Mein kleines „UnKrautprojekt“

am
Und überhaupt, was ist „Un“?

Nachdem ich vor vielen Jahren schon reichlich auf Nektarpflanzen für Hummeln und Wildbienen umgestellt habe, halte ich immer wieder Ausschau nach anderen geeigneten Wildblumen, obwohl mein Balkon eigentlich mehr als voll ist. Aber der Gärtner will ja immer alles! haben oder?

Vor ein paar Jahren habe ich mir Flockenblumensaat Centaurea jacea von draußen mitgebracht und im Sommer blühen sie schön und erfreuen große Hummeln wie kleinste Wildbienen mit ihrem Nektar. Letztes Jahr habe ich mir Schafgarbe Achillea millefolium vom Gartenzaun ausgebuddelt, weil die von der Gärtnerkolonne sowieso regelmäßig geschoren werden, bevor sie blühen können. Bei mir durfte sie wachsen, über 10 cm hinaus (mehr schaffen sie am Zaun selten), und sie hat wochenlang geblüht. Sie wollte gar nicht ver-blühen! Kleine und kleinste Wildbienen haben sie besucht.

Irgendwie hatte ich die letzten Wochen immer mehr Lust, mir ein paar Unkräuter hochzuholen. Eigentlich hatte ich noch ein paar Flockenblumen und ein paar Schafgarben ausgebuddelt, um sie auf die Baumscheibe unter den Patenbaum zu pflanzen. Da dort schon der ganze Klee wuchert, fand ich, daß sie hier oben auch ganz gut gedeihen könnten und so habe ich noch ein paar letzte Ecken freigemacht.

Ein Teil vom Salbeitopf war noch frei. Dort wächst jetzt eine kleine Flockenblume :-) Das Zeug drumherum war zum Abschattieren der kleinen Pflanze. Wenn man bei wärmerem Wetter umtopft, ist es gut, die Pflanze etwas zu schattieren, damit sie beim Anwachsen nicht zu viel Streß ausgesetzt wird.

Auch hier war noch Platz:

Wie man sieht, ist sie schon gut angewachsen. Die ersten Blätter stehen senkrecht.

Meinen Weißklee Trifolium repens hatte ich entsorgt, weil er von oben bis unten voll mit Blattläusen war. Ein paar Stengel habe ich behalten, sie gesäubert, und zusammen mit den Schafgarbeablegern eingepflanzt. Dazwischen habe ich noch fix ein paar Wiesenblumen ausgesät. Ich lasse mich jetzt überraschen, wer das Rennen macht :-)

Neben Schafgarbe habe ich noch eine winzige Pflanze mitgenommen, die ich mit einer Wilden Malve verwechselt habe. Es ist wohl kein Pyrenäen-Storchschnabel Geranium pyrenaicum, wie ich zunächst dachte, aber mit Sicherheit ein Storchschnabel, der gern auf Schotter und sandigem Grund wächst. Vielleicht ein Weicher Storchschnabel Geranium molle??? Ich sehe sie jetzt häufiger. Sie kann um einiges größer werden, wenn sie genug Futter hat.

Ich bin gespannt, welche Insekten diese winzigen Blüten anziehen werden. Ganz hübsch oder?

Nachdem ich dann kürzlich viel über Gundermann Glechoma hederacea gesehen und gelesen habe, mußte ich mir den auch noch holen und habe ihn in den Topf mit dem Schmetterlingsflieder gepflanzt. Vielleicht kann ein Bodendecker hier helfen, etwas schattigen Grund zu bilden. Die Triebe sind nach kürzester Zeit angewachsen. Sie sollen bei Hummeln beliebt sein. Mal sehen, wie sie sich entwickeln.

So kann ich mir vielleicht endlich mal den Unterschied zum Kriechenden Günsel merken ;-)

Apropos Schmetterlingsflieder: hier hatte ein Rosenkäfer vor 2 Jahren seine Eier abgelegt. Irgendwo las ich, daß sie nach 2 Jahren schlüpfen. Ab April sollen sie unterwegs sein. Kürzlich dachte ich, daß sie bestimmt schon raus wären und ich sie verpaßt habe. Die Erde am Topfrand war ganz schön locker. Vorsichtig habe ich neue Erde nachgeschoben und obendrauf den Gundermann gepflanzt.

