„Natur“ in der Stadt ?

Sie läßt sich nicht unterkriegen !

Bestenfalls erobert sie ihr Terrain zurück, still und leise und unauffällig…

Ein kleines Loch im Pflaster, etwas Erde. Mehr braucht SIE nicht, Mutter Natur !

Am Wochenende bin ich auf einer Radtour an der alten Conti vorbeigefahren. Die alten Industriegebäude der Continental AG, zu ihrer Gründung hieß sie noch „Hannoversche Gummiwerke Excelsior“, die in Hannover Limmer ihren Sitz hatte. Viele der alten Gebäude sind inzwischen gesprengt. Übrig sind insbesondere die Verwaltungsgebäude, zum Teil noch intakt, sowie ein Produktionsgebäude:

Mir gefiel das Gebäude immer sehr gut. Dazu die Lage am Stichkanal in Hannover-Linden (sowie Leineabstiegskanal). Das Gebäude zerfällt jedoch zusehends. Eine weitere Nutzung bleibt anscheinend aufgrund der mehr oder weniger giftigen „Hinterlassenschaften“ durch die Gummiproduktion fraglich.Spannend, wie die Natur sich das Gebäude zurückholt. Etwas Dreck, ein Same und es wächst.Schade, um die Gebäude. Auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik ist die „Wasserstadt Limmer“ geplant. Ein ziemlich großes Areal und Neubaugebiet. Anfangs recht übersichtlich, entwickelten sich im Laufe der Jahre die Pläne. Es stiegen die zukünftigen Einwohnerzahlen, so daß es dem alten Stadtteil Limmer mal eben 5000 neue Einwohner bringen sollte. Seitdem gibt es Widerstand und daraus resultierend eine Bürgerbeteiligung. Schlußendlich ist es ein ziemlicher Eingriff in einen einzelnen Stadtteil, der noch einen idyllischen alten Dorfkern hat und zudem nicht besonders groß ist. Zur Zeit wird über 3500 Einwohner diskutiert bzw. das scheint der aktuelle Stand zu sein…wie es aussieht, wurde im April der erste Spatenstich getan. Mehr dazu hier beim NDR.

Ich muß gestehen, daß die Pläne, wie das alles aussehen soll, auf mich ziemlich abschreckend wirken. Solche auf ein Mal aus dem Boden gestampften Stadtteile haben oft etwas künstliches. Ihnen fehlt das „Gewachsene“, was sonst einen Ort, ein Dorf, eine Stadt ausmachen. Hoffentlich wird es dann nicht zu steril dort (steril sieht für mich schon die „Landschaftsplanung“ in dem kleinen Clip in obigem Link aus. Das alte Dorf kann man dort auch noch kurz sehen)….Erinnert ein wenig an die Mietskasernen der 70er, auch wenn das hier nicht so brachial aussieht. Es bleibt abzuwarten ! Schön wäre trotz allem, wenn diese alten Gebäude erhalten blieben.

Was so gut in Schuß ist, dürfte das alte Verwaltungsgebäude sein. Man darf gespannt bleiben…

Advertisements

8 Gedanken zu „„Natur“ in der Stadt ?

    • Ja, in der Tat ! Vor allen Dingen, was da alles wächst an den unmöglichsten Stellen. Birken sieht man ja mal an Dächern und anderen illustren Stellen, aber hier guckt ein halber Wald aus den Fenstern. Irgendwie aber auch faszinierend, solche Orte. Der Charme der Vergänglichkeit. Schade, ich mochte den Bau, so wie er war und direkt an diesem Kanal. Sah hübsch aus. Ich glaube, sie sagten in dem Beitrag was von denkmalgeschützt. Kann ich mir kaum vorstellen, so lange, wie das bereits vor sich hinbröselt…

      Gefällt 2 Personen

  1. Weit mehr als der marode Charme fasziniert mich die Kraft, mit der sich die Natur ihr Terrain zurückholt – immer. Für mich ist es Trost und Hoffnung, dass von Menschen Gemachtes gewissen Gesetzen der Natur untergeordnet ist. Als ich als sehr junger Mensch die Erzählung „Herr und Hund“ von Thomas Mann las, habe ich aus seiner Beschreibung einer ungenutzten Straße, durch deren Asphalt der Löwenzahn und anderes sich wieder Bahn bricht, u. a. diese freudige Gewissheit erfahren und mitgenommen. Mittlerweile jedoch habe ich bisweilen Sorge, dass der Mensch in seiner Missachtung der Natur und Selbstüberschätzung doch noch alles zerstören könne, weil mahnende Stimmen übertönt werden. So steht diese Form von Vergänglichkeit (eher Transformation) für mich auch gleichzeitig für Neubeginn, das (hoffentlich) ewige Werden und Vergehen.

