Wo gibt es denn noch sowas?

Wildblumen und Freunde

Kürzlich war ich am Mittellandkanal unterwegs, der Hannovers Norden quert. Es gibt im Raum Hannover einige Mergelvorkommen, wo auch heute noch abgebaut wird, andere Mergelgruben sind stillgelegt und stehen wegen der Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten unter Schutz. Hie und da findet man zugängliche Vorkommen in der Natur, so auch direkt am Kanal. An einer Stelle hat man sich drum bemüht, passende Wildblumen auszubringen, wenn sie dort nicht ohnehin schon wachsen.

Von dieser Wiese hatte ich schon einmal berichtet. Man findet Wiesensalbei, Natternkopf, Kartäuser-Lichtnelken, Labkraut und Flockenblumen. Am Kanalufer wächst noch so einiges mehr: Wiesenknopf, Nachtkerzen, Königskerzen, Steinklee, Johanniskraut, Ackerwinden, Wicken, Wilde Möhre, Gemeiner Wundklee, Kleinen Wiesenknopf und und und. Alles Blumen, die das Insektenherz höher schlagen läßt :-) Bilder können zum Vergrößern angeklickt werden.

Es hätte richtig viel los sein müssen, aber es war ein sehr windiger Tag. Die Insekten waren höchstens in der Ufervegetation zu entdecken. Auf der Wiese, in Hanglage, tat sich nicht viel. Der Hit bei Hummeln, Bienen und Wildbienen, war der Natternkopf.

Erst nach näherem Hinsehen, konnte ich das eine oder andere Insekt ausmachen. Das hier ist vermutlich ein Ameisen-Blattkaefer Clytra laeviuscula, auch Ameisensackkäfer genannt (danke Anja!). Die Farben hat er sich beim Marienkäfer geliehen ;-) Allerdings ist er größer und er kann seeehr cool abhängen!

Dann waren da noch diese kleinen grünen Winzlinge an den Flockenblumen. Es könnte ein Zipfelkäfer sein. Komisch ist, daß ich nur einen Zweifarbigen Zipfelkäfer Malachius bipustulatus gefunden habe, aber hier kann ich die zweite Farbe nicht ausmachen, die am Hinterende zu finden sein sollte. Vielleicht war er so geschickt, sie mir nicht zu zeigen ;-) Etwas anderes kann ich nicht finden. Falls jemand mehr weiß?! Hübsch und glänzend ist er jedenfalls.

Kartäuser-Lichtnelke Dianthus carthusianorum nochmal mit dem Zipfelkäfer.

Auf der Wiese lachte mich das Männchen einer Maskenbiene Hylaeus  an, oder etwa nicht? Wiesen-Flockenblumen Centaurea jacea sind begehrt!

Eine Schwebfliege:

Auch Bienen waren zu finden. Hier sieht man neben der Blüte die schöne Knospe. An Flockenblumen ist einfach alles rundum schön!

Mehr eine Notiz für mich: Es köööönnte eine Echte Blattwespe Macrophya annulata sein, vielleicht aber auch nicht…. hier auf der fast leeren Samenkapsel einer Flockenblume. Es könnte aber auch eine Wanzengrabwespe Astata boops sein.

Hier bin ich fündig geworden. Es ist eine Raupenfliege Cylindromyia bicolor. Die Larven dieser Fliegenart parasitieren Wanzen. Und warum heißt sie dann RAUPENfliege? Sie wuselte die ganze Zeit am Boden herum.

Dieser Grüne Scheinbockkäfer Oedemera nobilis winkte mir mal eben mit seinem Beinchen zu :-)

Hier noch mal ein Blick über die kalkhaltige Magerwiese: Natternkopf , u.a. mit Flockenblumen und Kartäusernelke und Labkraut. Klingt fast wie eine Mahlzeit. Was das weißblühende im Hintergrund ist, weiß ich leider nicht. Oberhalb des Ufers hat man noch eine kleine Streuobstwiese angelegt. Hier flattert es auch schon mal, also Schmetterlinge ;-)

Von mir aus dürfte es davon gerne mehr geben. Gibt es aber nicht, weil Überdüngung in der gesamten Republik dazu beiträgt, daß solche Magerwiesen verschwinden (wobei Kalk-Magerwiesen noch mal speziell sind). Diese Wildblumen sind an diese Bedingungen angepaßt. Das Wort „mager“ kommt nicht von ungefähr. Gelangt zu viel Dünger auf solche Wiesen, verschwinden diese schönen Blumen. Manche Arten können sich arrangieren, die meisten nicht. Zudem werden sie schnell von stickstoffliebenden Pflanzen verdrängt. Auch über die Luft gelangt Dünger, z.B. in Form von Stickstoff, auf die Wiesen. So sind solche Lebensgemeinschaften auch in Naturschutzgebieten bedroht. Die Luft kennt keine Grenzen. Der eine oder andere von euch, hat so eine Wiese oder mehr davon, vielleicht vor seiner Haustür. Dann seid ihr wahre Glückspilze :-)