Etwas später stolpere ich im Internet über die Aussage, daß Rosenkäfer auch bis zu 3 Jahre in der Erde bleiben. Daraufhin habe ich versucht, genauere Aussagen zu finden. Spätestens jetzt merkt man, wieviele Seiten voneinander abschreiben die gleichen Informationen anbieten. Auf den wenigsten Seiten zum Rosenkäfer konnte ich überhaupt etwas zur Schlupfzeit der Larven finden, grumpf. Jetzt hoffe ich, daß ich keinen Schaden angerichtet habe, aber ich war vorsichtig und ich denke, der Käfer würde immer noch einen Weg rausfinden, weil ich die Erde nur locker verteilt habe.

Unkraut kann so schön sein: Rotblättriger Klee wächst hier in vielen Töpfen. Manche Pflanzen reiße ich raus, da er sehr ausbreitungsfreudig ist. Andere laß ich stehen, weil die roten Blätter so einen schönen Kontrast bilden. Die Blüten später sind gelb.

28 Kommentare Gib deinen ab

  1. Eva Zimmer sagt:

    Oh, wie schön! Der kleine Storchschnabel war eine meiner Entdeckungen im letzten Jahr auf unserem Feldgrundstück. Rausfinden, was es wirklich ist, konnte ich aber damals nicht. Dankeschön :)
    Und Gundermann – er ist so lecker würzig in der Salatsauce und Kräuterbutter, ein echter Gewinn für jeden Gärtner!
    Über Rosenkäfer weiß ich auch so gut wie nix – nur dass sie bei uns im Schwarzwald schon seit ungefähr zwei Wochen herumfliegen. Hoffentlich hast du Glück mit ihnen, sie sind sehr schön.
    Lieben Gruß, Eva

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    1. pflanzwas sagt:

      Den Gundermann werde ich dann probieren, wenn er hier oben heimisch geworden ist :-) Das freut mich mit dem Storchschnabel. Meine Güte, da gibt es echt viele Arten! Ich fand diese Ausgabe ganz hübsch.
      Rosenkäfer sah ich in den Schlehen vor ein 2-3 Wochen. Deshalb nahm ich an, daß meine auch schon weg sind. Keine Ahnung! Ich wäre gerne dabei, wenn sie rauskommen. LG Almuth

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  2. Werner sagt:

    Ein wahrs Bienenparadies dein Balkon . Ich könnte noch mit einigen Wildkräuter aushelfen 😊 . Mir wächst der Beinwell über den Kopf. Der hat sich derartig sogeweitet, dass der ungewollt über Flugsamen meine Nachbarn mitversorgt .

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    1. pflanzwas sagt:

      Haha, danke für das Angebot. Wenn ich denn noch Lücken hätte… Die sind jetzt besetzt ;-) So so, Beinwellsamen, die durch die Luft fliegen. Du machst ja Guerillagardening! Schön, wenn deine Nachbarn jetzt auch mitmachen, freiwillig oder nicht :-)

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  3. Christian W. sagt:

    Sieht doch wie eine sympathische Truppe aus, deine Un-Crowd. Rotblättriger Klee? Der ist ja hübsch!

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    1. pflanzwas sagt:

      Un-crowd,haha, sehr gut! Ja, der Klee ist hier irgendwann eingewandert. Keine Ahnung, wo der herkommt. Vielleicht aus dem Vogelfutter? Er ist wirklich sehr hübsch und geht mir bislang nicht aus :-)

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  4. Ule Rolff sagt:

    Das sind ein paar neue Balkongäste, die ich bisher noch nicht bei dir gesehen habe. Sie wissen noch nicht, was sie für ein Glück haben, aber bald werden sie es merken.

