Insektenleben: Nomada, die Wespenbienen

am
Eine Kuckucksbiene

Nachdem die üppigste Zeit auf dem Balkon vorbei ist und ich viele Blüten, Pflanzen und Wildbienen x-fach fotografiert habe, kehrt wieder ein bißchen Ruhe ein, die Insektenfotos zu sichten, die ich im Frühjahr außerhalb des Balkons gemacht habe. Ende April, Anfang Mai sehe ich mich gerne in der kleinen Wildnis hinter dem Haus um. Ich hatte dort zahlreiche, mir mehr oder weniger bekannte Insekten fotografiert, aber dann kam so viel anderes, so daß das alles warten mußte. Letztes Jahr ging es mir genauso. Aber so ist es doch auch gut, wenn jetzt dafür Zeit ist.

Ich hatte die Reihe damals „Insektenleben“ genannt, um dem Insektensterben etwas „entgegenzusetzen“. Ich wollte sehen, was es noch alles gibt, was ich nicht kenne, und was es mit diesen Tierchen auf sich hat. Meistens reiße ich ihre Bedeutung in der Natur hier nur kurz an. Es würde den Arbeitsaufwand sprengen. Zudem können das andere besser und wer Interesse hat, kann ebenfalls woanders weiterlesen. Und: ganz wichtig! Ich garantiere nicht für die Bestimmung. Ich bin Laie und versuche, diese Tiere zu finden und zu benennen, aber natürlich unterlaufen mir immer wieder Fehler. Ich lerne immer noch dazu.

Deshalb heute mit Bestimmheit die Gattung: Nomada – Wespenbienen! Definitiv mit Unsicherheit: welche! Nomada lathburiana, flava und oder marshamella? Hiiilfe.

Also ich werde immer verwirrter. Ich wollte hier Nomada marshamella vorschlagen (klingt wie Marshmallow – kann man die über dem Feuer grillen ;-), aber ich glaube, daß stimmt doch nicht. Also lassen wir es einfach bei Nomada.

Unter dem Blatt rechts, guckt eine weitere hervor. Hier herrschte richtiger Nomada-Betrieb!

Ist das immer noch die gleiche oder doch schon wieder eine andere??? Fragen über Fragen.

Bei der folgenden bin ich mir relativ sicher, daß es Nomada flava sein könnte, vermutlich das Männchen.

Diese Arten sehen sich vielfach sehr ähnlich. Manche haben diese roten Punkte auf dem Rücken, andere haben sie in gelb. Manche haben helle Fühler, andere dunklere. Diese hier haben rote Streifen auf dem Rücken, andere gar keine, dann wiederum ändert sich das Muster dieser gelbroten Binden und dann kommt noch das unterschiedliche Aussehen von Männchen und Weibchen hinzu………………juhu.

Die Wespenbienen zählen zur Familie der Echten Bienen. Die „Wespe“ im Namen verdanken sie ihrem eher wespenähnlichen Aussehen. Sie sind Brutschmarotzer. So wie der Kuckuck bei den Vögeln, parasitieren die Wespenbienen andere Wildbienenarten. Bevorzugt Sandbienen, aber auch Furchenbienen, Langhornbienen und ein paar weitere Arten. In Deutschland sollen etwa 60 Arten der Gattung Nomada heimisch sein.

Wie wir das schon von den Mauerbienen und ihren Parasiten kennen, legen die Wespenbienen ihre Eier in die Nester der Wildbienen. Dort frißt die geschlüpfte Larve entweder das Ei oder die Wirtslarve und anschließend den Proviant. Jede Wespenbienenart ist auf EINE Wildbienenart ausgerichtet. Das verdeutlicht die Abhängigkeit und auch, wie drastisch sich das Insektensterben auswirkt, wenn ein Glied in der Kette wegbricht: verschwindet eine Pflanze, verschwindet ihr Bestäuber und mit ihr ihr Kuckuck. Genauso wie die Freßfeinde generell mit reduziert werden. Mich überrascht deshalb inzwischen nicht mehr, wie massiv sich das Insektensterben auswirkt. Stirbt nur ein Teil, ist das wie eine Kettenreaktion und reißt viele andere Arten mit sich. Nicht immer, aber immer wieder.

