Zweimal aufregen, zweimal 6-

Rückschritt in Sachen Natur

Am letzten Wochenende war ich unterwegs. Natürlich gucke ich viel auf die Natur, sowohl in der Stadt als auch außerhalb. Dabei sind mir zwei negative wie positive Dinge begegnet. Zunächst einmal die Aufreger.

Eine 6- für:

Vor ein paar Wochen hat die Gärtnerkolonne wieder das „Unkraut“ am Grundstücksrand abgemäht, allerdings nicht ganz so kahl und brutal wie im vorigen Jahr. Ich fands zwar doof, weil da immer so viele verschiedene kleine Wildkräuter blühen, aber immerhin, die Chancen, daß was nachwächst, standen nicht schlecht. Dann am Freitag, keine Ahnung, wann das passiert war, gehe ich dort entlang und stelle fest, daß man wieder alles, bis auf den letzten Zipfel abgemäht hat. Nicht nur gemäht, nein, geschreddert. Ich weiß nicht, was das für ein Gerät ist, aber manche Stengel (u.a. eine von mir gesäte Malve) waren zerfetzt, kein einziges Blatt mehr zu sehen. Wenn es dann noch trocken ist, kommt nix mehr für den Rest des Jahres nach.

Dieses Jahr ist es feuchter, vielleicht erholt sich manches. Ich finde es zum K….n. Klar, wollen die dem Unkraut Herr werden. Ich kanns ja ein Stück weit verstehen, aber muß man ALLES entfernen? Ich bin nur froh, daß ich neulich eine Schafgarbe mitgenommen habe (die übersteht es noch am besten, weil sie flache Rosetten ausbildet), die hier oben schon die 50 cm überschritten hat! Hier darf sie blühen, jawoll!

„Unkraut“ bzw. Wildkraut auf Blattniveau abgemäht, aber was ein Unkraut ist, läßt sich nicht unterkriegen :-) Hier war man nicht ganz so megagründlich. Die Rosetten treiben wieder aus.

Update: ich habe noch mal nachgesehen: meine Malve treibt wieder aus mit winzigen! Blättern und ich sah Blattrosetten von Flockenblumen, die normalerweise 50 cm oder höher werden können. Diese Rosetten sind für Miniaturausgaben ausgebildet. Vor zwei Jahren sah ich Blüten an Stengeln, die kaum 10 cm hoch waren. Sie haben sich anscheinend auf das Abmähen eingestellt. Ähnlich die Schafgarbe. Gut angepaßt!

Im Dürresommer sah man nach der krassen Mähaktion so gut wie nix mehr wachsen und blühen, weil die Trockenheit einen Neuaustrieb verhinderte. Das sieht dieses Jahr besser aus! Der Kleine Storchschnabel Geranium pusillum kommt auch schon wieder durch (das Foto ist allerdings von einer Wiese und dieser ist nicht ganz so klein). Also doch noch ein bißchen Hoffnung.

Vielleicht klingt das hier ein bißchen verrückt, aber würde es allerorten blühen, wäre mir so eine Mähaktion vielleicht egal, aber jetzt, wo es für viele Insekten auf die schlechte Zeit des Jahres zugeht, finde ich das besonders doof. An und für sich ist im Hochsommer Blühsaison, die HAUPTblütezeit, aber der Mensch hat es vielerorts hinbekommen, daß herzlich wenig blüht. Umso wichtiger ist jeder Fleck, an dem beispielsweise Wildkräuter blühen dürfen und somit den vielen Nektarsammlern Nahrung und Baumaterial liefern!

Schon ein bißchen Knoblauchsrauke Alliaria petiolata ist Tankstelle für viele kleine und kleinste Insekten. Also einfach mal wachsen lassen und nicht alles abmähen.

Langhornmotte Cauchas rufimitrella

Die zweite 6-:

Am Sonntag fahre ich an einem Gemeindezentrum vorbei. Im Garten zur Straßenseite wuchsen immer einige Blumen, Lavendel, ich glaube etwas Salbei. Anfangs sah es noch gepflegt aus. Vor 3 Wochen radelte ich dran vorbei, da gab es die Blumen noch, aber dazwischen wucherte das „Unkraut“, was mich persönlich nicht stört, aber man sah, es hatte sich niemand mehr drum gekümmert. Vorgestern, als ich dort lang fahre, sehe ich was? 5 neue Bäumchen und dazwischen nur Mulch. Nix, niente, nada, Null! Mulch, Mulch und nochmal Mulch! Mußte das sein? Kann man sich da nicht mal ein paar Leute schnappen und zweimal im Jahr das Unkraut jäten, wenn es denn schon ordentlich aussehen muß??? Vielleicht gab es auch andere Beweggründe, aber manchmal wundert man sich doch sehr. Da sind diese Themen in aller Munde und man muß dem Rückschritt zusehen! Grummel….

