Was wir über Grabwespen nicht wissen wollen

Frischfleisch!

Warnung: nichts für zartbesaitete Gemüter!

Die Grabwespe machts, aber vermutlich nicht nur die. Auch andere Insekten versorgen ihre Larven mit Frischfleisch. Für uns schon eine gruselige Vorstellung. Sie erbeuten andere Insekten, oft ausschließlich eine Art, lähmen sie mit einem Gift, so daß sie unbeweglich aber lebendig sind und lagern sie dann in ihre Nester ein. Die einen legen ihre Eier daneben, andere setzen ihre Eier direkt in das „Objekt“, so daß es später von innen heraus aufgefressen wird. Urgs.

Ich berichtete hier von den Grabwespen auf dem Balkon. Genau wie bei den Mauerbienen scheint es ein super Grabwespenjahr zu werden. Ich sehe hier eine (oder mehrere), die in verschiedenen Töpfen verschwindet. Dort hat sie ihre Gänge mit den Nestern angelegt. Sie kommt dann mit Beute angeflogen, die ich überwiegend als Schnaken identifiziert habe. Es gibt andere Grabwespen, die sich beispielsweise auf Rüsselkäfer oder auf Prachtkäfer spezialisiert haben.

Vor ein paar Tagen wollte ich eine Pflanze umtopfen. Als ich die alte aus dem Topf nehme, sehe ich Nistgänge mit Beute! Wie im vorigen Beitrag zum Thema schon beschrieben, hat sich diese Dame von unten durch das Abflussloch des Blumentopfes nach oben vorgearbeitet. Ganz schön zügig, wie mir scheint. Sie oder ihre Artgenossen verschwinden meistens an den Topfrändern in der Erde, sodaß sie sich damit ihre Grabearbeit erleichtern.

Eingelagerte Schnaken (und oder Florfliegen?)

Diese „Beute“ hatte die Grabwespe verloren. Sie lag auf dem Balkonboden. Eine Schnake und zwar eine Art, die ich hier schon zu Gast hatte: Nephrotoma quadrifaria. Eine sehr hübsche Art wie ich finde. Sie ist größer als die Grabwespe, aber es scheint wie bei den Ameisen zu sein: sie kann größere Tiere ohne weiteres tragen (siehe erstes Foto).

Das besonders gruselige, aus menschlicher Sicht: die Fühler konnte das Tier noch bewegen. Die gingen immer rauf und runter. Ansonsten war es bewegungsunfähig. Ich kann nur hoffen, daß die Lähmung die Tierchen gefühllos macht, sonst wäre es ja obergruselig. Wir wissen zwar, daß es in der Natur oft keinen Kuschelmodus gibt, aber das….ist schon drastisch. Auf der anderen Seite, so ungewöhnlich ist es vielleicht doch wieder nicht, schließlich wird nicht jedes Beutetier vom Raubtier vorher getötet. So manches Opfer verschwindet so im Schlund des Jägers. Auch das ist alles Natur…….

 

46 Kommentare Gib deinen ab

  1. kowkla123 sagt:

    schicke mir bitte Regen,ich werde mich erkenntlich zeigen, Klaus

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    1. pflanzwas sagt:

      Würde ich gerne tun, aber das bißchen, was wir hatten, hat der Boden schon geschluckt. Mach doch einen Regentanz. Das soll manchmal helfen :-)

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  2. puzzleblume sagt:

    Manchmal ist es wirklich nicht so schön, phantasievoll zu sein.

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    1. pflanzwas sagt:

      Diplomatisch ausgedrückt.

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  3. Wilder Meter sagt:

    Oh, höchstinteressant! Bei mir konnte ich bisher nur die Lehmwespe mit kleinen grünen Räupchen beobachten. Hast du schon mal in Jean-Henri Fabre reingelesen? In Band 1 beschäftigt er sich in einigen Kapiteln ausführlich und in schönster Sprache mit dem Phänomen, wie die Wespe den Widerspruch bewältigt „sowohl die Reglosigkeit des Todes als auch die Frische des Lebens, bis hin zu den inneren Organen“ zu gewährleisten. Zitat, Seite 63, Kapitel „Der gelehrte Mörder“. Seit ich das Buch gelesen habe, will ich nach Südfrankreich in das Fabre-Museum. Er war eigentlich Lehrer.

