Ein Mauerbienenkrimi

Wer, wann, wieso?

Es gibt Krimis ohne Ende, ob als Buch, als Hörbuch oder im Fernsehen. Es gibt den Tatort, den Bodenseekrimi, den Taunuskrimi, den Frieslandkrimi, Krimi, Krimi, Krimi. Also eigentlich gibt es keine Stadt, keinen Lanstrich, kein Kaff ohne Krimi. Jetzt also noch der Mauerbienenkrimi. Die Schlußfolgerung liegt nahe oder ;-)

Letzte Woche ist etwas merkwürdiges passiert. Eine Mauerbiene war bereits eifrig in einer Niströhre tätig. Sie flog rein und raus und ich nahm an, sie würde bauen. Ich konnte sie dann wieder einmal dabei beobachten, wie sie altes Nistmaterial unter Mühe herausholte, um es zu entsorgen.

Hier steckt altes Nistmaterial im Röhreneingang fest.

Hier wird gezerrt :-)

Dann wurde es skurril. Sie zerrte erneut wie verrückt an etwas IN der Röhre und als sie vorne anlangte, guckte eine Biene, die noch in ihrem Kokon steckte, heraus. Anscheinend war die Röhre noch gar nicht richtig frei und die letzte Biene nicht geschlüpft. Jetzt steckte sie mit ihrem Kokon im Röhreneingang fest und nichts ging mehr. Die „neue Mieterin“ arbeitete wie wild an, ja, an was kann ich nicht sagen. Entweder zerrte sie am Kokon und versuchte zu helfen oder sie versuchte die steckengebliebene Biene zu töten. Die zappelte und reckte mal den Kopf, aber sie kam nicht raus. Die andere Biene gab irgendwann auf und zog sich zurück.

Es war schon Abend und mir war klar, daß die steckengeliebene Mauerbiene an diesem Tag nicht mehr rauskommen würde. Am nächsten Morgen machte sie Anstalten, aus ihrem Kokon zu kommen. Sie knabberte an der Hülle. Ich mußte dann zur Arbeit und als ich abends wiederkam, lebte sie nicht mehr. Sie hatte es nicht aus der Hülle geschafft. Vielleicht war es zu früh gewesen. Jedenfalls fand ich es merkwürdig, daß die andere Mauerbiene bereits an der Röhre werkelte, obwohl diese nicht frei war. Es mag sein, daß der Druck zur Eiablage so groß war, daß die andere Mauerbiene es in Kauf genommen hat. Oder aber alle waren bereits draußen und die letzte Biene der Röhre konnte aus irgendwelchen Gründen nicht herauskommen. Ein bißchen fies jedenfalls.

Interpretationen wie „sie wollte ihr helfen“ oder „sie wollte sie töten“ passen hier sicherlich nicht. Die Natur ist, wie sie ist. Es hat nichts mit unseren menschlichen Verhaltensweisen oder Bewertungen zu tun. Sie tun, was sie tun müssen, auch wenn wir das traurig finden.

Hier steckte sie fest. Ich konnte ihr nicht helfen und es sah morgens noch danach aus, daß sie es alleine schaffen würde. Ich hätte ohnehin nicht ohne weiteres an den Kokon kommen können, ohne sie zu verletzen. Dazu war es zu eng. Armes Ding, trotz allem.

Dafür schlüpfen jetzt immer mehr der Rostroten Mauerbienen. Die Männchen, die zuerst ausfliegen, schwirren ständig um die Niströhren herum. Es könnte ja sein, daß man das erste Weibchen verpaßt!

Wie ich gelesen habe, können die Weibchen die Reihenfolge der Geschlechter bei der Eiablage steuern. Das Weibchen kann die Eier befruchten und legt diese als erstes in die Nistkammern: die zukünftigen Weibchen. Die unbefruchteten Eier kommen als letztes nach vorne in die Kammern, daß werden die Männchen. Je nach Länge der Nisthilfen können sie 4, 6 oder mehr Eier in einer Röhre unterbringen. Ich glaube, in der, die ich leer gemacht habe, waren 6 oder 7 Kokons.

Weitere Mauerbienengeschichten folgen. Vielleicht gibt es auch mal romantischere Begebenheiten…

 

19 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr, sehr interessant, was sich da alles bei den Bienen tut!

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    1. pflanzwas sagt:

      Aber wirklich!!

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  2. Da tobt das Leben… und dabei geht es nicht immer „nett“ zu. Bei mir wurde neulich ein lebloses Knäuel hervorgezogen, auch eine, die nicht überlebt hat, aber weil die Meisen die Röhe aufgepickt haben, dann aber doch nicht so tief hineingekommen sind. So ist es eben.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, für uns ist das nicht schön mit anzusehen, aber es ist ein „Fressen“ und „Gefressen werden“. Wer zuerst kommt, baut zuerst oder so ähnlich…Die frechen Meisen, tzzz.