PS: wie ich erfahren habe, ist das Mulchen bei Neupflanzung junger Bäume sinnvoll, um sie vor Austrocknung zu bewahren – danke Simone! Eine Unterpflanzung kann später noch stattfinden (könnte sie auch gleich, aber auch das bedeutet viel wässern, und das will man möglichst nicht). Trotz alledem finde ich es schade, daß die Blumen entfernt wurden und frage mich, ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte.

Die positiven Beispiele folgen im nächsten Beitrag.

20 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Heute müssen wir Glücklich und Dankbar sein dass kein Gift mehr gestreut wird.
    Den Hausbesitzern schreiben sie vor keine Steingärten mehr anzulegen aber die Stadt selbst macht alles Grün platt. Grrrr…..

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    1. pflanzwas sagt:

      Ach, das mit den Schottergärten wird vorgeschrieben? Aber nicht überall oder? Ja, sowas widersprüchliches erlebe ich hier auch. Auf der einen Seite grüne Projekte, aber die Innenstadt ist ein Pflastersteinmeer…von wegen Versiegelung und so. Mitgrrrr!

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      1. Nati sagt:

        Sie wollen es zumindest durchsetzen und die Medien schieben alles auf die Hausbesitzer.
        Bei uns in der Stadt wurde soviel Grün platt gemacht und nur noch kahle Plätze hinterlassen. Neugestaltung, das ich nicht lache. Nirgends kann man mehr im Schatten sitzen. Dann wird gejammert wie sehr sich die Städte aufheizen.

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        1. pflanzwas sagt:

          Ganz toll! Letzteres finde ich auch so wichtig. Fassadenbegrünung und kühle Plätze mit Bäumen sind dabei so wichtig. Das sieht hier schon etwas besser aus, zum Glück!

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  2. discovering sagt:

    Oh, mist!!
    Ich hoffe ja immer, dass das Bewusstsein darüber wie wichtig blühende Blumen (z.B Unkräuter) für Insekten sind, langsam wächst, aber wenn, dann so unglaublich langsam……

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    1. pflanzwas sagt:

      Und man wundert sich umso mehr über solche Aktionen!

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  3. Bei uns ist stellenweise auch alles in Grund und Boden gemäht worden. Und da es schon wieder sehr trocken war, war stellenweise nur noch Sand und den hat jetzt der Regen weggespült… Merken die das mal? So ein Sturzregen kann aber auch sehr schön Rindenmulch wegspülen. 🤨

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist auch ein wichtiger Aspekt, daß der ganze Humus verschwindet. Da wird auch noch der Boden kaputt gemacht. – Hihi, schöne Vorstellung mit dem Davonschimmen. Heute nacht gabs Starkregen, vielleicht sollte ich mal gucken gehen ;-) Ich habe jetzt zwar erfahren, daß der Mulch gut vor Austrocknung schützt bei jungen Bäumen, aber ich trauere immer noch den blühenden Sträuchern hinterher…

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  4. Ule Rolff sagt:

    Ich grummele mit dir.

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  5. Es ist ein langer Weg Unkraut nicht mehr als Schädling zu erkennen, sondern als eine zusätzliche Variante der Natur etwas für die Tiere, Insekten und Mikroben zu tun. Seit ein paar Jahren reiße ich nicht mehr jedes mir fremde Grün rund um das Haus aus und da sind schon erstaunliche Dinge zwischen Treppenstufen & Co. gewachsen. Letztes Jahr waren es Kirschtomaten und dieses Jahr wilde Erdbeeren und von irgendwo haben sich noch Brombeeren angepflanzt. Ob die neuen Wilden dies überleben weiß ich nicht, aber einen Schluck Wasser habe ich immer übrig ;-) Auch wenn die Bäume den letzten Sommer noch nicht verkraftet haben, die Sträucher, Flechten und Hecken haben sich prima erholt und bieten wieder Schutz und Nahrung für Kleintiere :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Das hört sich schön an Arno. Lustig, daß zu dir das ganze Wildobst und Gemüse kommt! Ach, paßt ja eigentlich zu einem leidenschaftlichen Koch :-) Ja, es kann äüßerst spannend sein, mal etwas wachsen zu lassen. Ich stelle jetzt zwar auch fest, warum manches Kraut so genannt wird, weil es sich bestens ausbreiten und alles in Beschlag nehmen kann, aber wenn es nicht gerade Giersch ist, obwohl auch der schön aussehen kann, kann man auch später noch einschreiten und manches zurückdrängen. Gut ist es, wenn man sich früh informiert, was sich dort ausbreitet. Ein paar Pflänzlein sollte man im Frühstadium entfernen. Ansonsten sehe ich es als Bereicherung. Es gab hier mal eine Bloggerin, die hatte Giersch zwischen ihren Rosen. Das sah toll aus :-) Es geht also auch mit und nicht nur gegen. – Wie schön, daß die Hecken sich erholt haben und die Fauna davon profitiert. Hier auf dem Balkon ist dieses Jahr manches kleiner. Die eine oder andere Pflanze muß sich vom Hitzestreß und Dauerblühen erholen wie es scheint.

