Kahlschlag im Garten

am
Tabula rasa

Vorletzte Woche fiel das Eichhörnchen-Kobel den Gartenarbeiten zum Opfer. Okay, sowas kommt vor, die Eichhörnchen haben Ersatz. Ich denke, die Sägearbeiten sind fertig, dann wurde letzte Woche  der halbe Garten ausgedünnt. Fast alles an bodendeckenden Büschen, an Unterholz wurde beseitigt. Ich fasse es nicht. Im Laufe der Zeit ist vieles hier zu einem dicken Gestrüpp geworden, was Vögeln und Tieren sicherlich entgegenkam. 20 Jahre konnte das meiste vor sich hinwachsen. Außerdem lagen, so lange ich denken kann, in der hinteren Ecke immer ein paar Totholzstapel. Auch die sind nun weggeräumt. Endlich sieht es „ordentlich und gepflegt“ aus. Aaaaaaahhhh. Ich hoffe, daß sie die Kletterrose, die an der Birke hochrankte, nicht ausgerissen haben, grmpf.

Vermieter oder Wohnungsgenossenschaften legen vermutlich keinen gesteigerten Wert auf Besuch von Igeln, Eichhörnchen, Wildkaninchen und Co. Wo soll der Igel jetzt Unterschlupf finden oder die Vögel, die am Boden picken? Manno.

Jetzt hat man viele der bald 2 bis 3 m großen Büsche auf „den Stock gesetzt“. Das heißt, die Sträucher werden etwa 20 bis 30 cm über dem Boden abgesägt. Das sieht jetzt so aus: 3 riesige Sträucher und ein Faulbaum sind weg.

Der Faulbaum, der neben der Hasel stand, sieht aus, als hätte man ihn hin gemacht. Ganz knapp über dem Boden haben sie ihn abgesägt (hier ohne Foto).

Das auf den Stock setzen macht man zur Verjüngung. Die Sträucher treiben dann wieder neu aus und es kann zur Vitalität der Pflanzen beitragen. Gut und schön, aber hätte man da nicht schon mal früher ein bißchen was machen können, anstatt alles auf einmal abzusägen? Wenn ich jetzt aus dem Fenster sehe, gibt es so gut wie keine Deckung mehr auf dem Gelände (also kleine und große Bäume sowie Haselsträucher sind noch da, nur dazwischen nichts). Soweit ich das erkennen kann, gibt es nur noch an zwei Stellen etwas „Dickicht“ in Kniehöhe. Ob sonst noch was nachwächst oder nachgepflanzt wird, muß man sehen. Ich überlege schon, ob es nicht was gibt, was man aussäen kann, was schnell wächst ;-) Ich frage mich auch, ob diese Herangehensweise in Bezug auf die Dürresommer eher positiv oder negativ ausfällt. Weniger Wasserkonkurrenz für die verbliebenen Bäume und Sträucher, dafür mehr Fläche, die die Sonne direkt austrocknen kann. Hm….

Klar, ich als naive, naturgartenangehauchte Vertreterin finde das alles Kacke, jedenfalls den rundum Kahlschlag. Aus finanzieller Sicht ist die einmalige Aktion bestimmt günstiger. Es wird sicher (fast) alles nachwachsen, aber es wird natürlich Zeit brauchen, seufz. Die Saatkrähen fanden es ganz interessant, daß umgepflügte Gelände zu inspizieren. Wenigsten eine Gruppe, der das gefällt.

 

34 Kommentare Gib deinen ab

  1. puzzleblume sagt:

    Warum müssen es nur immer solche Gewaltakte sein? Auf den Stock setzen könnte man doch auch abwechselnd. Sehr traurig.

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    1. pflanzwas sagt:

      So sehe ich das auch! Vermutlich ist es die übliche Kosten-Nutzen-Frage. Wenn, dann richtig. Und ich hatte mich gefreut, daß es bei uns diese naturnahe Ecke gab. Andere Genossenschaftsgrundstücke sind steril gepflegt…

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      1. puzzleblume sagt:

        Nennt sich „Hausmeisterschnitt“.

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        1. pflanzwas sagt:

          Tatsächlich? Ich hätte da lieber ne Punkerfrisur!

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  2. Ulli sagt:

    Mich macht solche eine Radikaltour auch traurig, da kann man sehr viel behutsamer vorgehen. Aber die Wildnis, die sogenannte, machte eben immer noch den meisten Angst, dass sie ja Überhand nehmen könnte und sowieso, wie das aussieht … ja, schade!
    Mitfühlende Grüße
    Ulli

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke dir Ulli! Ich kann das auch nicht nachvollziehen. Eigentlich müßte das bei allen ankgeommen sein, daß man auch an die Tiere denkt. Nach 20 Jahren meinte jemand wohl mal aufräumen zu müssen. Schade, wäre schöner gewesen, in Vergessenheit zu geraten! LG Almuth

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  3. gkazakou sagt:

