Weltbienentag und Artensterben: Vor der eigenen Tür anfangen

Wenn jeder etwas macht, gibt es ein großes Ganzes!

Heute ist Weltbienentag und obwohl ich mich soviel mit Bienen und Insekten beschäftige, gehen solche Aufmerksamkeitstage fast an mir vorbei. Aber sie sind sicherlich wichtig, weil sie vielleicht vereinzelt Menschen erreichen, an denen das Thema des Artensterbens bislang vorbeigegangen ist.

Um welche Biene geht es hier eigentlich?

Honigbiene – die kennt fast jeder

Biene ist nicht gleich Biene! Über 500 Arten Gibt es

…allein in Deutschland. Immer wenn es um die Rettung der Bienen geht, geht es in erster Linie um die der Wildbienen. Die Honigbienen kommen wild kaum vor (ein ausgebüxter Staat schafft es selten in der freien Wildbahn zu überleben) und werden auch sonst vom Imker ihres Vertrauens versorgt. In Notzeiten füttert der Imker zu. Das bedeutet keine Entwarnung für die Honigbienen, die das Schicksal ihrer Wilden Schwestern teilen: in der zu ausgeräumten Landschaft und Feldern von Monokulturen, finden auch sie immer weniger Nahrung. Der Imker kann dann zwar aushelfen, aber auf Dauer schwächt das die Staaten, die Anfälligkeit für Krankheiten steigt.

Erdhummel – an einer Schnittlauchblüte (kann man überall pflanzen!) 36 Hummelarten gibt es in Deutschland, 16 davon stehen auf der Roten Liste

Bei den Wildbienen ist das nicht so. Deshalb gibt es beispielsweise immer wieder ein auffälliges Hummelsterben, wenn diese im Sommer tot unter Linden zu finden sind, weil die letzte gute Trachtpflanze für sie nicht mehr ausreichend Nektar vorhält. Hummeln legen im Gegensatz zu Honigbienen keine Vorräte an. Ein Großteil ihrer Energie benötigen sie zum Fliegen. Reicht das verfügbare Nahrungsangebot nicht aus, welches sie sich auch noch mit den Honigbienen teilen müssen, schaffen sie es irgendwann nicht mehr zum Nest zurück.

Wildbiene – Schmalbienen 77 Arten in Mitteleuropa, Furchenbienen 19 Arten in Mitteleuropa

Evlt. Schmal oder Furchenbiene

Was ein weiteres Problem sein kann, ist, wenn zu viele Imker auf zu wenig blütenreiche Wiesen kommen. Es kommt zur Nahrungskonkurrenz zwischen Hummeln und Bienen. Da diese unterschiedliche Flugzeiten und Sammelstrategien haben, können die Hummeln zu kurz kommen. Sie wachsen dann schlechter. Der Staat entwickelt sich kümmerlicher. Die meisten Imker kümmern sich um den Naturschutz und um Blumenvielfalt in ihrer Umgebung. Das ist aber nicht immer möglich.

Maskenbiene Hylaeus, 37 Arten in Deutschland, zwischen 3 und 10 mm groß klein!

Das Hummelsterben im Sommer ist noch auffällig. Völlig lautlos und von uns unbemerkt verschwinden hingegen viele der ca. 560 Wildbienenarten. Die Zahlen schwanken leicht, kursieren aber vielfach durchs Netz: Ca. 39 Arten sind bereits ausgestorben. Etwa die Hälfte unserer heimischen Wildbienen ist bedroht! Ihnen kann kein Imker helfen, daß sie sterben, sieht niemand. Erst, wenn die Blumenwiesen immer eintöniger werden, fällt vielleicht auf, daß die Bestäuber verschwunden sind.

Stahlblaue Mauerbiene, ca. 9 mm klein, bestäubt unsere Blüten, etwa 55 Arten in Deutschland (?)