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      1. Moin, hab gleich mal geschaut wie Giersch aussieht, aber den habe ich dann wohl nicht im Garten :-) Dir einen blühenden Sonntag!

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        1. pflanzwas sagt:

          :-) Glück gehabt denn der ist seeeehr hartnäckig.

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  6. Fotohabitate sagt:

    Nun ja, ich sehe das mit den Bäumen ein wenig differenzierter. Bäume in der Stadt sind für das Stadtklima sehr gut. Sind es noch die richtigen, haben sehr viele Tierarten etwas davon. Eine Eiche z. B. wird von 1000 Tierarten genutzt.
    Rindenmulch bei Neuanpflanzungen ist mit am effektivsten gegen die Trockenheit. Junge Bäume brauchen v. a. die ersten Jahre genügend Feuchte, um ihre Wurzeln auszubilden. Später kann man dann auch Bodendecker als Unterpflanzung nehmen. Natürlich wäre diese Wahl von Anfang an nicht schlecht, scheitert jedoch an dem höheren Pflegeaufwand, weil wesentlich mehr bewässert werden muss. Gehen die Bodendecker kaputt, folgen die Bäume. Also mal abwarten, was sich auf dieser Fläche noch tut… Besser als ein Steingarten allemal…

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke liebe Simone, für die Aufklärung. Da regt sich der Laie wieder unnötig auf und das auch noch aus Unkenntnis. Mir ist allerdings schleierhaft, warum das ganze Beet weichen mußte, denn vorher wuchs dort ja eine ganze Menge und blühte. Deshalb stieß mir der Vorgang so beonders auf. Ich dachte nur, wie kann man die ganzen Blumen entfernen und dann das? – Okay, und die Bodendecker + Bäume müssen mehr bewässert werden? Das geht nicht mal mit Sedum? Na, ich bin gespannt, ob sich da irgendwann noch was ändern wird.

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      1. Fotohabitate sagt:

        Nun stell mal Dein Licht nicht unter den Scheffel! 😊 Du weißt doch eine ganze Menge und na ja, irgendwas muss ja schließlich in meinem Studium Landschaftsplanung hängen geblieben sein. 😏
        Standorte unter Bäumen sind für Pflanzen problematisch. Nur im Frühjahr Licht, deshalb muss Sedum als lichthungrige Pflanze passen. Efeu geht, wuchert aber oder Dickmännchen. Persönlich habe ich mit Pfennigkraut gute Erfahrungen gemacht. Aber erst nachdem die Gehölze ihre Feinwurzeln ausgebildet haben. Nichts schlägt zu Beginn 10 cm hohen feuchten Mulch. Auch wenn das Zeug nicht gerade unproblematisch ist (Stickstoffzehrer, Cadmiumbelastung und ggf. Zeckenlager). Da muss man aufpassen, woher es kommt. 😊

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        1. pflanzwas sagt:

          Ich bin ganz froh über deine Informationen. Ich lerne immer dazu und nächstes Mal rege ich mich weniger auf, wenn ich sowas sehe ;-) Ich finde ja durchaus, daß hier in der Stadt jede Menge Bäume gepflanzt werden. Da wäre eine „nachhaltige“ Hecke schön gewesen. Ich frage mich die ganze Zeit, ob es nicht eine schönere Lösung gerade auch für die Insekten gegeben hätte, aber das ist jetzt hinfällig. Viele Leute lassen sich dann nicht mal beraten und machen es womöglich noch schlimmer (siehe deine Tips mit dem Mulch!).

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