Dem Holunder seine Ohren

am
Das Judasohr

Das Judasohr Auricularia auricula-judae wächst zwar auch an anderen Bäumen, aber am liebsten auf Holunder Sambucus nigra. Er zählt zu den Weißfäuleerregern. Man findet ihn häufig auf Totholz, aber er kommt auch an lebenden Bäumen vor. In letzter Zeit sah ich ihn schon in anderen Blogs. Vorgestern hatte ich dann selber Glück, ihn hier in den Sträuchern hinterm Haus zu finden. Und das wohl noch zum richtigen Zeitpunkt, als er vom vielen Regen schön offen war. Heute, als ich vorbeilief, sah er schon wieder viel schrumpeliger aus.

Wenn das mal kein „Ohr“ ist :-) So schön habe ich ihn noch nie gesehen!

Es gibt ja diese schräge Geschichte, daß Judas sich an einem Holunderbaum erhängt haben soll und als der Teufel ihn ins Erdreich gezogen hat, sollen seine Ohren am Stamm hängengeblieben sein. Ich kenne jetzt keinen Holunder, der stark genug wäre, um sich dran aufzuhängen, aber vielleicht gibt es da noch andere Exemplare. Eine bunte Geschichte, die irgendwie nicht zusammenpaßt, aber dennoch verdankt der Pilz ihr seinen Namen. Jedenfalls einen davon. Er wird auch noch Holunderpilz, Ohrlappenpilz oder Wolkenohrenpilz genannt.

Das „Ohr“ von oben.

Kleine Nuppsies am Holunderholz:

Zur Verstärkung gibt es „Ohren“ im Sammelpaket:

Das Holz hört mit :-)

In dieser Form sehe ich die Pilze hier am häufigsten: von oben und recht glatt.

Recht „ohrig“ ließt sich die Zuordnung: Zur Ordnung gehören die Ohrlappenpilzartigen Auriculariales, die Familie sind dann die Ohrlappenpilzverwandten Auriculariaceae und die Gattung sind die Ohrlappenpilze Auricularia. und die Art dann das Judasohr. Alles klar?

Noch eine erfreuliche Nachricht zum Schluß: jetzt treiben viele Holunder aus. Letzten Sommer dachte ich, daß gerade Holunderbüsche aufgrund der Dürre eingegangen wären. Jetzt stelle ich fest, daß die Sträucher nur vorzeitig ihr Laub abgeworfen haben. Die, von denen ich dachte, daß sie tot wären, leben also noch. Juhu!

Dieses Bild stammt sogar vom Dezember 2019! Auf jeden Fall ein Lebenszeichen.

In Norddeutschland wird der Holunder auch als Schwarzer Flieder bezeichnet. Wir sagten zu Hause zur Suppe aus den gekochten Früchten immer Fliederbeerensuppe. Als mir dann später im Sprachgebrauch die Holunderbeeren begegneten, war ich ganz irritiert. Eine Suppe aus den Früchten, natürlich gezuckert, mit Apfelspälten und Griesklößen, kann ich nur empfehlen. Sehr lecker! Bei Erkältungen ist Holunderbeerensaft schön schweißtreibend :-)

32 Kommentare Gib deinen ab

    1. pflanzwas sagt:

      Nicht wahr? So doll habe ich diesen Pilz noch nicht gesehen. Heute sah er nicht mehr so schick aus, nach einem Tag Trockenheit. Glück gehabt :-) LG Almuth

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      1. finbarsgift sagt:

        Glück und Können :-)

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  1. Nati sagt:

    Ich musste so lachen bei deiner Überschrift und dem ersten Bild Almuth.

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  2. Ulrike Sokul sagt:

    Wirklich ein sensationelles Ohrengewächs, das Du da fotographisch eingefangen hast, liebe Almuth!
    Ich muß doch mal meinen Holunderstrauch nach diesen Pilzohren inspizieren …
    Gutenachtgruß von mir zu Dir

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich hab den Eindruck, sie bevorzugen die abgestorbenen Äste, aber wer weiß, vielleicht findest du ja welche :-) Liebe Grüße zu dir!

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  3. The Jelly Ear is really quite something. I see these around here in the woods, and I am always amazed by the form. Great photos!

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    1. pflanzwas sagt:

      It was the perfect day for it. 2 days later they were dry and not sooo good in shape anymore :-)

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  4. Und in Bayern heisst er „Holler“. Tolle Ohren sind das!
    Viele Grüsse
    Christa

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    1. pflanzwas sagt:

      Auch hübsch, der Holler. Klingt so persönlich :-)

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  5. Ule Rolff sagt:

    An Fliederbeersuppe erinnere ich mich auch. Ohne Ohren.
    Witzig sehen diese Lauscher am Holunderholz aus.

