Amselgeschichten 10: ich sehe nur noch vier !

Einer weniger

4 Amseljunge recken ihre Schnäbel

Ich sehe nur noch vier Junge im Nest. Gestern abend fuhrwerkte die Amselmutter wie irre im Nest herum. Mir erschloß sich nicht, was sie da tat und ich hatte kein gutes Gefühl. Brachte sie etwa das jüngste Küken um ? Besserte sie das Nest aus oder räumte sie den Kot weg ? Aber sie pickerte immer wieder, anscheinend am Nestboden, daß ich mir die letzten beiden Varianten nicht wirklich vorstellen konnte. Es war schon später am Abend…  und als ich nachsah, konnte ich noch alle 5 entdecken, daß Jüngste hatte allerdings den Kopf irgendwo unten im Nest, bewegte sich aber noch.

Als ich noch später nachsah, es war schon zu dunkel, um im Nest noch was zu erkennen, suchte ich auch in den Töpfen darunter, ob die Mutter vielleicht eins aus dem Nest geworfen hat, ich konnte aber nichts entdecken. Auch jetzt nicht. Entweder sie hat es davongeflogen oder ich finde es im Herbst zwischen den vielen Töpfen…hoffentlich nicht.

Ein Foto von gestern nachmittag:

Da waren es noch fünf Junge. Das markierte Küken ist das Jüngste.

Dabei hat das Kleine gestern noch ganz wacker seinen Hals gereckt, um an Futter zu kommen. Ich fragte mich schon, ob es schlechter gefüttert wird, als die anderen und deshalb auch in der Entwicklung „zurück“ ist ? Immerhin war es drei Tage nach dem ersten Jungen geschlüpft und ich schob sein Aussehen immer auf diese Tatsache zurück.

Aber vielleicht wußten die Eltern schon früher, daß es zu schwach ist, und haben es nicht gefüttert ? Oder war das fünfte Küken ein Vogel auf der Ersatzbank ? Legen sie ein oder zwei Eier mehr, um genug Junge groß zu kriegen ? Oder war es krank und oder in seiner Entwicklung so hinterher, daß die Eltern sich seiner entledigt haben ?? – Jetzt müßte man mal wieder eine Fachfrau oder Fachmann fragen.

Ich bin mir sicher, daß das nicht aus reiner Mordlust geschah. Anscheinend werden kranke Jungvögel öfter aus dem Nest geworfen. Auch abhängig vom Nahrungsangebot. Wenn ich an gestern denke, macht es mich schon traurig. Sollte es allerdings zu schwach oder krank gewesen sein, wäre es vermutlich als Erstes im Maul einer Katze oder in den Klauen eines Raubvogels gelandet. Ein schwacher Trost, aber dann besser jetzt ein schnelles Ende, als später woanders. Auch wenn andere Tiere ebenso Futter benötigen. Mit irgendwas muß man sich ja trösten….dafür kriegen die anderen jetzt mehr Futter, wenn sie denn alle durchkommen.

Noch ein Bild von gestern, schlafend…

Sie sehen von der Entwicklung her mehr auf einem Stand aus, wie man auch auf den heutigen Fotos mit dem beginnenden Gefieder sieht. Das Jüngste fiel da wirklich raus.

Amseljunge haben immer ! Hunger :-)

Gestern versuchte ich mich noch im WWW schlau zu lesen, bin aber noch nicht richtig fündig geworden. Ich las nur von Versuchen, rausgeworfene Jungvögel mit der Hand aufzuziehen, was, wenn überhaupt, oft nur mit sehr viel medizinischem Aufwand gelingt. Wie dann die Überlebenschancen „draußen“ in der Natur stehen, habe ich nicht gelesen.

