Amselgeschichten Nachtrag

am

Hinaus ins Leben

Das war ein aufregender Abend für mich gestern, als die kleinen Amseln alle so rasant bei Sturm, Gewitter und Regen ausgeflogen sind.

Im Nachhinein denke ich, war der Zeitpunkt gekommen. Vielleicht haben die Eltern die Jungen sogar gerufen. Spätestens nachdem das erste Junge unten war. Sie wollten sie vielleicht alle beieinander haben. Hätten sie draußen außerhalb des Balkons genistet, wären die kleinen Amseln ebenso ausgeflogen. Und wer weiß, vielleicht war selbst der Zeitpunkt mit den Regengüssen nicht verkehrt. Immerhin sind dann garantiert keine Katzen unterwegs und auch die Raubvögel machen Pause.

Ich hoffe nur, daß sie wieder gut getrocknet sind. Ich erinnere mich an einen verregneten Sommer in meiner Kindheit. Am Haus meiner Eltern gab es ein Rankgitter. Früh morgens war ein junger Vogel (ich weiß nicht mehr, was) ausgeflogen und oben auf diesem Gitter gelandet. Es goß den ganzen Tag in Strömen und der Kleine saß dort fest. Erst gegen Abend, als der Regen nachließ, schaffte er den „Sprung“ in den nahestehenden Baum. Was für ein Tag !

Trotz der Erleichterung, wie gut sie hier runtergekommen sind, bin ich total traurig, daß sie weg sind. Wie schnell man sich an solch kleine, lebendige Wesen gewöhnen kann. Dann hätte ich sie am liebsten noch bemuttert, ihnen einen Regenschirm hinterhergetragen, damit sie nicht so naß werden ;-) Loslassen ist gar nicht so leicht.

Ich würde mir wünschen, daß ich das eine oder andere Junge noch sehe. Ich will später mal in den klatschnassen Garten gehen. Das Grundstück ist zum Glück dicht bewachsen, so daß von hier oben rein gar nichts zu sehen ist. Ich höre nur die Eltern. Mal der Kontaktruf, mal ein Zetern oder ein dügdügdüg (oder wie das in der Vogelsprache heißt). Ich schätze, daß ich sie jedoch gar nicht zu Gesicht bekommen werde, wenn die im Unterholz sitzen.

Das Nest ist leer. Welch kunstvoller Bau mit Moos und Lehmwänden ! Vielleicht nistet sich wieder mal jemand ein. Erst mal lasse ich es, wo es ist. (Der Wasserdost, den ich jetzt endlich wieder auf den Boden stellen konnte, ist nun kaum kleiner als vorher. Der muß knapp 2 m groß sein dieses Jahr. Da wirds wohl keine Hummelblütenbilder geben, es sei denn, mit Leiter ;-)

Die Größe des Nests ist allerdings irre. Sooo klein. Etwa wie wenn man seine beiden Handflächen zu einer Schüssel formt (bei nicht zu großen Händen). Wenn ich mir vorstelle, wie die 4 bald  ausgewachsenen Jungvögel sich da zuletzt reingequetscht haben, war es wirklich höchste Zeit auszufliegen. Gestern nachmittag saßen sie immerhin schon zu dritt auf dem Dach des Vogelhauses. Ich habe noch mal nachgerechnet. Demnach müßte der jüngste Vogel gestern genau zwei Wochen alt gewesen sein !

Machts gut, ihr Lieben ! Viel Glück auf dem Weg ins Leben :-)

 

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. Liebe Almuth, den Kleinen geht’s bestimmt gut. Die Natur hat das schon richtig eingerichtet. Klar war es schön, die Kleinen so hautnah zu erleben. Schön, dass wir daran teilhaben durften. Spatzen besetzen ja gern verlassene Nester, noch ist ja Sommer, wer weiß, ob sie nochmal brüten wollen. Lass es Dir gut gehen und sei nicht traurig. Vielleicht kommt die Amselmama ja im nächsten Jahr wieder. Liebe Grüße Hedwig

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    1. pflanzwas sagt:

      Liebe Hedwig, vielen Dank für deine lieben und aufmunternden Worte. So langsam gehts mir besser. Heute habe ich einen Rundgang gemacht, konnte aber nirgends was sehen, nur hören. Das Unterholz ist so dicht. Da sind sie wahrscheinlich gut aufgehoben. Mal sehen, ob sie irgendwann „Hallo“ sagen ;-) Liebe Grüße, Almuth

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  2. Danke für die vielen Bilder von diesem Erlebnis! Ich habs total spannend gefunden das Tag für Tag verfolgen zu können! Und wer weiß – vielleicht bewahrt deine Geschichte andere Amselnester einmal vor der Entfernung von unsicheren Leuten, die nicht wissen, was da auf sie zukommt.