    Gefällt 3 Personen

    • So ähnlich gehts mir auch. Im Prinzip freue ich mich, wenn aus irgendwelchen Ritzen „Unkraut“ sprießt. Klar, die Menschen können mit Vorliebe viel kaputt machen. Das wissen wir ja zur Genüge. Zum Glück gibts auch die anderen ! Ich denke, wichtig ist, das Bewußtsein zu schärfen, denn vielen Menschen ist nicht mal klar, was sie vor ihrer eigenen Haustür machen und da fängts an. Die industrialisierte Landwirtschaft ist schon eine andere Nummer. Aber wie du sagst: sollten wir mal nicht mehr sein, holt sich die Natur sicher alles ganz schön schnell wieder. Dein letzter Satz drückt es sehr gut aus ! Es ist ein Kommen und Gehen, Enden und Neu-Beginnen, der ewige Kreislauf der Natur. Hoffnungsvolle Grüße, Almuth

      Gefällt 2 Personen

  2. Das ist ein super spannendes Thema liebe Almuth! Ich bin fasziniert von den Fotos und beeindruckt von der unglaublichen Kraft der Natur. Ja, die Menschheit kann der Natur fast alles rauben, eines Tages wird die Natur sich alles wieder zurückerobern. Ich darf gerade ein unheimlich beeindruckendes Buch zu diesem Thema rezensieren, es geht dort nicht ganz so drastisch zu, sondern darum, was man in noch so verstädterten und zubetonierten Gebieten machen kann, um der Natur zu helfen, Dachbegrünungen, Fassadenbegrünungen etc. Ja, es ist weit gekommen in unserer Welt. Unheimlich finde ich das, ehrlich gesagt. Und wie Du auch schreibst, etwas Dreck reicht schon und schon spriessen Überlebenskünstler wie der Löwenzahn aus allen Ritzen. Das macht Hoffnung! Super, super interessanter Beitrag, vielen Dank dafür! Mit lieben Grüssen, Arletta

    Gefällt 1 Person

    • Ich finde es auch immer wieder spannend, wenn ich mit dem Fahrrad durch die Stadt radle, wo überall etwas aus den Ritzen schießt. Wie du sagst, der Löwenzahn ist so ein Künstler, aber viele andere Pflänzchen auch. Und Birken sieht man oft an Dächern oder Gebäuden wachsen !! Das ist wirklich die letzte Hoffnung, falls wir mal alles hingemacht haben sollten (soweit kommts hoffentlich nicht). Ganz am Anfang meiner Blogzeit habe ich dazu mal einen Beitrag geschrieben. Den werde ich in Kürze mal wieder vorholen :-) Auf das Buch bin ich gespannt – falls es nicht schon online ist ?! LG, Almuth

      Gefällt 1 Person

  3. Und was macht der Mensch, wenn er einen Überlebenskünstler aus den Ritzen wachsen sieht? Er vergiftet das Pflänzchen, reisst es raus. Macht neuen Beton drüber. Neue Fugen. Spritzt dann gleich präventiv ne Runde Gift rein und so weiter. Nein, das Buch habe ich noch nicht online gestellt, geht bestimmt noch vier Wochen bis ich soweit bin :-) Mit lieben Grüssen von Balkon zu Balkon, Arletta

    Gefällt 1 Person

    • Zum Glück tut der Mensch das nicht überall. Bei den Moosundunkrautausdenfugenkratzern stellen sich mir immer die Nackenhaare auf ;-) Toll ist ja auch, daß so manches Unkraut gegen Gift resistent geworden ist ;-) Das hat das Unkraut ganz gut gelöst, oder ?! Ah ja, dann bin ich mal gespannt, wenns soweit ist. Heute wieder kühl, grau, windig hier..aber eine Atempause ist auch mal ganz schön :-) Liebe Grüße, Almuth

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s