Auch zu viert ist es noch ganz schön eng im Nest

Jetzt wünsche ich mir, daß die anderen vier gut durchkommen und flügge werden und eine Chance haben, zu überleben. Aber im Grunde weiß ich, daß da draußen vermutlich nicht alle 4 überleben werden. Träumen und hoffen darf man jedoch !!!

kleiner Nachtrag: ich korrigiere mich noch mal: im Grunde weiß ich nichts, aber natürlich kann immer noch der eine oder andere Jungvogel im Garten weggefangen werden. Aber ein Vierer ist doch fast wie ein vierblättriges Kleeblatt. Vielleicht haben sie einfach Glück :-)

 

44 Kommentare Gib deinen ab

  1. einfachtilda sagt:

    Oohhh 😔😔…schade. Vielleicht war es doch zu schwach.
    Hoffentlich schaffen es die anderen.

    LG Mathilda ❤

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, lets go for it….oder so ähnlich ;-) Jetzt gehts aber Fütterungstechnisch zur Sache. Rein, raus, Piep, Piep, Piep !!! Unglaublich !! Das sind doch Fässer ohne Boden…

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      1. einfachtilda sagt:

        Die wollen ja alle groß werden und brauchen viel Futter. Das schlaucht natürlich auch die Vogeleltern, die jetzt auch Kraftnahrung brauchen…

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        1. pflanzwas sagt:

          Das habe ich lieber erst mal gelassen, mit der Kraftnahrung, da es ja anscheinend Vogeleltern gibt, die die Sachen dann auch an ihre Jungen verfüttern. Muß nicht so sein, kann aber und das Risiko will ich jetzt nicht eingehen. Zum Glück haben sie wenigstens optimale Bedingungen zur Zeit. Durch die dicken Regenschauer der letzten Zeit ist „Gut-Wurm“-Wetter ;-)

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          1. puzzleblume sagt:

            Wenn du zufüttern möchtest, spendiere ihnen Mehlwürmer. Die sind auch für die Kleinen gut.

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            1. pflanzwas sagt:

              Ich wollte mich heute mal schlau machen und habe eine gute Seite von der Wildvogelhilfe gefunden. Da werden Mehlwürmer begrenzt und für ältere Jungvögel empfohlen. Ich werde das die Tage mal mit einfügen, weil da viele interessante Tips aufgeführt wurden. Wenn die Eltern das futtern würden, wäre es natürlich prima. Auf der anderen Seite will ich mich jetzt auch nicht mehr mit ner Großpackung Mehlwürmer eindecken. Die kriegen das schon hin. Es ist Sommer und feucht. Das ist doch super :-) Vielleicht kann ich ein paar Regenwürmer ausbuddeln ;-)

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  2. Weena sagt:

    Ich wäre auch total traurig, auch wenn der Kopf viele Varianten vorschlägt, dass es vielleicht so mit den Vier besser ist. Ich glaube, alle die diese Amselgeschichte mitlesen, fiebern mit, dass es die anderen schaffen.
    Hoffentlich.
    Liebe Grüße
    Weena

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    1. pflanzwas sagt:

      Irgendwie möchte man sich doch gut zureden, wenns so traurig ist. Sie haben jedenfalls viel zu tun, die vier hungrigen Mäuler zu stopfen. Manchmal gehts hier Schlag auf Schlag, erst Papa, dann Mama, rein, raus, Kot mitnehmen…nächste Runde. Danke für deine Anteilnahme ! Ja genau, wir hoffen weiter und die Eltern geben ihr Bestes :-) LG, Almuth

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  3. Wirklich traurig T-T
    Dann war das Jüngste wohl wirklich zu schwach.
    Die Kleinen sind ja sehr empfindlich und manchmal geht es dann auch ganz schnell. Habe selbst schon zweimal kleine Jungvögel versucht aufzupäppeln. Einmal ohne Erfolg und beim zweiten Mal (ein kleiner nackter und leicht verletzter Sperling, bei dem ich eigentlich keine Hoffnung hatte) hat es funktioniert. Ich fand das total faszinierend und es war wirklich viel Arbeit. Man muss die Kleinen ständig füttern und Wärme brauchen sie auch. Als dann die Federn wuchsen und er nach ein paar Tagen recht fit war, war ich aber trotzdem teils froh (aber auch ein bisschen traurig), dass wir ihn in einer Vogelaufzuchtstation abgeben durften.
    Deine Berichte verfolge ich mit großer Neugier.
    Hoffentlich kommen die anderen vier gut durch.
    Liebe Grüße,
    Melanie

