noch nach Grabwespen von der Art, die meinen Balkon bevölkert, aber die sind es nicht, sondern das hier ist das Männchen des Bienenwolfes. Jetzt sehe ich auch, wie sehr sich die beiden Insekten ähneln. Manchmal braucht man etwas länger :-) Das Männchen zeichnet sich durch eine tolle weißliche Gesichtszeichnung aus:

„Mann“ putzt sich den Fühler :-)

Das ist so auffällig und prägnant, aber wenn man nicht weiß, wonach man sucht… Ich ahnte zwar, daß ich falsch liege, aber deshalb hätte ich nicht gewußt, wo ich sonst gucken soll. Der Zufall hat mir geholfen. Von dieser Zeichnung im Gesicht bin ich ganz begeistert. Auch die Fühler sind doch schick oder?

Das Männchen ist maximal 1 cm groß, „sie“ kann bis zu 18 mm erreichen. In der Wiese waren einige Tierchen unterwegs. Dann hoffe ich mal, daß sie sich getroffen haben :-)

I am lucky: I live in the middle of a city, but behind the house where I live is a small area of wilderness. There is a meadow with many grasses (less flowers), but it is full of grashopper and locusts. They are jumping, when you pass the weed :-) Then there are hedgerows with different plants, bushes like honeysuckle, privet and elder, trees like oak and acorn, dog roses, blackberries and lots more. I think it is a good mixture for a biotope. Between the weed are small sandy paths and some insects enjoy a warm sun bath, like the fly you can see in the post, which we call „gold-fly“ in German.

I noticed these little black-yellow insects on the blades of grass and thought them to be wasps Crabronidae of a solitary living kind. It took a while till I found out what species they are and how the different discoveries are connected. One is a female bee wolf, the other one, with the white „mask“ in the face is the male bee wolf. The two insects I found are from the same kind :-)

The bee wolf hunts honey bees. As many wild bees do this wasp takes honey bees as food for their larvae. Depending on the sex of the insect the supply differs from 3 bees, for a male, and 6 bees for a female bee wolf. When the bee wolf catches a honey bee they paralyze the bee with a stitch. Then they press the body of the honey bee to get some nectar out of the honey stomach. They eat the drop from the mouth of the honey bee. Strange, what mother nature has invented. Everything functions perfectly, even when we find it strange from time to time.

 

 

 

 

 

 

 

24 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christian W. sagt:

    Gehört hatte ich von dieser „Wolfsart“ schon, aber so ausführlich ist sie mir noch nicht vorgestellt worden. Merci :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Voilá :-) Mir war sie auch neu bzw. es ging mir wie dir, der Name war mir bekannt, aber gesehen hatte ich sie noch nie.

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  2. puzzleblume sagt:

    Eigentlich müsste es ein gutes Zeichen sein, wenn es dieses Jahr relativ häufig Bienenwölfe und Bienenkäfer zu sehen gibt, bei mir treten sie auch auf. Bei deinen Bildern sind die Augen schön zu sehen und die umrandenden Linien drumherum, die sollen für ihre Gattung typisch sein.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ah ja, interessant. Ja, wenn es so viele gibt, muß die Honigbienenlage ja auch gut sein (wird ja viel geimkert). Ich hätte gar nicht gedacht, daß sie hier vorkommen. Ich sehe es auch als positiv an. Goldwespen gibts auch genug ;-)

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      1. puzzleblume sagt:

        Die sind nicht auf Honigbienen spezialisiert und das ist ihr Glück, ich habe im Garten fast gar keine.

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        1. pflanzwas sagt:

          Ich habe noch mal nachgesehen:
          http://www.wildbienen.de/wbi-r630.htm
          Eigentlich sind sie wohl schon auf Honigbienen spezialisiert, aber wenn es nichts anderes gibt, scheinen sie auch Wildbienen zu nehmen. Der südliche Bienenwolf soll vorzugsweise Wildbienen jagen. Ich kann mir gut vorstellen, daß die Bienenwölfe bei euch in der Gegend auch mit den wilden Genossen Vorlieb nehmen. Gibts denn gar keine Imker im Umkreis?

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          1. puzzleblume sagt:

            Nein, kein Imker. Voriges Jahr hatte einer mal Kästen in ca. 1km Entfernung aufgestellt, da kamen ei paar mehr auch bis hierher, aber dieses Jahr sind wieder so gut wie keine Honigbienen vorhanden.

