Spontane Insektenzählung auf dem Balkon

Mehr Insekten?

Dienstag morgen wuselte ich wie sonst auf dem Balkon herum. Dauernd gab es was zu entdecken. Hier flog was, da flog was. Es war ein warmer Vormittag und der Betrieb auf dem Balkon war ganz ordentlich. Es war dann so viel los, daß ich ein Notizbuch geholt und gezählt habe. Quasi nachträglich zur Nabu-Insektenzählaktion.

Ich glaube, die Stunde habe ich gar nicht voll bekommen.

  • 1 grüne Stinkwanze
  • 1 Ackerhummel (Drohne)
  • 1 Ackerhummel (Arbeiterin)
  • 1 Ackerhummel (winzige Arbeiterin)
  • 5 Schmalbauchwespen
  • 1 unbekannte Wildbiene
  • 1 unbekannte Schwebfliege oder anderes (war zu schnell ;-)
  • 2 unbekannte Schwebfliegen
  • 1 Hainschwebfliege
  • 1 Steinhummel
  • 1 Wiesenhummel
  • 1 Erdhummel
  • 1 Springspinne
  • 1 Feldwespe
  • 1 Blattschneiderbiene (oder 2 oder 3?)
  • Blattläuse
  • 1 Trauerschweber
  • 1 Maskenbiene
  • 1 Maskenbiene oder Grabwespe oder…
  • 1 Goldwespe
  • 1 Schlupfwespe (?)
  • 1 Totenkopfschwebfliege
  • zahllose Rapsglanzkäfer

Später am Tag kamen dann noch Baumhummeldrohnen vorbei. Ich habe den Eindruck, daß zur Zeit mehr los ist, als sonst die Jahre. Aber wir haben ja auch schon Juni. Vielleicht täuscht der Eindruck. Ich muß mal eine Tabelle anlegen. Hm. Wenn ich Lust dazu habe, hüstel.

Als erstes hat eine Grüne Stinkwanze Palomena prasina meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen (leider ohne Bild). Ich hörte ein lautes Brrr und plopp! Als ich mich umsah, fand ich eine Wanze auf dem Schmetterlingsflieder. Eigentlich wollte ich sie nach draußen befördern, aber sie fiel runter und wird jetzt irgendwo ihre Eier ablegen. Vermutlich. Die kleinen Wanzen sind wunderschön, aber 20 Stück muß ich davon nicht hier oben haben.

Die Blattschneiderbienen vermutl. Megachile circumcincta sind weiterhin fleißig. Gestern wurde ein drittes Loch gebuddelt! Ich weiß jetzt nicht, ob es eine 3. Biene ist oder ob eine der bisherigen zwei Wildbienen einen Nebenschauplatz eröffnet hat.

Blattschneiderbiene bei der Arbeit – Leaf-cutter bee at work :-)

Außerdem sah ich einen ganzen Haufen von diesen kleinen zarten Schmalbauchwespen Gasteruption assectator, die vor den Niströhren rumlungerten. Diese Woche sind die letzten zwei Rostroten Mauerbienen Osmia bicornis dahingegangen. Anfang der Woche werkelten sie noch. Hier sieht man eine links im Bild an den Nisthilfen aus Bambusröhren, während rechts oben eine Maskenbiene Hylaeus an ihrem Nest „schraubt“.

Dann traten gleich mehrere Hummeln auf den Plan. Wieder eine Steinhummel Bombus lapidarius, eine Wiesenhummel Bombus pratorum und eine Erdhummel Bombus terrestris. Nachmittags war dann noch eine Baumhummeldrohne Bombus hypnorum da. Außerdem 3 Ackerhummeln Bombus pascuorum. Diesmal konnte ich sie gut unterscheiden. Eine Drohne, eine Arbeiterin und ein „Hummel-Baby“. Das ist natürlich quatsch. Hummelbabies gibt es nicht. Die Hummeln schlüpfen als fertige Insekten. Es gibt aber immer mal Exemplare, die so winzig sind, daß sie wie kleine Kinderhummeln aussehen.