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist ja spannend ! Ich glaube, den Sperling hätte ich dann am liebsten auch nicht mehr hergegeben. Wenn man so ein Tier rund um die Uhr gepäppelt hat, wächst es einem doch ganz schön ans Herz. Aber ich glaube dir gerne, daß das auch ganz schön anstrengend sein kann. Hast du noch mal gehört, was aus dem Vogel geworden ist, ob er es in die Freiheit geschafft hat ? Aber er schien ja gute Chancen zu haben. Schön, wenn es dann auch mal klappt. Ja, wir hoffen weiter :-) Liebe Grüße, Almuth

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  4. Ule Rolff sagt:

    Nicht nur spannungsgeladen, deine Berichte, jetzt auch noch tragisch! Ich fiebere jeder neuen Folge entgegen, auch wenn ich kommentierend nicht viel beizutragen habe.

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke, daß du jetzt doch noch was dazu beigetragen hast :-) Tja, alles ist dabei, Höhen und Tiefen. Das ist das Leben…immerhin können wir alle mal ganz nah dabei sein und das ist doch schön, trotz alledem !!!

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  5. Anna sagt:

    Traurige Geschichte, aber so ist das ja leider… Eine „meiner“ ersten Amselgelege wurden zum Beispiel schon drei Tage nach der Eiablage halb gefressen, teilweise heruntergeworfen. Und zu den drei restlichen Eiern im Nest ist die Amselmama nicht zurück gekommen. Das war auch sehr tragisch, dafür hatte dann der Fuchs, der zu dieser Zeit grade Junge aufzog, was davon.

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    1. pflanzwas sagt:

      Ach je, na dann haben wir ja noch Glück, daß sie sich so gut entwickeln konnten. Und leider sind viele junge Tiere wiederum Futter für andere Tiere. Wie du sagst, der Fuchs dürfte sich gefreut haben.

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  6. Flowermaid sagt:

    … die Natur ist kein Film- Ponyhof… sehr lieben Dank für deine Beobachtungen Almuth!

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist wohl wahr….kann ich noch umschalten auf den Kinderkanal mit HeileWeltFaktor ?!?

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        1. pflanzwas sagt:

          ^^ Nein, danke. dann lieber das wahre Leben ;-) Mach winke winke :-)

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          1. Flowermaid sagt:

            „Tubbie Toast“ ;-)

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            1. Flowermaid sagt:

              … du kennst Sie nicht *kicher*… wenn irgendetwas anstrengend war, gibt es zum entspannen „Tubby Toast“

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            2. pflanzwas sagt:

              Nein, mehr als das Gewinke kenne ich tatsächlich nicht. Hab ich was verpaßt ;-) ? Tubby Toast….tztzzz

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            3. Flowermaid sagt:

              … nicht wirklich… nur die vermeintlich absolut heile Welt ;-)

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  7. maribey sagt:

    Mensch, ist das spannend bei dir und ich glaube, alle die hier mitlesen, fiebern mit. Wo mag das fünfte nur sein, keine schöne Vorstellung, wenn ein schwaches nicht großgezogen wird. Die Natur, wie wundervoll und manchmal grausam sie ist, zumindest in unseren Augen.
    Es ist toll, dass du uns teilhaben lässt an dem, was da passiert bei dir.

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    1. pflanzwas sagt:

      Es geht auf und ab, wie bei uns auch ! Nicht immer leicht zu akzeptieren… Ich bin froh, daß wir die niedlichen Jungvögel so nah zu Gesicht bekommen :-) Das ist schön und ich freue mich, wenn sie flügge werden !