Die erwachsenen Wespenbienen ernähren sich, wie so viele ausgewachsene Insekten, von Nektar und Honigtau. Interessant ist auch, daß sie stets bei den Kolonien ihrer Wirte patroullieren oder von einem Ausguck aus auf den richtigen Moment warten. Ich hatte deshalb gehofft, andere Wildbienenarten ausfindig zu machen, aber leider konnte ich keine entdecken. Dort lag ein großer Berg aufgeschichteter Tannenzweige (noch von einem der schlimmen Stürme 2017 / 2018), worunter sich wohl die Nester befanden. Auf der kleinen Lichtung, wo ich sie fand, herrschte reger Betrieb. Wer mehr über sie erfahren möchte, kann hier bei Wildbienen.de fündig werden.

Also wieder was dazu gelernt: es gibt nicht nur unzählige Wildbienen, sondern auch eine große Gruppe von Kuckucksbienen.

 

26 Kommentare Gib deinen ab

  1. puzzleblume sagt:

    Hast du gut verdeutlicht, die Verknüpfungen der Arten zu den Bildern.

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    1. pflanzwas sagt:

      Wer auch immer wer ist ;-)

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  2. einfachtilda sagt:

    Momentan komme ich nicht viel raus und auf der Terrasse summt es mal mehr, mal weniger. Wer das ist, habe ich jetzt schon eine Weile nicht mehr fotografiert.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das Summen hat hier auch etwas nachgelassen. Wobei es jetzt beim blühenden Wasserdost wieder Fahrt aufnimmt :-)

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      1. einfachtilda sagt:

        Gestern fotografierte ich eine Hummel an der Sonnenblume 😊🐝

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        1. pflanzwas sagt:

          Oder eine Sonnenblume an einer Hummel ;-) Schön!

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          1. einfachtilda sagt:

            Die Sonnenblume war schon groß 😂😂

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            1. pflanzwas sagt:

              Dann sag ich nichts mehr ;-)

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  3. Ule Rolff sagt:

    Das ist ja wieder jede Menge Information – und so hübsch verpackt, liebe Almuth. Diese Kuckucksbienen schmarotzen sich also durch unsere liebevoll gehätschelten Schmalbienchen und Co … Soll ich das jetzt gut finden, oder was? 😉

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, sollst du :-) So geht es da draußen täglich zu, millionenfach. Ein ständiges Kommen und Gehen. Wie bei uns, nur vielleicht schneller.

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  4. kowkla123 sagt:

    ich liebe deine Insektenaufnahmen, es ist mir eine Freude, dich herzlich zu grüßen, Klaus

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    1. pflanzwas sagt:

      Das wiederum freut mich Klaus! Herzliche Grüße zurück und einen schönen Tag!

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      1. kowkla123 sagt:

        dann wollen wir mal richtig relaxen

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  5. Wieder sehr interessant. Beim flüchtigen Hinschauen gehen die wirklich als Wespe durch.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich konnte sie erst gar nicht einordnen. Ich glaube, an Wespe habe ich nicht unbedingt gedacht, weil sie in Natura sehr hellgelb rüberkommen. Sie fielen jedenfalls irgendwie aus dem bekannten Schema und das hat gleich mein Interesse geweckt :-)

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  6. Die Augen sind besonders fein! :-)

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  7. Fjonka sagt:

    Schön, bei Dir Insekten zu gucken – bei uns ist seit Tagen Regenzeit bei 18°, da tut sich nullkommanix!

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich wollte vorschlagen, daß wir tauschen können, aber heute regnet es bei uns auch endlich! mal. Nach den vielen warmen Sonnentagen und beim Anblick vertrocknender Bäume und Sträucher, nehme ich das gerne in Kauf. Auf dem Balkon zwischendurch immerhin Hummeln und Schwebfliegen, Bodenwanzen…

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  8. bluebrightly sagt:

    I understand the dilemma of too much going on at a certain time of year, but we agree that’s OK. ;-) And we have all winter to continue working on the photos we take in Spring and Summer. I’m impressed that you find the insects and can figure out the family or genus. That is good!

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    1. pflanzwas sagt:

      Yes, we have time! Sometimes it is a bit strange posting spring pictures in winter, but sometimes it is warming our souls right? Do you know Leo Leonni and his childrens book with the mouse Frederick? https://www.youtube.com/watch?v=X79yh3R65bc
      I love this story. The mouse that is collecting all the important things like words and colours and thoughts while the others work for the food. So true isn’t it? We don’t get full only from food. Our souls need more :-)

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      1. bluebrightly sagt:

        I don’t know that story – so sweet, and appropriate. It could be an advertisement for the uses of blogging, too. ;-)

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        1. pflanzwas sagt:

          True! I had it in my childhood. I didn’t look into it for a long time, but I really love it. The figures as well as the sense of it!

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          1. bluebrightly sagt:

            I think you learned that lesson well.

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