    Ach, traurig. Erinnert mich an die Schrebergartenzeit unserer Kinderladens, immer gab es Ärger mit der Verwaltung, weil wir die Hecken nicht genügend stutzten, nicht gegen das „Unkraut“ vorgingen…. Und auch an den traurigen Zustand des Vorgartens des Hauses denke ich, in dem ich aufgewachsen bin. was war das für eine blühende Herrlichkeit! und bei den neuen Mietern? Rasen und Edeltännchen. Die Linde ist auch weg.

    un hoffee ich nur, dass du recht hast: vielleicht ist der Kahlschlag ja für den Rest der Pflanzen besser, und die Tiere finden sich mit der neuen Situation zurecht.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, leider sind die Ansichten so unterschiedlich. Was des einen Freud, ist des anderen Ärger. Das tut sicherlich weh, den heimischen Garten so zu sehen. Sehr sehr schade. Ich hoffe auch immer noch, daß die Nachfolger meiner Eltern ihren schönen Garten wenigstens teilweise erhalten. – Die Pflanzen treiben sicherlich wieder aus, aber ob Igel und andere Tiere sich so bald mit der Lage anfreunden werden, weiß ich nicht! Man hätte auch anders vorgehen können…

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  4. Richard sagt:

    Bei uns gibt es im Hof des Gemeindebaus alle paar Jahre auch so eine sinnlose Aktion, wo alles kurz und klein geschnitten wird. Das steht dann als Gartenpflege auf der Betriebskostenabrechnung. Geht also auf meine Rechnung. Das Gute ist nur, dass es völlig sinnlos ist. Das Chaos kommt relativ schnell wieder.

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    1. pflanzwas sagt:

      Schön, daß einem das noch in Rechnung gestellt wird, wenn man damit gar nicht einverstanden ist! Wird hier sicher genauso sein. Wenn das Chaos bald wiederkommt, würde ich mich freuen. Ein Weilchen wird es sicher dauern, bis die Sträucher wieder groß sind.

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  5. discovering sagt:

    Oh, mist!! Ich kann deinen Frust gut nachvollziehen!
    Jetzt kann man nur noch hoffen, dass die Büsche bald wieder wie wild austreiben ……
    Aber für jetzt ist es wirklich traurig :-(

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich ärgere mich am meisten über die entfernten bodenbedeckenden Sträucher. Vielleicht sind ja noch welche da und treiben auch wieder aus, sicher bin ich mir nicht. Ach ja, wirklich doof!

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  6. kowkla123 sagt:

    sag mir mal, kann man das Winter nennen, Klaus?

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      1. kowkla123 sagt:

        so machen wir es also

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        1. pflanzwas sagt:

          ..man kanns aber auch Frühling nennen. Wenn man will…

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  7. Ulrike Sokul sagt:

    Solche Erfahrungen lösen bei mir immer den unbändigen Wunsch nach Großgrundbesitz aus, damit wenigstens auf meinem Landbesitz Biogarten, Permakultur, Natur und Wildnis ihr Refugium behalten.
    Im Roman „Jonathan Strange & Mr. Norrell“ von Susanna Clark wird die Grundstücksgröße, die mir dafür vorschwebt, folgendermaßen beschrieben:
    „… umgeben von einem Park mit alten Bäumen, der seinerseits umgeben war von Farmen und Wäldern, mit anderen Worten: ein Herr, dessen Augen, wann immer sie zum Fenster hinausschauten, niemals beleidigt wurden durch den Anblick fremden Besitzes. “ (Seite 63)

    Bis ich das nötige Kleingeld dafür habe, muß ich allerdings mit meinem Gärtlein mit seinen 60m², meinem Balkon mit 6 m² und mit zwei Baumscheiben auskommen.

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    1. pflanzwas sagt:

      DEN Wunsch kann ich bestens verstehen. Ich will auch!!! Was du meinst, ist wohl eine Hazienda oder die Flächen eines Landlords in Schottland ;-) Ja, irgendwo muß man ja anfangen und da hast du schon eine schöne Fläche zum Bearbeiten. Wenn ich noch an deine initiierte Blumenwiese denke, ist es sogar noch mehr :-) – Ich kann nicht verstehen, daß das hier niemand im Blick hat, auch für die Tiere etwas stehen zu lassen, zumal es früher so gemacht wurde. Grrrr. Danke für deine Anteilnahme!

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  8. Das ist wirklich traurig, liebe Almuth. Könnte man da nicht mal eine Nachfrage an die Stadt schicken, und auf die vielen Vorteile der „unordentlichen“ Natur verweisen?

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    1. pflanzwas sagt:

      Das geht auf die Genossenschaft. In ihrer Zeitschrift heißt es, daß sie auf Wunsch vieler Mieter mehr naturnahe Wiesen anlegen wollen. Gleichzeitig soll alles immer „gepflegt“ aussehen. Wie das zusammengeht… Hier war eine der wenigen unaufgeräumten Ecken und darüber war ich sehr froh. Warum diese Gärtnertruppe nun alles mitgenommen hat – keine Ahnung. Ich glaube, die regulären Gärtner haben trotz Mähwahn immer was liegenlassen. Ich denke, da gehen die Ansichten einfach auseinander.