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    1. pflanzwas sagt:

      Lustig, daß du das erwähnst! Das Buch liegt hier neben mir und ich hatte eben noch mal drin gelesen (habs noch nicht durch, aber das mit den Grabwespen und den Prachtkäfern hatte ich schon mal). Durch eine Lange Nacht im Deutschlandradio bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Ja, fabelhaft seine Sprache und seine Beschreibungen! Er solll ja keine Notizen gemacht haben sondern so in Reinform geschrieben haben. Ich würde gerne zitieren, kenne mich aber mit den Details nicht so aus, wieviel man darf etc.) Das es ein Museum gibt, wußte ich nicht. Allein schon die Beschreibung seines Gartens, wovon er immer geträumt hatte…einfach toll. Das Zitat von Bunuel auf Einbandrückseite ist auch herrlich!

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      1. Karin sagt:

        Das Harmas in Serignan ist unbedingt einen Besuch wert, schon allein sein winziger Schreibtisch, an dem er seine Werke verfasste, flösst Respekt ein. Sein Pilzbuch ist im letzten Jahr ? bei Matthes&Seitz erschienen, aber es ist sündhaft teuer😮. Die Originale kann man dort auch besichtigen. Lieber Gruss vom nächtlichen Dach bei Kerzenschein, Karin

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        1. pflanzwas sagt:

          Ach das hört sich toll an. Über Pilze hat er auch geschrieben? Ich dachte nur über Insekten. Gut zu wissen. Ist das Museum in seinem ehemaligen Haus untergebracht? Liebe Grüße aus dem kuscheligen Wohnzimmer. Der Balkon gehört vermutlich schon den Mücken ;-) Almuth

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        2. pflanzwas sagt:

          Danke für deinen Tip! Ich glaube, den Verlag habe ich hier auf einer kleinen Buchmesse gesehen. Tolle Bücher. Ich glaube durch die aufwendigen Übersetzungen wird es nicht günstiger. Nicht wundern, deinen Link habe ich entfernt, da ich nicht zu Verkaufsseiten weiterleite und bitte um dein Verständnis.

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        3. pflanzwas sagt:

          PS den Preis habe ich jetzt erst gesehen…ohlala!

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    2. pflanzwas sagt:

      PS die Lehmwespe kenne ich wieder nicht. Hört sich interessant an. Kann sein, daß hier mal eine aufgetankt hat ;-)

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  4. Nati sagt:

    Die liebe Natur, nichts für Weicheier.
    Letztendlich macht der Mensch nichts anderes um an Fleisch zu kommen.

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  5. Wie menschlich. Das Prinzip der Massentierhaltung. Nur nicht im menschlich gigantischen Ausmaß.

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    1. pflanzwas sagt:

      Mit Sicherheit ist der menschliche Umgang mit den Tieren nicht besser, eher schlimmer, zumal wir uns anders entscheiden könnten und es nicht tun, mit der Ausnahme, daß wir sie nicht lebendig verzehren. Natur ist Natur (die Massentierhaltung entgegen nicht).

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      1. Ja, so ist das… (Und manche werden lebendig in kochendes Wasser geworfen – das ist wie lebendig essen…)

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        1. pflanzwas sagt:

          Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht. Und Seidenraupen werden ebenfalls gegart….ach ja, menschlich ist anders…

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  6. Calendula sagt:

    Natur pur!
    Ich hatte das Vergnügen mal mit Schlupfwespen, als ich eine Schmetterlingsraupe (Kohlweißling) weiter züchten wollte. Da wurde nie ein Schmetterling draus, sondern ich konnte nach ein paar Tagen Schlupfwespenmaden beobachten, nachdem sie die Raupe ausgehölt hatten.

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    1. pflanzwas sagt:

      Huaaa, das stelle ich mir auch nicht gerade „ansehnlich“ vor….Ich hatte das zwar schon gelesen, daß Schlupfwespen sich gerne an Raupen laben, aber gesehen habe ich es noch nicht (Gott sei Dank ;-) Und du züchtest Schmetterlinge? Das ist bestimmt spannend!

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      1. Calendula sagt:

        Nein, ich lasse die Raupen normalerweise dort in der Natur, wo sie sind. Aber diese Raupe saß an unserem Kohl im Garten. Und da ich sie ja nicht einfach umbringen wollte, habe ich sie durchgefüttert. Aber sie war eben parasitiert. Uahh, wirklich! Bei lebendigem Leib aufgefressen. Aber das ist nun mal der Lauf der Natur: fressen und gefressen werden. So kann sich keine Art übermäßig vermehren!