 

 

38 Kommentare Gib deinen ab

  1. Den Natternkpf liebe ich, z. B. als er früher in den Stranddünen der Ostsee wuchs. Ob ich so etwas jetzt noch dort finden werde, ist wohl eher unwahrscheinlich. Mal sehen…

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    1. pflanzwas sagt:

      Ach, der wächst dort? Das hätte ich gar nicht gedacht. Ja, sieh mal nach und berichte! Die blauen Blüten sind sooo schön :-)

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      1. Ja, ganz viel gab es da. Ich schaue mal…

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  2. Eva Zimmer sagt:

    Einfach wunderschön! Bei uns gibt es auch ein paar Naturwiesen, allerdings auf schwerem Lehmboden, da wachsen nicht so viele lila Blümchen auf einmal.

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    1. pflanzwas sagt:

      Dafür bestimmt andere Schönheiten :-)

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      1. Eva Zimmer sagt:

        Mehr Gräser, weniger Blumen. Es sind immer Farbtupfer drin, aber es ist kein Blumenmeer. Umso schöner, dass es noch ein paar von diesen Naturwiesen in Deutschland gibt :)

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        1. pflanzwas sagt:

          Mit dem Wort „paar“ hast du leider Recht. Artenreiche Wiesen, und besonders feuchte Wiesen, sind fast komplett aus Deutschland verschwunden und damit eine wunderbare Vielfalt. Hoffentlich können wir die Reste noch erhalten!

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  3. Das sind tolle Käfer- und Blumenbilder liebe Almuth. Hier summt es besonders bei den vielen wilden Himbeeren entlang unserer Feldwege, sonst sieht es auch eher bescheiden aus. Mein Biotop ist in der Morgensonne sehr beliebt, aber nicht durchgehend den ganzen Tag. Immerhin haben die Nachbarn ja ebenfalls Blumen die besucht werden müssen ;-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Morgenstund hat Gold im Mund und das ist doch toll! Hier summt es auch nicht immer den ganzen Tag. Die haben so ihre Zeiten, besonders bei Sonne und nach Regen, aber daß hast du bestimmt schon festgestellt. Und die Nachbarn sollen nicht leer ausgehen, ganz genau ;-) Hmm, wilde Himbeeren! Was besseres gibt es nicht. Ein Fest für Mensch und Insekt :-)

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  4. Diese Wiesen sind wunderschön und ich gebe dir recht, dass es schade ist, dass es nicht mehr davon gibt!
    VG
    Christa

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich frage mich, ob wir noch mal dahinkommen, wieder mehr davon zu bekommen oder anzulegen. Wobei das schwierig ist, bis eine fette Weide wieder eine magere Wiese ist. LG Almuth

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      1. Ich habe auch schon gelesen, dass es gar nicht so einfach sein soll, eine Magerwiese anzulegen!

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        1. pflanzwas sagt:

          Ich las mal in einem Buch davon, wo jemand versuchte, so eine Wiese anzulegen. Ich glaube es war von 10 bis 15 Jahren die Rede, aber ich müßte noch mal nachgucken. Wenn etwas erst mal überdüngt ist…dauerts, leider.

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  5. Habe gerade einen Natternkopf gesehen, und zwar hier in Kassel, als ich den Weg zu tegut hochging. Da sind die künstlichen Hügel alle dicht bewachsen. Da kommt nichts hinzu. Und dort fühlt(e) sich offensichtlich auch ein Natternkopf sehr wohl. Vielleicht sind da ja noch mehr?

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  6. puzzleblume sagt:

    Der Blattkäfer ist toll.Es sind überhaupt schöne, vielfältige Eindrücke, aber den finde ich extrainteressant.

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    1. pflanzwas sagt:

      Es ist immer schön, mal wieder etwas Neues kennenzulernen. Die Raupenfliege fand ich auch putzig, aber es stimmt schon, der Käfer hat was :-)

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  7. Ule Rolff sagt:

    Solche Pracht und Vielfalt, überwältigend!
    Natternkopf wird nachgesagt, dass er anspruchslos sei und überall klarkomme. Nachdem ich im Garten vor zwei Jahren zwei gekaufte Pflanzen angesiedelt habe, ist er in diesem Jahr überall, wo ich ihn nicht gerade brutal gejätet habe. Er wächst auch munter in jeder Ritze des Gehwegs vor dem Grundstück, was mir schon manche muntere Ritzenkratzstunde beschert hat (die Nachbarn sollen sich ja nicht beschweren, dass man über die Folgen meiner Unkrautzucht stolpere). Aber ich liebe ihn trotz seiner Aufdringlichkeit sehr, er ist einfach zu schön und immer voller glücklicher Insekten.