1 Million bedrohter Arten

Mal wieder ist es amtlich: wie vor 2 Wochen in den Medien verkündet wurde, das Artensterben ist dramatisch und eine große Gruppe von Wissenschaftlern, der Weltbiodiversitätsrat, hat über 3 Jahre Daten gesammelt, um es zu belegen. Eigentlich ist das nichts Neues. Schon lange warnen Wissenschaftler davor, aber meist blieb ihr Ruf ungehört. Bereits 1951 warnten zwei amerikanische Forscher davor, daß wir mit dem Raubbau an unserer Natur nicht endlos so weitermachen können. 1972 zeigten Mitglieder des Club of Rome die Grenzen unseres Wachstums auf.

Interessanterweise hat das in den folgenden 45 Jahren kaum jemanden interessiert. Jedenfalls nicht die breite Masse führender Industrienationen. Auch heute ist das Denken vielfach geprägt von rücksichtslosem Wirtschaftswachstum auf dem Rücken der Natur. Für die einen, weil Gewinne für sie nicht hoch genug ausfallen können (wer von uns beteiligt sich nicht in irgendeiner Form am Fondsparen und hofft auf gute Renditen, allein schon für die Altersversorgung, auch wenn wir dafür keine Höchstsummen erwarten), für die anderen, weil sie Arbeit brauchen und von etwas leben müssen.

Mein Wunsch(traum) wäre es, daß das Wachstum nicht mehr grenzenlos vorangetrieben wird, sondern das Wirtschaft mit der Natur Hand in Hand geht. Nachhaltigkeit und Respekt, statt rücksichtsloser Ausbeutung. Träumen wird man ja wohl noch dürfen.

Laßt es blühen und macht es bunt!

Um auf den Titel des Beitrags zurückzukommen: Ja, wir können etwas tun und wir können jetzt, hier und heute damit anfangen. Wenn jeder (auf seinem Balkon, im Garten, auf der Terrasse) mit ein paar mehr Nektar und pollenreichen Pflanzen etwas beiträgt, können wir ein großes Ganzes erreichen. Das die Abkehr von Monokulturen und die Wandlung der intensiven Landwirtschaft, wie sie derzeit betrieben wird, unbedingt notwendig ist, davon brauche und will ich hier nichts schreiben. Das dürfte den meisten bekannt sein.

Bis „die da oben“ so weit sind, ist es vielleicht zu spät. Deshalb laßt uns von „unten“ anfangen und etwas pflanzen. Kleinvieh macht auch Mist und irgendwer muß anfangen. Und was nicht weniger wichtig ist: erzählt es weiter. Es gibt immer noch viele Menschen, die nichts davon wissen, wie es um unsere Natur steht!

Irgendwas geht immer

Was alles geht, zeige ich hier auf meinem Balkon. Ihr könnt euch auch bei Katharina vom Wilden Meter inspirieren lassen, die in München im 5. Stock, einen Wildblumenbalkon „betreibt“. Sähe jeder 2. Balkon so aus, würde es schon erheblich mehr summen in Deutschland.

Also, worauf wartet ihr noch – wenn ihr nicht schon angefangen habt :-)

 

29 Kommentare Gib deinen ab

  1. einfachtilda sagt:

    👍🏻👍🏻🐝🐝🐝❤❤❤

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  2. Ein wichtiger Beitrag mit tollen Fotos – danke!
    LG, Diana

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    1. pflanzwas sagt:

      Das freut mich, ich danke dir!

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    1. pflanzwas sagt:

      Und gerade in diesem Bereich ist es so einfach!

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  3. Werner sagt:

    Ein Beitrag der mir besonders gut gefällt. Vielleicht folgen einige deiner Leser deinem Beispiel , damit würdest du sehr viel ereichen . Ich würde es mir für die Wildbienen und Hummeln wünschen. LG Werner

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    1. pflanzwas sagt:

      Vielen Dank Werner. Und mit mehr Insekten könnten wir auch die Vögel erfreuen. Das habe ich gar nicht erwähnt, aber so viele andere Lebewesen sind ja ebenfalls davon abhängig. Das wäre jedenfalls ein schöner Traum, wenn es an allen Häusern nur so summen würde :-) Bei mir ist im Moment jedenfalls mächtig was los. Ich staune selber!! LG, Almuth

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  4. Wieder so ein fulminanter Artikel von Dir, mit sooooviel Infos.