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    1. pflanzwas sagt:

      Das wäre ein schöner Gedanke. Ich war ja recht unsicher anfangs. Und dann ist alles so schön und niedlich und spannend geworden. Das möchte ich nicht mehr missen. Man muß nur loslassen können, wenn es soweit ist. Das hat bei mir etwas gedauert. Alles weitere übernimmt die Natur und die macht das schon richtig :-)

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  3. Liebe Almuth, das ging ja jetzt rasant! Ich finde, Du bist sehr tapfer. Ich fühle so mit Dir. Gewitter und dann die Kleinen, die sich vom Balkon stürzen 😱. Hihi, das mit dem Schirm nachtragen hätte von mir sein können 😉 Ich bin mir sicher, alles ist gut gegangen. Die Amseleltern wissen bestimmt, warum sie ihre Kleinen nach draußen gelockt haben. Die Begegnung mit der Amselfamilie wirst Du immer in Deinem Herzen tragen und sie wird lebendig, wenn Du dich an sie erinnerst. Ich wünsche Dir und den zauberhaften Federwesen alles Liebe 💕💕💕 Und ganz großen Herzensdank, dass Du uns teilhaben hast lassen 💕

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    1. pflanzwas sagt:

      Liebe Bettina, vielen Dank für deine lieben und fürsorglichen Worte :-) Inzwischen habe ich mich etwas von dem Schreck erholt. Das trift es wohl ganz gut. Ein Schreck in der Abendstunde für die Federwesen wie für mich ! Ach ja, es wird schon alles gut werden. Mutter Natur kümmert sich um ihre Kinder. Ich höre die Amselmutter immer mal rufen. Das Gelände ist zu dicht bewachsen, um sie sehen zu können, aber das kann ja nur zu ihrem Vorteil sein. Ich möchte die Zeit nicht mehr missen. Aufregend wars, sehr berührend und schön :-) Wie du sagst; es bleibt in meinem Herzen 💕 Und vielleicht sehe ich sie mal wieder :-) Herz💕lichste Grüße von hier, Almuth

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      1. Liebe Almuth, zum Glück, das kann einem ganz schön in den Knochen stecken 😳 So ein Gewitter erhöht die Dramatik dann auch noch… Wie fürsorglich doch die Eltern ihre Baby’s auf das Leben vorbereiten. Da ist es sicher eine gute Übung direkt mal in einem Gewitter damit zu starten 😉 Ich wünsche Dir sehr, dass Du sie immer wieder siehst. Vielleicht kommen sie Dich ja sogar besuchen 💙. Weißt Du eigentlich ob es Jungs oder Mädels waren? Ist das in dem Alter überhaupt schon feststellbar? Liebste Abendgrüße von mir 🌟🌟🌟

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        1. pflanzwas sagt:

          Liebe Bettina, nein, ich habe keine Ahnung, welchen Geschlechts die Kleinen sind. Ich hatte ja noch darauf gehofft, sie hier rumhüpfen zu sehen. Aber mehr Nahaufnahme als auf den bisherigen Fotos war leider nicht. Die Schnäbel sehen auch noch recht gleich aus. Ich sag ja, der Regen war viell. gut, da keine Katzen- und Raubvogelgefahr. Wir werden sehen….Viele liebe Grüße zur Nacht. Schlaf schön :-)

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          1. Ja, das war auch meine Vermutung. Die Schnäbel färben sich wohl erst später ein und das Federkleid wird sich wahrscheinlich auf noch verändern. Wer weiß, siehst Du sie bald auf Deinem Balkon herum turnen 😉 Hab‘ eine wohltuende Nacht 😴

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  4. Der Emil sagt:

    Ich glaube mich daran zu erinnern, daß Du den Nestbau unterbinden wolltest.

    Was hättest Du da alles, was hätten wir da alles nicht gesehen!

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist wahr :-) Ich freue mich auch, daß ich mich dank vielfältiger Unterstützung hier dazu entschlossen habe. Als ich damals las, sie sind die ersten 2,5 Wochen flugunfähig, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, so lange Jungvögel auf dem Balkon zu haben. Nun hat es sich innerhalb einer halben Stunde von selbst gelöst. So schnell kanns gehen ;-) Es war eine schöne, aufregende Zeit, die ich nicht mehr missen möchte !!