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  8. Ich danke Dir für den ausführlichen Bericht. Sei nicht traurig, die anderen vier sehen doch schon wie richtige kleine Vögel aus. Ich denke, sie schaffen das, wenn das Wetter mitspielt. Ich freue mich jeden Tag auf Deinen Bericht
    Liebe Grüße Hedwig

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    1. pflanzwas sagt:

      Ja, die sind schon ganz schön weit ! Ich bin gespannt, wann sie flügge werden :-) Danke für deine lieben Worte ! Liebe Grüße, Almuth

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  9. bei uns brüten immer die MEISEN … seit generationen …

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    1. pflanzwas sagt:

      Ich wußte noch gar nicht, daß es eine Serie „Meisen – The next generation“ gibt, aber die wird wohl bei dir gedreht ;-) Wie süß ! Die machen bestimmt ganz schön Lärm, oder ? Und wo nisten die, auch auf dem Balkon ? Liebe Grüße, Almuth

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      1. die tierchen sind sehr angenehme gäste … die merkt man gar nicht … was mich auch immer wundert …

        die meckern nur … wenn ich im winter das futter nicht schnell genug nachfülle … was aber selten vorkommt …

        wir haben in entsprechender höhe einen kasten aufgehängt … an der hauswand …

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        1. pflanzwas sagt:

          Das klingt perfekt ! So angenehmen Besuch bekommt man nicht oft :-) Das mit dem Nachfüllen kann ich verstehen. Wenn ich Hunger habe kenne ich auch keine Verwandten – oder wie das heißt ;-)

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          1. auch mir fehlt da keineswegs das verständnis … im gegenteil … :oops:

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            1. pflanzwas sagt:

              ^^ Apropos, ich muß jetzt was essen…

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            2. pflanzwas sagt:

              Merci ! ich abe fertich :-)

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            3. uun … woar ös leggeer?

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            4. das frooit misch ausserooordentliisch …

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            5. pflanzwas sagt:

              Miisch auch :-)

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  10. Corona sagt:

    Die Natur ist grausam. Ich glaube daran, dass die vier es schaffen.

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    1. pflanzwas sagt:

      Danke ! Ja, ich auch :-)

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  11. dagehtwas sagt:

    Es gibt tatsächlich Vogelarten, die ein Reserveei legen. Einige Greifvögel zum Beispiel. Und wenn das ältere oder die beiden älteren Küken stark und gesund sind, wird das „Reserveküken“ gar nicht weiter gefüttert und irgendwann verfüttert. Klingt aus menschlicher Sicht nicht schön, ich weiß.
    Wie das bei Amseln ist, weiß ich nicht. Aber wenn ein Küken so hinterherhinkt, hat´s es schwer bis keine Chance. Es piepst nicht so laut, die anderen strecken ihre Hälse höher. Und somit bekommt das schwächste auch noch weniger zu fressen als die anderen und bleibt dann in der Entwicklung noch weiter zurück.
    Das Problem: Alle müssen gleichzeitig flügge werden. Die Eltern versorgen die Jungvögel ja dann noch eine Weile auch außerhalb des Nests. Und dann noch einen Nesthocker versorgen, das schaffen sie nicht (du siehst ja, was die Eltern alles anschleppen müssen!). Und bevor sie den Kleinen noch ein paar Tage durchfüttern, und er dann aber eh stirbt, hören sie eben früher auf zu füttern und verteilen die Würmer an die anderen.
    Es geht um Ressourcen.
    Die Vögel können nicht auf ein Gesundheitssystem zurückgreifen, das ihre Schwächsten aufpäppelt und durchpäppelt.

    In Zukunft wird es für die Vogeleltern noch schwieriger. Die Zahl der Insekten ist in den letzten 25 Jahren um 80 % zurückgegangen. Was sollen sie noch finden?

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    1. pflanzwas sagt:

      Das ist manchmal schwer mit anzusehen, obwohl man genau weiß, daß es die Natur so eingerichtet hat und nicht anders geht. Das jüngste Küken hatte den Tag zuvor den Hals noch gaaaanz lang gemacht. Vermutlich, wie du sagst, weil es schon weniger abbekam. Ja, es wäre sicher das erste „Opfer“ geworden, als schwächstes Glied in der Kette. Vielleicht gründen die Vögel irgendwann das Rote Vogelkreuz ;-) Aber bis dahin…

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