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  3. Ule Rolff sagt:

    Schwierig, sagen zu müssen „so ist es eben in der Natur“, es klingt so mitleidlos. Dennoch ist es die einzig mögliche Haltung, denn unsere moralischen Werte etc. sind da tatsächlich fehl am Platze. Spannend finde ich deine Geschichte natürlich trotzdem, Almuth. Und dann noch die Fotos dazu!

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    1. Lintu sagt:

      Ja, Ule, dem kann ich nur zustimmen! Man sollte sich das nicht zu nahe gehen lassen, aber es klingt, wie du sagst, so mitleidlos.
      LG

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    2. pflanzwas sagt:

      WIR können ja durchaus Mitleid haben und mir tat es auch sehr leid für die Biene. Ich rette auch immer wieder welche aus Wasserschalen oder aus der Wohnung. Ich wollte nur verdeutlichen, daß das für die Tiere nicht gilt. Ich war zunächst versucht etwas von „Mord“ zu schreiben und da fiel mir ein, daß man das nicht auf die Tiere übertragen kann.

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      1. Ule Rolff sagt:

        Da hast du allerdings recht. Solche Rettungsaktionen aus Wohnung, Wasser- oder Honigglas gibt es in der Saison hier andauernd. Nur aus dem, was die Tiere einander „antun“, sollten wir uns besser raushalten.

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        1. pflanzwas sagt:

          Sie hätten Probleme satt zu werden, wenn sie sich zu viele Gedanken machten. Ja, das erfordert Stärke, sich da rauszuhalten. Ich muß immer an meine Amselgeschichten hier denken, als ich mich damals beim Ausfliegen einmischen wollte….tztztzzz.

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  4. Lintu sagt:

    Liebe Almuth, welch interessante Geschichte. Dass die Bienen leere Kokon herausholen, sah ich hier auch, aber noch nie war ein noch belegter Kokon dabei. Warum die Biene so handelte, wissen wir nicht. Wir als Menschen haben „nur“ den Wunsch, helfend einschreiten zu wollen. Und das können wir nicht immer. Das regelt die Natur, so hart es klingt. Wir sollen es nicht „vermenschlichen“ wird gesagt… trotzdem tut mir sowas leid, zu sehen. :-( Gestern sah ich ein MB-Männchen auf dem Rücken liegen, nur noch zaghaft die Beinchen bewegend. Ich nahm es auf und setzte es auf die Salix-Blüte. Konnte beobachten, wie der Rüssel zur Nahrungsaufnahme in die Blüte getaucht wurde. Trotzdem saß es noch lange einfach so da, später war es dann doch verendet. Die ♂ leben eben nur ca. 3 Wochen.

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    1. Lintu sagt:

      Almuth, schreibst so schöne und interessante Texte, so dass ich mir manchmal wünschte, du würdest ein Hörbuch von deinen Naturbalkon-Erlebnissen aufnehmen und ich könnte mir das immer wieder von dir vorlesen lassen. :-) :-) Liebe Grüße

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    2. pflanzwas sagt:

      Mir tut es auch leid, ich wollte nur verdeutlichen, daß unsere Bewertungen bei ihnen keine Rolle spielen. Und unser Eingreifen ist auch nicht immer hilfreich, manchmal macht man es damit sogar schlimmer statt besser. Nichtsdestotrotz habe ich mich die Tage eingemischt und eine Biene einer Spinne entrissen…arme Spinne, aber mit der hat jetzt keiner Mitleid oder ;-)

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  5. schmidchen sagt:

    Donnerwetter, da spielen sich ja dramatische Szenen bei dir ab.Echt spannend.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich sags dir! Ich wundere mich manchmal schon, was da abgeht.

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  6. Ewald Sindt sagt:

    Wieder einmal hast du einen interessanten Bericht abgeliefert… 😊

    Die Natur unterwirft die Schwachen den Starken.
    Lucius Annaeus Seneca
    (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

    Lieben Gruß, Ewald

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    1. pflanzwas sagt:

      Dankeschön! Aber manch ein Schwacher hat seine Überlebensstrategien entwickelt ;-) LG, Almuth

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      1. Ewald Sindt sagt:

        Na sicher, David hat ja auch gegen Goliath gewonnen… 😂
        Lieben Gruß, Ewald

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  7. Wilder Meter sagt:

    Sehr interessante Beobachtung! Danke, liebe Almuth!

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