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    1. pflanzwas sagt:

      Die Frage habe ich mir gestellt: haben sie hier Glück oder nicht? Schließlich haben sie sich dort ausgesät, aber ich finde es so deprimierend, wenn sie jedes Jahr kurz vor der Blüte abgemäht werden. Manche Flockenblumen wachsen dort unten im Bereich von 10 cm Höhe fast unter Rasenmäherhöhe. So haben die sich angepaßt. Ach, ich hoffe, daß sie sich freuen, endlich ausgiebig wachsen und blühen zu können. Auf der Baumscheibe habe ich auch noch zwei Pflänzchen untergebracht.

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      1. Ule Rolff sagt:

        Mir stellt sich da keine Frage. Das isso.

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  5. Rotblättriger Klee? Sah ich noch nie!

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich weiß nicht, wie er herkam, aber er ist ein hübscher Blickfang.

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      1. Wirklich etwas besonders Schönes! Also ein „Glücksfall“! 🍀

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        1. pflanzwas sagt:

          Sozusagen :-)

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          1. Ich glaube: ganz wirklich!🍀

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  6. Unkraut? Ach was. Wenn es blüht, ist es eine Blume. 😉 Der kleine Storchschnabel ist sehr hübsch. Und als geranium ist das ja quasi ein Urahn der heute klassische Balkonpflanze.

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    1. pflanzwas sagt:

      ^^ Ja, genau. So nektarlose Geranien würde ich mir nie kaufen. Da freue ich mich an diesen Winzlingen. Hoffentlich ist es ihr hier „ruderal“ genug :-)

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  7. kowkla123 sagt:

    übrigens, ich hoffe, es hat auch bei dir geregnet, das Wasser wird so nötig gebraucht, Klaus

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    1. pflanzwas sagt:

      Am Wochenende ein, zwei Schauer. Da geht noch was.

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  8. Ich liebe sie auch, die Un-, Bei- und Wildkräuter. Sie dürfen bei mir im Garten genauso wachsen (eigentlich wachsen viel mehr!) wie die prächtigen Zuchtpflanzen. Gerade habe ich wieder eine winzige Veronica entdeckt, schon die vierte Wild-Art in meinem Garten. Und eine Zuchtform gibt es zusätzlich. Und die grazilen Berg-Flockenblumen fangen auch an zu blühen. Dein Geranium kann gut „molle“ sein, dem Bild nach könnte auch „rotundifolia“ hinkommen, das es wohl warm und steinig mag. Bei den meisten anderen Arten sind die Blätter stärker geteilt. Gundermann gedeiht eigentlich überall, bleibt aber im Balkonkasten bei mir viel kleiner als im Garten. Beim Würzen erst mal vorsichtig probieren, kann sehr herb sein. Aber Deiner ist ja in erster Linie für Hummel und Co. gedacht.

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    1. pflanzwas sagt:

      4 Wildarten, daß ist toll! Ich mag sie sehr. Meine schwächeln gerade ein bißchen. Berg-Flockenblumen sehen auch schön aus. Klasse, daß du das meiste wachsen läßt! Genaugenommen sind die Blüten nicht weniger schön. Wenn man bedenkt, daß viele Unkräuter auch noch Heilpflanzen sind, weiß man gar nicht, warum sie so geächtet werden. – Okay, wenn er sich vermehrt hat der Gundermann, werde ich mal vorsichtig testen :-)

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  9. Bin gerne den Streifzug mitgegangen! :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Und, hast du was mitgenommen ;-) Danke dir!

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      1. Dass ich zu wenig botanische Kenntnisse habe… :-)

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        1. pflanzwas sagt:

          *kicher* Und ich dachte, Klee für die Terrasse :-)

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          1. Terasse haben wir nicht…. ojeh 🙃

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  10. Ingwer sagt:

    Hihi, du holst dir Unkraut auf den Balkon hoch? Ich habe letztes Jahr auch welches in’s Terrassenbeet gepflanzt. Es ist heuer wiedergekommen. Den Namen hab ich leider vergessen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Mir war so danach, lach. – Schön, daß du das auch machst. Es gibt ja auch viele tolle Wildblumen zu kaufen, aber ich fand die hier vor Ort auch sehr hübsch :-)

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