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    1. pflanzwas sagt:

      Oh wie schön, daß muß ja toll aussehen, den ganzen Garten voll mit Natternkopf! Du hast mehr Glück gehabt, als ich. Ich hatte gehofft, daß er sich unterm Baum aussät, aber da hat es anscheinend nicht geklappt. In jeder Ritze, daß würde ich mir auch wünschen ;-) Unkrautzucht, haha. Dafür bist du wohl schon verschrien, was? Dabei gibts kein schöneres „Un“-Kraut!

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      1. Ule Rolff sagt:

        Ja, einen gewissen Ruf in der Richtung habe ich wohl 🙂. Aber ich staune, wie viele Leute mich ansprechen, weil sie das schön finden. Und manche machen es wenigstens ansatzweise nach, zum Beispiel ein paar Nachkerzen einfach mal stehenlassen oder so.

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        1. pflanzwas sagt:

          Das ist doch schön, daß du darauf angesprochen wirst. Dann scheinen die Leute in deiner Umgebung offen dafür zu sein. Man hört ja auch gegenteiliges, leider. Das macht mir Hoffnung, was du berichtest :-) Hie und da stoße ich auf wilde Gärten, aber die sind hier doch noch in der Minderheit.

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          1. Ule Rolff sagt:

            Na ja, es gibt schon sone und solche. Aber es werden langsam mehr, die was kapiert haben.

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            1. pflanzwas sagt:

              Also ist es hoffnungsvoll, nicht hoffnungslos.

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  8. Traumhaft. Da reinsetzen und den Tag mit Beobachten verbringen… 😉

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    1. pflanzwas sagt:

      So ähnlich hatte ich mir das gedacht, aber der Wind, der Wind ;-)

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  9. gkazakou sagt:

    Verführerische herrliche Fotos, Almuth. Ich glaub, ich muss mal losziehen und sehen, was jetzt in der Macchia blüht. Das sind extrem magere von nierigen Büschen, Kräutern und Disteln jeder Art überzogene Berghänge, ie in der Hitze ätherische Öle verdampfen und sehr gut riechen, aber schwer zu begehen sind. Ich war in diesem Jahr noch nicht da, wegen der Bewegungsprobleme des Hundes.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das hört sich toll an und muß wunderbar duften! Schade, daß du den Duft nicht herüberschicken kannst. – Oje, jetzt lese ich gerade davon, daß Tito nicht mehr ist. Jedenfalls nicht mehr hier, aber sicherlich oben, im Hundehimmel, wo es Hundeknochen und allerlei Schönes gibt, was das Hundeherz begehrt und wo er umherläuft und fröhlich belllt. Jedenfalls wünsche ich ihm das. Ach Gerda, alles Gute und denke an die schönen Zeiten!

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  10. naturfund.de sagt:

    Was für eine Vielfalt an Blumen und Besuchern und was ein schöner Weg, den du da gegangen bist. Der Blattkäfer ist wunderbar getroffen. Ich mag das ja sehr, wenn sie so im Grün hängen :-) Könnte ja gut ein Ameisen-Blattkäfer/ Ameisensackkäfer sein. Der kam mir gerade so bekannt vor aus meinem Buch über Insekten hier im Norden :-) Ja, ich muss mich auch mal auf den Weg machen und die „weitere“ Umgebung nach so schönen Flecken erkunden.

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    1. pflanzwas sagt:

      Sie sind geradezu dekorativ in ihrem „Abhängen“ ;-) Ja, du hast wohl Recht mit dem Ameisen-Blattkäfer, danke! Komisch, wieso habe ich den unter Blattkäfer gefunden? Schön, daß du den gerade auf dem Schirm hattest :-) Im Sommer mache ich gerne mal Touren in die nähere Umgebung. Es gibt immer was zu entdecken, aber wem sag ich das :-)

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      1. naturfund.de sagt:

        Ja, gerade gestern Abend auf dem Abendspaziergnag haben wir uns wieder gewundert, was uns hier alles begegnet und das war eine große Freude. Aber mal muss ich auch in andere Gefilde.

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        1. pflanzwas sagt:

          Klar! Gibt es schon Pläne?

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  11. Üppige Fotos plus Text.
    Die Raupenfliegen ist mein Favorit:-)
    Den ameisensackkäfer habe ich gerade heute in meinen whatsappstatus eingestellt.😃

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    1. pflanzwas sagt:

      Die fand ich auch sehr interessant. Irgendwie ausgefallen. Gestern sah ich übrigens den blauen Rüsselkäfer, diesen winzigen, den du neulich gezeigt hast, wenn es denn die Art war. Wirklich sehr winzig!

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      1. Die sind unterscheidlich groß, was mich etwas gewundert hatte :-)

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        1. pflanzwas sagt:

          Es gibt ja ne ganze Menge Rüsselkäfer oder was meinst du jetzt? Verschieden große blaue Käfer?

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          1. Ja, Rüsselkäfer gibt es viele. Aber so viele Arten davon fotografierte ich noch nicht.

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            1. pflanzwas sagt:

              Kommt noch, kommt noch ;-)

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