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  5. Anhora sagt:

    Was für eine wunderbare Geschichte! Vom Ei bis zum flügge werdenden Jungvogel, und das auch noch bei Gewitter. Wie im wahren Leben. Toll, wie du alles beobachtet und uns daran teilhaben gelassen hast. Wie immer steckt deine Begeisterung an. :-)

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    1. pflanzwas sagt:

      Dankeschön, das freut mich :-) Amsel-TV mit Vogelkrimi bzw. Familiensoap. Besser als jedes Fernsehprogramm !

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  6. dagehtwas sagt:

    hihi! Frau Amselmama ;-) Ja, man gewöhnt sich schnell an diese Kleinen und fiebert mit und hofft einfach das beste. Ich erinnere mich noch gut an dein Zögern bei Nestbaubeginn ;-) Wie schön, dass du so viel Freude mit den Kleinen hattest! So als Jungster sind sie aber auch wirklich zu goldig!
    Vielleicht, so hab ich überlegt, während ich deinen Nachtrag las, wollten die Eltern die Kleinen auch wegen dem Sturm vom Balkon holen. Und der erste war deswegen unterwegs, weil die Eltern gerufen haben (du hast ja auch geschrieben, dass die Eltern sich schon den ganzen Tag über rar gemacht haben). Vielleicht war dein Einschreiten insofern gar nicht so schlecht, als dass es den Auszug der Kleinen beschleunigt hat (das kann sich ja sonst über Stunden hinziehen). Und so waren jetzt alle bei Unwetterbeginn zusammen unten und konnten zusammen irgendwo Unterschlupf suchen.
    In einem Baum zum Beispiel wären sie ja bei so einem heftigen Sturm und Regenschauer auch nicht ganz ungefährdet gewesen. Amselnester haben schließlich kein Dach. Und da sie ja schon so weit entwickelt waren, war es ja möglich, sie aus dem Nest rauszulocken und in einem dichten Gebüsch zu verstecken. Dort wären sie jedenfalls besser aufgehoben als oben in einem Baum. Dass dein Balkon deutlich sturmfester als ein Baum ist, konnten die Amseln vielleicht nicht erkennen. Für Amseln heißt es vielleicht eher: „Sturm? Ab in Bodennähe!“
    Ich hab mich eh schon oft gefragt, was die Vögel bei so einem Sturm machen…

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    1. pflanzwas sagt:

      Naja, bei Unwetterbeginn ! ist der erste runter. Als es bereits stürmte und aus allen Kübeln schüttete, sind die anderen runter. Vielleicht hat sogar der Wind beim „Abseilen“ geholfen ?! Ich hab nur zwei beim Runtersegeln gesehen und das klappte gut. Mir tat nur einer leid, der schon eine ganze Weile auf dem Geländer gesessen hatte. Der war patschnaß und alles an ihm hing runter. Trotzdem ist er gut davongesegelt, als ich ihn aufnehmen wollte. Ja, das frage ich mich auch, wo bleiben die bei Sturm. Vielleicht in Bodennähe ?! Und ich denke immer noch: bei dem Wetter besteht keine Katzengefahr, keine Raubvögel unterwegs. Viell. tatsächlich Absicht ? Aber da müßte man in die „Vogelstatistik“ gucken, wann die wo wie ihr Nest verlassen ;-)

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  7. Arletta sagt:

    Ach, liebe Almuth, ich habe mich kaum getraut in Deinen Blog zu schauen, weil die Nachricht vom Auszug der liebgewonnenen Vogelfamilie ja mal kommen musste. Ich denke, wir müssen darauf vertrauen, dass die Vögel instinktiv schon wissen, wann der beste Auszugstermin ist. Vielleicht haben die Eltern die Jungvögel gleich mal auf den Ernstfall trainiert: wie fliegt man bei Gewitter! Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht, was Vögel machen, wenn es so stürmt, hagelt, blitzt und donnert und wie die es schaffen, nicht von den Bäumen zu stürzen. Ich weiss nur, was unsere Hausamsel, dieser Outdoor-Manager, macht bei Unbill des Wetters: er sitzt auf dem Balkon, dort wo kein Regen hinkommt. Bissi verweichlicht vielleicht? Mit lieben Grüssen, Arletta

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, wer weiß, wofür das alles gut ist / war ! – Ein Amselmann, der sich bei Regen unterstellt ? DAS habe ich noch nicht gehört oder gesehen. Der weiß eben die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu schätzen :-) Liebe Grüße, Almuth

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