Guten Flug! Good fly ;-) Bombus terrestris nach einer Speisung auf einer Sonnenbraut.

Eine Springspinne krabbelte über das Mauerwerk (ohne Bild) und dann kam ein Trauerschweber Anthrax anthrax geflogen. Erst nippte er an ein paar Tropfen Wasser auf einem Blatt, die ich beim Gießen verschüttet hatte, dann landete er auf meinem Vogelhaus und „rieb sich die Hände“ ;-)

Ein paar Tropfen reichen dem Schweber, um den Durst zu stillen. Nicht vergessen: für Insekten gerne etwas Wasser hinstellen! Auch sie haben Durst, gerade bei dieser Trockenheit.

Er oder sie (?) nimmt ein Sonnenbad, sieht dabei besonders cool aus mit der hippen Sonnenbrille und die Schleppe hängt weit herunter. Oder etwa nicht?

Wie in den vorigen Sommern auch, kommen wieder Gallische Feldwespen Polistes dominula auf den Balkon, entweder um Wasser zu tanken oder um Material für ihr Nest zu holen. Wie viele andere Wespen auch, benötigen sie altes, verwitterndes Holz oder ähnliches faseriges Material für den Bau ihres „Papier-Nestes“. Die Feldwespen sind keine Solitärwespen, sondern bilden kleine „Staaten“ von 20 oder 30 Tieren. Sie sind völlig harmlos. Ihr Aussehen ist nur Mimikry. Wie bei den Hummeln überwintern Jungköniginnen, die zu Beginn des Jahres anfangen, gemeinsam ein Nest zu bauen. Erst später setzt sich eine von ihnen als Königin durch. Die anderen müssen als Arbeiterinnen malochen. Blöd, wenn man das falsche Los zieht ;-)

Hier hängt ein Topf an einem alten Seil, daß sich langsam auflöst. Die Feldwespe raspelt hier Material für ihr Nest herunter.

Zur Zeit ist es auf dem Balkon für mich fast spannender, als draußen. Fernsehen braucht man nicht bei dem Betrieb :-)

These days there is a lot of „insect-traffic“ on my balcony. Many different bumblebees, wild bees, bugs and hoverflies and others. Spontaneously I counted my visitors. I have about 6 to 7 square meters up here and I saw about 26 different species in less than an  hour. Probably there are a lot more, but I don’t count this minimalist insects, haha. They are too small ;-) It is so interesting and exciting to watch these little critters and to learn more about their way of living.

The „wasp“ on the last picture e.g. is a Gallic wasp, Polistes dominula. She looks like a „dangerous“ wasp, but it is only mimicry. She can’t even sting. This kind builds small states with 20 to 30 individuals. They need old weathering wood or plants to build their nest, which seems to be paperlike. They often come here in summertime, either for nesting material or for water, which they need for drinking or to cool their nest on hot summer days. Used to I found them rather unappealing with their long legs. Since I learned more about them, they became my friends. Okay, to some extent ;-) I won’t translate everything here, but you get an idea I hope.

 

 

 

 

 

 

14 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ingwer sagt:

    Eine Stunde Insekten zählen, würde ich sagen. Und sonst nichts geschafft. ;)

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  2. Ule Rolff sagt:

    Dieses Zählen finde ich schwierig, bei dir klingt das auch durch: ist die Schwebfliege nun dieselbe, wie vor zehn Minuten oder eine zweite …
    Im Falle der Feldwespen hast du sehr clever neutral formuliert „das falche Los“: ich fände es entschieden unattraktiv, Königin zu sein. Die Arbeiterinnen kommen doch wenigstens mal ‚vor die Tür‘.