    Mein Nachbar, ein Hotelbesitzer, hat seine Baumwiese nur begrenzt gemäht. Ich sagte ihm auch ähnliches wie Du gerade gesagt hast. Es ist schon im Vorfeld bei ihm angekommen gewesen.

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    1. Werner sagt:

      Leider bekomme ich zZt. nicht mit was sich in meinem Garten so alles tummelt. Ich habe vor meiner Abreise noch drei weitere Insektenhotels angebracht, die sofort angenommen wurden. Mit deiner Aussage, dass auch die Vögel von Insekten profitieren, hast du natürlich völlig Recht . Aber es

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      1. pflanzwas sagt:

        DAs hört sich super an, daß deine Hotels sofort bezogen wurden. Manche Leute warten länger darauf. Dann hast du bestimmt einen schönen Garten :-)

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    2. pflanzwas sagt:

      Das ist prima. Immer mehr Leute kriegen es glücklicherweise mit. Dann trift man wieder auf Menschen, an denen das Thema total vorbeigeht und man wundert sich, wo es jetzt immer öfter in den Medien auftaucht. Schön, daß er mitgedacht und nicht alles gemäht hat!!

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      1. Ich sehe das auch so. :-)

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  5. bluebrightly sagt:

    Thank you for being a voice for the bees. I think they are all standing on the sidelines, clapping their wings, saying, „Danke Almuth!“ Sustainability and respect is a worthy goal but the people with the power seem to be too short-sighted. We do what we can…

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    1. Werner sagt:

      Puh vom Handy schreiben ist nichts für meine Finger. Ich wollte noch schreiben, dass deinem Beispiel von viele Menschen folgen sollten. Der drastische Einbruch bei den Vögel, die von Insekten leben ist enorm. Besonders betroffen sind hier die Schwalben. LG Werner

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      1. pflanzwas sagt:

        ;-) Ja, ich hörte davon die Tage. Und die Mauersegler wohl auch, wobei die auch das Nistplatzproblem dank dieser Fassadendämmung haben. Alles nicht so toll. Ich bin so froh, daß sie jetzt hier sind. Mit bald 14 tägiger Verspätung, dank des kalten Wetters!

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  6. Fotohabitate sagt:

    Toller Aufruf, liebe Almuth! V. a. das „Kleinvieh“ ist enorm wichtig, damit ein Netwerk an blühenden Pflanzen entstehen kann. Hummeln fliegen teilweise drei oder mehr Kilometer zu den Fresspflanzen. Das kostet enorm viel Energie. Durch das wärmere Stadtklima, das früher und auch länger im Jahr Pflanzen zur Blüte bringt, sind Städte mittlerweile Uberlebensinseln in der ausgeräumten Landwirtschaft.
    Nur eine kleine Korrektur habe ich: ich habe in zwei anderen Quellen gelesen, es gibt mehr als 40 (41 bzw. 42) einheimische Hummel Arten in Deitschland. Was nun genau der aktuelle Stand ist, weiß ich nicht.
    LG Simone

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    1. pflanzwas sagt:

      Es ist wirklich verkehrte Welt! Das die Tiere in der Stadt bessere Chancen haben als auf dem Land. Wobei ich dem Bauboom derzeit auch etwas kritisch gegenüberstehe. So viele Brachen, die hinterher grüne Einöde sind….
      Hm, ist ja interessant mit den Hummeln. Wenn du rausfindest, wo du es gesehen hast, sag mir doch bitte Bescheid. Ich konnte es bislang noch nicht finden. Es wäre ja erfreulich, wenn es eher mehr als weniger werden.