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    1. pflanzwas sagt:

      ^^ Ein Glück. Jetzt auch noch Ohren in der Suppe, daß wäre echt nicht schön ;-)

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  6. Anhora sagt:

    Das ist ja interessant! Beim heutigen Waldlauf werde ich nach diesen Ohren Ausschau halten. :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Wenn es bei euch auch so naß war, stehen die Chancen gut, beim Holunder was zu finden. Viel Glück :-)

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  7. naturfund.de sagt:

    Was für ein Prachtexemplar, der seinem Namen wirklich alle Ehre macht. Witzig, dass du jetzt etwas zu den Judasohren bringst, bei mir liegt auch schon ein Beitrag in der digitalen Schublade. Mit deinen Ausführungen regst du ja meine Leselust an und schon entdecke ich, dass es einen gezonten Ohrlappenpilz gibt, der letztlich stark Trameten ähnelt. Das hatten wir doch gerade das Thema :-) Eine wundersame Welt für sich. Bei uns sind die Judasohren so explodiert an Anzahl, wie ich es noch nicht gesehen habe. Wir hatten und haben ja auch eine lange Feuchtperiode. Jetzt muss ich erstmal in den Wald und schauen, ob unsere Holunderbüsche auch austreiben. Das letzte Judasohrbild sieht übrigens aus wie ein Hut, fällt mir gerade auf. Es ist sehr interessant, bei dir über Themen zu lesen, mit denen ich mich auch intensiv beschäftige. Dieser andere Blickwinkel lässt mich beim nächsten Mal nochmal anders Schauen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Hattest du nicht schon was zu den Judasohren gebracht oder verwechsel ich das jetzt mit Puzzles Seite? Aber wir sind ja öfter synchron unterwegs zur Zeit :-) Gezonter Ohrlappenpilz? Ja gehts noch, lach??!! Nachdem die Holunder hier schon im Dezember am Start waren und ihr da oben wohl wenig Frost hattet, stehen die Chancen doch gut, daß er bei euch auch treibt. Die Elstern bauen wie wild an ihrem Nest, die Vögel trällern….es scheint kein Halten zu geben da draußen! – Wir befruchten uns wohl gerade gegenseitig, mit den Bodenlebenswelten und den ähnlich gelagerten Themen. Eine gibt ein Stichwort, die andere findet einen Pilznamen und schon geht es weiter in der Kette der Ereignisse. Das ist doch ganz schön :-)

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      1. naturfund.de sagt:

        Das ist es. Mal sehen, wo uns das noch hinführt :-) Ich hatte die Judasohren, aber jetzt sind sie so toll, dass ich schon wieder einen Beitrag machen muss. Und dann kommt, wie du schon schreibst, der Frühling in großen Schritten, nachdem der Winter nicht will.

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  8. kowkla123 sagt:

    ………………mit Ohren, super, wünsche dir einen schönen Sonntag und einen guten Start in den März, Klaus

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    1. pflanzwas sagt:

      Das wünsche ich dir auch Klaus!

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  9. Damit er uns besser hören kann? ;-) Die sehen wirklich hübsch aus und machen dem Namen Ohren alle Ehre.

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    1. pflanzwas sagt:

      Der hört alles mit :-) Nicht mal in der Natur ist man abhörsicher, haha!

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  10. Toll! Und tolle Bilder! Also zweimal toll.
    Liebe Grüße

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke danke :-) Das freut mich! LG Almuth

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  11. Du machst phänomenale Fotos! Respekt!!

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    1. pflanzwas sagt:

      Dankeschön! Mit dem richtigen Licht klappt das mit der Kamera sehr gut. Ansonsten ist sie leider etwas lichtschwach.

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      1. aha?! Kaum zu glauben. ;-)

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  12. bluebrightly sagt:

    I’m sorry, once again, that I missed so many of your posts – I just don’t seem to have the time to deal with the translator and read, and comment. Even though I do enjoy them. :-) Like this – what a cool mushroom! It reminds of some that are sold for food or medicine in Chinese places. This time, I didn’t translate – I just looked at the photos.

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    1. pflanzwas sagt:

      Never mind! Watching pictures is good too :-) You are right, they are the kind of mushrooms the Chinese often use for their meals. I never tried them here. These looked so very earlike! Funny.

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