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      1. Wir Menschen müssen unsere Einstellung ändern. Nur weil etwas „ordentlich“ aussieht, ist es nicht wünschenswert.

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        1. pflanzwas sagt:

          So ist es! Schade, daß es so vielen Menschen unerträglich ist, etwas „unordentlich“ sein zu lassen, zumal die Natur diese Art der Ordnung nicht kennt.

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  9. Livvy sagt:

    Leider kommt so ein Kahlschlag alle paar Jahre auch bei uns vor. Die Stadt beauftragt dann eine Firma und die sägen im ganzen Umland alles kurz und klein. Auf meinen letztjährigen Protest hin kam das übliche Argument: das auf Stock setzen tut der Vegetation gut. Außerdem würden angeblich die so misshandelten Sträucher und Bäume bald wieder austreiben. Eben nicht!!!! Seit dem vermisse ich sowohl den Mehlbeerbaum als auch meine selbstgezogene Korkenzieherweide, die beide recht groß und wunderschön vielen Vögeln und dem Eichhörnchen ein Heim und den Insekten Nahrung boten. Aber das ist dem Ordnungswahn eben unterzuordnen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Oh Mann, daß ist ja besonders frustrierend. Ich glaube, wenn der Schnitt richtig ausgeführt wird, treiben die Pflanzen in der Regel wieder aus. Wenn man allerdings zu viel abschneidet, kann man auch was kaputt machen. Das ist ja traurig und total schade um deine Weide und den Baum. Ich verstehe nicht, daß die nicht mehr Rücksicht nehmen können und würde regelmäßiger geschnitten, müßten sie nicht so drastisch werden. Ach Mensch, daß ist doch wirklich zu blöd! Wann sich das wohl mal ändert bei manchen Menschen…

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  10. Marie Mihalits sagt:

    Würde auf jeden Fall Schadensbegrenzung machen und Blumen für Hummel und Co aussäen bis die Sträucher wieder größer werden. Muss ja nicht tagsüber sein, damit die Nachbarn nichts zu besprechen haben . Auch ein paar Hornveilchen könnte man vielleicht anpflanzen , kosten nicht viel und sind gut für die Brummer. Habe ein ähnliches Projekt, bei uns wurde die gesamte Bahntrasse gerodet. Im Herbst habe ich alles was in meinem großen Bienen und Hummelgarten an Samen gebildet wurde, ausgestreut. Im April kommen dann noch Sommerblüher dazu und ein paar „Pflänzchen“die ich aufgezogen habe. Jetzt warte ich auf ein feuchtes Frühjahr,damit viel keimt .

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    1. pflanzwas sagt:

      Sowas in der Art habe ich auch schon überlegt. Ich werde mal meine Samenkollektionen durchsehen :-) Allerdings muß ich aufpassen, wo ich was hinstreue. Am Grundstücksrand habe ich schon etliche Malven ausgesät, die werden von den Gärtnertrupps aber regelmäßig in Grund und Boden gemäht, wenn sie das „Unkraut“ beseitigen. Immerin schaffen es zwischendurch mal ein paar Blüten. – Ich drücke die Daumen für dein Projekt und danke für deine Tips. Auf das es reichlich blühen möge :-)

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  11. In Grund und Boden „gepflegt“, ab jetzt kommt dann einmal Woche jemand zum Wischen… 🙁 Hier machen sie das auch gerade. Einerseits weiß inzwischen jeder, dass es den Singvögeln schlecht geht, andererseits reißt man großzügig ihren Lebensraum ab. 1 und 1 zusammenzählen, können wir wohl nicht so gut.

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    1. pflanzwas sagt:

      Sehr treffend beschrieben! Und was du schreibst, ist genau daß, was ich auch nicht zusammenbekomme. Man spricht drüber, immer mehr Menschen wissen es, und dann muß man das Gegenteil mit ansehen. HÄ???!!!

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  12. bluebrightly sagt:

    Neat and well kept is NOT always a good thing, is it? There’s a movement here to encourage people not to plant grass lawns, but to let that area go to wildflowers and tall grasses instead, but hardly anyone does that. People like things to be „clean.“ Of course, like you said, this was cheaper and as we say in the U.S., „money talks!“ I think you should get a lot of cut-off branches and twigs from somewhere and throw them in there. :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      That is a real good idea. After the storm are many branches and twigs out there :-) – This movement sounds great! – The thing is, the garden was partly „untidy“, they didn’t care for it, let branches lie around. It was perfect, for my taste. I don’t know if they wanted to clean up now or if something will happen there in the future. Last year they only mowed half of the lawn, so some wild flowers could bloom. I was glad about it, but it can get more. And I hope it will get sloppy again. Not that the gardeners come regularly now…

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      1. bluebrightly sagt:

        There’s no way of knowing what they will do, right? But there will be value in the activity of observing. You will learn more, maybe, and you’ll communicate what you see to everyone here. It’s a little frustrating for you though, being helpless to control this space.

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        1. pflanzwas sagt:

          Probably nature will be back fast and the animals will get used to it. Maybe I can catch up ;-)

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