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      1. Fotohabitate sagt:

        Heute gab es gerade einen Beitrag darüber auf Sat3 Kulturzeit. Wenn jedoch in den Städten stark nachverdichtet wird, ist der „Vorteil“ dahin…
        Hier zwei Links zu der Anzahl:
        https://www.deutschland-summt.de/hummeln.html
        Und
        https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/ab-in-den-frhling-die-hummel-koeniginnen-fliegen-los

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        1. pflanzwas sagt:

          Danke für den Tip! Oh Mann, ich hab aber auch Tomaten auf den Augen. Auf der ersten Seite war ich, hab die Zahlen jedoch voll überlesen… Das muß ich mir mal genauer ansehen. Ich staune sowieso ob der Anzahl. Hier sehe ich im Jahr maximal 6 Arten. Von ein paar anderen weiß ich, aber dann ist bei mir auch schon Schluß. Wo wohl die anderen 30 vorkommen???

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          1. Fotohabitate sagt:

            Es gibt z. B. einige Arten, die nur im Alpenraum vorkommen. Die Hummeln sind an bestimmte Habitaten gebunden. Verschwindet dieses, verschwindet auch die Hummel. Man müsste nachforschen, wie viele Hummelarten bei uns in Norddeutschland abhängig von der natürlich potentiell vorkommenden Vegetation und entsprechenden Habitaten überhaupt fliegen würden. Vielleicht sind das ja nicht soo viel mehr als ein Dutzend.
            Dieser Link hier geht von 45 Hummelarten im deutschsprachigen (ggf. mit Österreich??) Gebiet aus:
            http://www.wildbienen.de/hua-intr.htm

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            1. pflanzwas sagt:

              Das ist mir wohl bekannt, daß es verschiedene Arten gibt, die in speziellen Habitaten vorkommen, aber wie du schon selber schreibst, hier für den Norden kann ich mir gar nicht so viele vorstellen. Ich habe noch ein Bestimmungsbuch gefunden und ich glaube, sie zählen auch die Kuckuckshummeln mit. Die gehören wohl zur Art Bombus dazu. Ich glaube, der Nabu macht gerade so eine Erfassungsaktion über die Hummeln. Ach ja, hier:
              https://celleheute.de/nabu-plant-landesweite-hummelerfassung-und-wiederansiedlung-seltener-hummeln/
              Ich schau mir mal deinen Link an. Danke :-)

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            2. pflanzwas sagt:

              Die Eisenhuthummel – da müßte man erst mal wilde Bestände von Eisenhut finden. Ob man die Art jemals sieht?? Deich- und Mooshummel sind ja wohl sehr selten geworden. Erdbauhummel – noch nie gehört. Was es nicht noch alles gibt, staun!

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            3. Fotohabitate sagt:

              Solange es keine GaLabauhummel gibt! 😁

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  7. gkazakou sagt:

    Kannst du die Hummel sehen, die ich eben für den Weltbienentag und für dich in meinem Garten geknipst habe?
    https://wp.me/a6bhEj-ftN

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    1. pflanzwas sagt:

      Oh ja, vielen Dank! Die ist ja hübsch! Erinnert mich an unsere Erdhummel, aber ich habe den Eindruck, daß ist eine andere Sorte. Gibt es eine gute griechische Internetseite zur Insektenbestimmung? Wäre mal interessant, daß zu vergleichen. Dein anderes Insekt konntest du wahrscheinlich auch noch nicht identifzieren oder?

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      1. gkazakou sagt:

        iCH SCHAU MAL NACH EINER iNSEKTENBESTIMMUNGSSEITE AUF GRIECHISCH. und die andere, ja, die ist immer noch namenlos und grämt sich.

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        1. pflanzwas sagt:

          Oh je, ich dachte wir grämen uns, und das namenlose Tier läßt es sich gut gehen ;-) Ja, wäre interessant, ob es da was gibt.

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