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            1. pflanzwas sagt:

              Ich habe hier auch nicht viele, allerdings sehe ich sie draußen an den Brombeeren. Also dort, wo ein paar mehr Blüten zu finden sind. Hierher verirrt sich selten eine. Höchststand waren mal 9 Stück am Wasserdost, die waren wohl süchtig ;-)

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  3. Die Insektenphotos sind wieder sagenhaft schön. Da sieht frau dann ja doch vor allem die Schönheit und ordnet das grausam Erscheinende dann dementsprechend ein und,unter, im Dienste des Lebens, wodurch sich die Natur ja immer wieder neu regeneriert, auch zu unserer Freude.

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    1. pflanzwas sagt:

      Gut gesagt. Ja, alles bleibt dadurch im Gleichgewicht.

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      1. Ja, alles bleibt dadurch im Gleichgewicht. Wir werden vieles neu sehen lernen, glaube ich.

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        1. pflanzwas sagt:

          Das wäre schön. Jetzt gab es für viele die Gelegenheit, mehr in die Natur zu gehen und zu gucken. Manche werden davon etwas mitnehmen.

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  4. Die sehendickköpfig aus. 😉 Gehört habe ich vom Bienenwolf schon, ihn aber bestimmt noch nie bewusst gesehen. Die Gesichtszeichnung ist ja wirklich schick.

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    1. pflanzwas sagt:

      Wenn sie ins Nest schießen, können sie wohl Kamikaze. So gesehen paßt dickköpfig sicherlich ;-)

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  5. Wieder fabelhafte Makroaufnahmen und besonders schön finde ich die Fliege, liebe Almuth!

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    1. pflanzwas sagt:

      Die sah diesmal besonders hübsch aus. Danke Arno!

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  6. Excellent!

    Der Bienenwolf, männlich und weiblich…Chapeau!

    Gerade heute habe ich wieder etwas bestimmen können, wonach ich lange suchte. Aber nicht alles lässt sich bestimmen.

    Danke auch für die Infos. Auch zu dem Honigtautanken, das ist schon krass.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, lustig ist es, wenn man bereits das nächste Insekt sucht und dann das vorherige findet :-) So geht es mir des öfteren.

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  7. Ule Rolff sagt:

    Die Geschichte vom Frühstück Mund zu Mund finde ich ja krass! Was du so alles weißt! Die Fotos finde ich super!

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    1. pflanzwas sagt:

      Das mußte ich auch recherchieren. Ich kannte den Bienenwolf ja selbst noch nicht. Ist aber schon erstaunlich, was die Tierchen so drauf haben oder?!

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  8. naturfund.de sagt:

    Mir sagte der Bienenwolf bisher leider nichts, umso schöner sie und ihn hier so vorgestellt zu bekommen. Was für tolle Bilder dir gelungen sind! Ich finde, beide können sich sehen lassen, wobei die weiße Gesichtszeichnung des Männchen schon sehr besonders ist. Was man so alles entdecken kann, wenn man mal hinters Haus geht :-) Ich finde es besonders schön, dass du mitten in der Stadt diese Flecken Natur findest und zeigst.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich bin auch sooo froh darüber! Und ich hoffe, daß es erhalten bleibt. Früher guckte ich auf Hauswände, daß kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Ich bedaure nur, daß so wenig solcher Flächen da sind und jetzt noch mehr zugebaut werden. Sowas sollte es viel viel mehr geben, aber in der Wohnungsdebatte hat das keinen Platz fürchte ich.

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      1. naturfund.de sagt:

        Nein, das fürchte ich auch. Damals in den Großstädten schaute ich auch fast immer auf Hauswände, das ist schon komisch im Rückblick. Mal sehen, was die Zukunft bringt, aber ich kann mir das freiwillig auch nicht mehr vorstellen. Schade, dass es sich in der Stadt nicht durchsetzen wird, mit den Grünflächen.

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        1. pflanzwas sagt:

          So kann es sich ändern. – Ja, ich fürchte auch. Ich bin heute stadtauswärts unterwegs gewesen und es wird sooo viel gebaut. Zwei große Wiesen sah ich noch. Bestimmt das Bauland von übermorgen.

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