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        1. pflanzwas sagt:

          Ach so und ich dachte schon, du machst das hobbymäßig :-) – So ist es. Die Methoden sind halt gewöhnungsbedürftig. Mehr möchte ich mir nicht vorstellen….

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  7. Ewald Sindt sagt:

    So ist es halt in der Natur, fressen und gefressen werden, war und ist bei den Homo Sapiens ja nicht anders… 😂😂😂
    Lieben Gruß, Ewald

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    1. pflanzwas sagt:

      Nur daß wir nicht so auf Rohware stehen, Ausnahmen ausgenommen ;-) LG, Almuth

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      1. Ewald Sindt sagt:

        Stimmt, aber Carpaccio und Sushi essen wir auch… 😊
        Lieben Gruß, Ewald

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        1. pflanzwas sagt:

          Das meinte ich mit den Ausnahmen :-) Karotten nicht zu vergessen, Gurken, Radieschen ;-)

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          1. Ewald Sindt sagt:

            Das ist ja Gemüse…!!! 😂

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            1. pflanzwas sagt:

              Aber roh :-)

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  8. Ein guter Freund von mir sagt über diese weniger angenehmen Aspekte immer, das sei „zu viel Natur“. Das kann ich nachvollziehen. Ich weiß zwar, daß man frisst oder gefressen wird, doch muß ich mir das nicht ständig ausmalen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Nein, ausmalen muß man sich das nicht. Ich bin nun direkt drüber gestolpert und somit Zeugin geworden. Es ist faszinierend, wie die Natur alles eingerichtet hat, damit das Gleichgewicht erhalten bleibt, aber vertiefen muß ich das jetzt nicht. Es sei denn, es sagt mir jemand, daß die davon nichts mitkriegen!

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  9. PEPIX sagt:

    Urgh…nö, alles muss ich auch nicht im Detail wissen, aber irgendwie schon interessant!

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    1. pflanzwas sagt:

      Du sagst es!

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  10. Es gibt schon gruselige Dinge in der Natur.
    LG Susanne

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  11. Corona sagt:

    Nichts für zarte Gemüter? 😅 Hab es mir doch angesehen und durchgelesen. Ich lebe noch! 💪🏼

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    1. pflanzwas sagt:

      Dann bist du nicht zart besaitet ;-)

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        1. pflanzwas sagt:

          Hätte ich nicht gedacht :-) Dann kann ich ja noch härtere Geschichten auffahren. Hm, hab keine mehr…

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          1. Corona sagt:

            Du kannst alles an härtere Geschütze auffahren, haut mich nicht um. Es sei denn, du stehst mit einem Glas voller Viecher vor meiner Tür 😅

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            1. pflanzwas sagt:

              😅😅😅 Stimmt, danke für den Tip :-) Schau ma mal, was ich hier so finden kann. Dann zur Post und…

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  12. Die Tiere werden nur gelähmt. Ich sah schon sehr drastische Sachen.
    Selbst bei grossen Tieren gibt es so etwas, etwa wenn eine Würgeschlange einen kleinen Alligator verschlingt.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich kannte es nur von Insekten. Das ist ja heftig. Stell dir vor, daß Fleisch in der Kühltruhe lebt noch…

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  13. Elena Waldrin sagt:

    Ich weiß gerade nicht, ob die Schnaken jagende Wespe schon bestimmt ist, weil ich ehrlich gesagt nicht alle Kommentare lesen wollte.
    Aber ich habe letzte Woche auf meinem Balkon genau das gleiche beobachtet.
    Gefunden hatte ich diesen Beitrag über die Bildersuche und da die Fotos hier schlicht besser sind als meine, weil man einfach die Beute besser sieht, hatte ich auf einen Schlag deutlich mehr Informationen.
    Die Wespe wurde mir als Crossocerus vagabundus bestimmt.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist ja klasse und ein witziger Zufall! Gerade schreibe ich an einem aktuellen Beitrag über die Grabwespe und wieder wußte ich nicht, was es ist. Die Art Crossocerus vagabundus scheint mir die richtige zu sein. Darf ich fragen, wo Sie sie haben bestimmen lassen? Ich hatte mal in einem Forum nachgefragt, aber damals keine Antwort bekommen. Jedenfalls freue ich mich sehr, danke!

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