    Gefällt 1 Person

    1. pflanzwas sagt:

      Ich weiß, was du meinst und bei einigen Arten geht mir das auch so. Da kommt es dann einfach auf die Anzahl insgesamt drauf an. Ich glaube, deswegen muß man sich keine Kopfschmerzen machen. Bei den Schwebfliegen hier weiß ich, daß es tatsächlich 3 verschiedene Arten waren. Sie haben so unterschiedliche Färbungen, nur je kleiner, umso schwieriger mit der Bestimmung. – Ja, man muß wissen, was einem lieber ist. Diese Königin wird wohl keine Schleppe schleppen. Oder so ;-)

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  3. puzzleblume sagt:

    Feines Ergebnis für einen Balkon! Ob wirklich mehr los ist in der Stadt? Ich vermute: ja. Wenn viele Menschen in den Städten und grosstadtnahen, aber nur geringfügig agrarisch beackerten Siedlungsräumen ihre Gärten insektenfreundlicher gestalten, glaube ich an einen deutlich wahrnehmbaren Effekt all diesen „Pätschwörkens“.

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    1. pflanzwas sagt:

      Pätschwörken :D Sehr schön! Bei den extrem ausgeräumten Agrarlandschaften ist das leider sehr wahrschlich. Zumal die Städte viele verschiedene Habitate bieten. Ich habs natürlich gut hier, mit dem vielen Grün hinterm Haus, aber auch an anderen Stellen sieht es sicherlich nicht schlecht aus. Hannover bekam 2011 den Titel Bundeshauptstadt der Biodiversität. Dank vieler Schutzmaßnahmen aus früheren Zeiten gibt es viel Grün in der Stadt. Leider wird gerade durch den neuen Bauboom (dringend benötigter Wohnraum = Eigentumswohnungen = Hä?) ziemlich viel zubetoniert. Einen Teil Kleingärten hat man schon dafür eingestampft. Da lag Hannover auch mal vorne. Etliche Stadtbrachen sind verschwunden. Ich hoffe, daß diese Entwicklung nicht dazu beiträgt, sich dem Land in seiner sinkenden Artenvielfalt anzugleichen. Andererseits gibt es immer mehr Städte, die grünere Konzepte entwickeln. Schau ma mal. Hach, bei dem Thema werde ich gleich wieder so ausschweifend…
      Eigentlich wird hier ne Menge gemacht, aber diese Verdichtung finde ich inzwischen grenzwertig.

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      1. puzzleblume sagt:

        Man kann nur hoffen, dass die Städteplaner es besser machen als die kleinen Gemeinden, in denen es solche grossräumigen Planungen eigentlich gar nicht gibt, sondern immer nur herumgeflickt wird.

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        1. pflanzwas sagt:

          Hm. Ja, hoffentlich. Trotz Antiversiegelungsvorhaben wird immer noch ganz schön viel versiegelt. Diese durchbrochenen Steine, wo der Regen versickern könnte, werden nur selten eingesetzt, was ich auch nicht nachvollziehen kann. Hier in der Nähe gibt es eine Großbaustelle mit gaaaanz vielen neuen Häusern. Geworben wird natürlich mit Wohnen im Grünen. Bin gespannt, wie DAS dann aussieht. Immerhin sehe ich schon des öfteren Buchen- statt Kirschlorbeerhecken. Und das als Ausgleichsmaßnahme irgendwo ein paar Bäume gepflanzt werden, halte ich für überholt. – Es bräuchte bestimmt mehr Konzepte, auch für kleinere Gemeinden. Da kenne ich mich nicht so aus, aber manchmal hört man hahnebüchenes (heißt das so?).

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          1. puzzleblume sagt:

            Versiegelungen und Schottergärten @@
            Das Wort mit H wie Gockel wäre irgendwie eine befriedigendere Erklärung für manche Ergebnisse. ^^

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            1. pflanzwas sagt:

              ^^ Allerdings, lach!

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  4. kormoranflug sagt:

    Das Raspeln der Feldwespe höre ich bis hierher.

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    1. pflanzwas sagt:

      Du hast gute Ohren! Ja, manchmal kann man das hören. Das hier am Seil war recht lautlos. Dabei kann Holz raspeln so schön sein ;-)

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  5. frauholle52 sagt:

    Du bist ja wirklich ein fleißiges Bienchen!

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    1. pflanzwas sagt:

      Die Balkonfee tut, was sie kann :-)

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